6.3.2008

Kindertagesstätten machten sich erfolgreich auf den Weg zum Familienstützpunkt

Erzbischof will Projekt ausweiten und fordert vom Staat die Ermöglichung kleinerer Gruppen im Kindergarten

„Es ist herausgekommen, was wir uns gewünscht haben: Familien haben sich stärker miteinander verbunden. Denn jede Familie hat Ressourcen, auch wenn sie Schwierigkeiten hat.“ Dieses Resümee zog Erzbischof Dr. Ludwig Schick heute Mittag in Bamberg bei einer Pressekonferenz, die erste Ergebnisse aus dem bistumsweiten Projekt „Katholische Kindertagesstätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt“ vorstellte.

Der Erzbischof will daher, dass das Projekt, das noch bis Herbst läuft, anschließend auf alle Kindergärten ausgeweitet wird. Das solle aber nicht mit einem starren Raster geschehen. Vielmehr solle jede Kindertagesstätte darauf achten, was in ihrem speziellen Umfeld für die Eltern an Unterstützung erforderlich sei.

Erzbischof Schick stellte aber auch Forderungen auf: Vom Freistaat Bayern verlangte er, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Kindergärten die Größe der Gruppen verringern und mehr qualifiziertes Personal einstellen können. Die Pfarreien rief er dazu auf, sich stärker mit ihren Kindertagesstätten zu identifizieren.

Das Projekt „Katholische Kindertagesstätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt“ hat zum Ziel, die Probleme von Eltern und Kindern rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig Hilfen zur Bewältigung der Schwierigkeiten leisten zu können. Dazu sieht es Kindertagesstätten als idealen Ort. Denn die Mitarbeiterinnen sind vertraute Ansprechpartner von Kindern und Eltern und können dadurch einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Schwierigkeiten leisten.

Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein nannte als ein Angebot, das in den zehn am Projekt beteiligten Kindertagesstätten erprobt oder verstärkt wurde, Gesprächskreise, Kurse und Beratung zu Erziehungsfragen. Die Kindergärten Edith Stein in Röthenbach/Pegnitz, St. Josef in Weisendorf und St. Christophorus in Fürth hätten berichtet, dass Eltern die Möglichkeiten zum Austausch gerne nutzten. Es sei auch gelungen, gerade Väter anzusprechen, die im Kindergarten sonst weniger präsent seien.

Eine kleine Bibliothek richtete der Kindergarten St. Jakobus in Burgwindheim ein, wie dessen Leiterin Erika Neff berichtete. Der Kindergarten habe sich die Sprachförderung zum besonderen Ziel gesetzt. Jetzt besuchten die Mitarbeiter mit den Kindern und Eltern einmal im Monat die Katholische Bücherei am Ort und eine Logopädin biete im Kindergarten Beratungsstunden an.

Zum „Selbstläufer“ seien, so Öhlein, Elterncafés geworden, wie sie der Kindergarten St. Johannes der Täufer in Schlüsselfeld und der Caritas-Hort „Leo“ in Coburg einrichteten.

Die Öffnung für Senioren wagte die „Rappelkiste“ in Bayreuth, indem sie zu ihrem Mittagstisch nun auch ältere Bürger aus der Umgebung der Einrichtung einlädt. Dieses Angebot wollen andere Einrichtungen übernehmen, kündigte Öhlein an. Der Kindergarten in Schlüsselfeld habe Seniorinnen als Babysitter gewinnen können.

Babysitterangebote für Alleinerziehende, so in der Kindertagesstätte St. Augustin in Coburg, sind laut Öhlein auf große Resonanz gestoßen.

Die Arbeit mit Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund verstärkte erfolgreich der Kindergarten St. Christophorus in Fürth. Das Angebot eines Musikgartens für Eltern mit ihren Kindern mündet nun in einen Deutschkurs für Eltern. Im Kinder- und Jugendhaus Stapf der Caritas in Nürnberg entstand ein Dienst zur Beratung und Unterstützung junger Migranten.

Der Kindergarten Heilig Dreikönig in Forchheim band die Eltern stärker in den Kindergartenalltag ein. Durch Hospitationen bekamen die Eltern einen Einblick in die pädagogische Arbeit, was die Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Eltern verbessert hat.

Die Zwischenergebnisse des Projekts wurden heute auch bei einer von 420 Teilnehmern besuchten Fachtagung in der Bamberger Konzert- und Kongresshalle vorgestellt.