30.1.2008

Mit Bleistift, Schulbuch und Kopf für den Frieden kämpfen

Afghanistan-Experte Dr. Reinhard Erös informierte Studierende der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik


(v.l.n.r.) Schulleiter Dr. Jürgen Melber und Dr. Ulrike Roppelt freuen sich mit Silke Winter vom Kurs 1 B, die stellvertretend für die Studierenden der Fachakademie den Scheck als Beitrag zur Friedenserziehung in Afghanistan an Dr. Reinhard Erös überreicht 
Foto: Martina Schnepf

Wenn Dr. Reinhard Erös die Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik am Jakobsberg besucht, wird er dort wie ein guter Bekannter begrüßt. Kein Wunder, seit mittlerweile vier Jahren informiert der anerkannte Afghanistan-Experte regelmäßig die Studierenden über sein Projekt „Kinderhilfe Afghanistan“, vermittelt Hintergründe und erhält jedes Mal einen beachtlichen Scheck für die Patenschule BIBI HAWA im Osten des Landes - Spenden, die junge Menschen ohne eigenes Einkommen durch Aktionen und persönlichen Verzicht zusammengetragen haben.

Der Referent versteht es, seine Zuhörer zu fesseln. Die müssen freilich in Kauf nehmen, dass er „nicht nur zum Spendeneinsammeln kommt“, sondern auch Interesse für politische Zusammenhänge erwartet. „Ihr müsst über den Tellerrand hinausblicken“, fordert der ehemalige Bundeswehrarzt streng, wenn er mangelnde Kenntnisse feststellt „über das Land, in dem jeden Tag schreckliche Dinge passieren“. Er leistet also stets auch ein Stück politische Bildung. „In Afghanistan hat jeder Mann eine Waffe. Das wichtigste Unterrichtsfach in der Schule ist Minenkunde, denn täglich verunglücken durchschnittlich elf Menschen durch Minen. Weil es uns darum geht, Missverständnissen und Gewalt vorzubeugen, kämpfen wir nicht mit Waffen, sondern mit Schulbuch, Bleistift und Kopf“, erklärt der Referent - überzeugt, dass dies die einzige Chance ist, der Armut zu entgehen. „Im Land werden 27 verschiedene Sprachen gesprochen. Wenn man nicht miteinander reden kann, entstehen Probleme. Da setzen wir an und kümmern uns dabei besonders um Kinder, Frauen, Schule, Bildung.“ Der engagierte Entwicklungshelfer strahlt vor Freude, wenn er berichtet, dass dank großzügiger Spenden aus 600 deutschen Schulen in Afghanistan mittlerweile 18 Friedensschulen mit 1200 Lehrkräften für 45.000 Kinder gegründet, Waisenhäuser, Gesundheitsstationen, und Mutter-Kind-Kliniken sowie Werkstätten für Solar-Anlagen errichtet und Schulspeisung eingeführt werden konnten. „In unseren PC-Zentren ist sogar das bisher einzige Computer-Lehrbuch Afghanistans entstanden,“ verkündet er stolz. Und weil es nicht seine Sache ist, sich zufrieden zurückzulehnen, fügt Dr. Erös hinzu: „Es geht vorwärts, aber es gibt noch viel zu tun. Unsere Arbeit ist jedoch nur möglich, weil Ihr uns unterstützt – danke!“

„Das Gesicht der Welt verändern“

Die Initiative „Kinderhilfe Afghanistan“ hat  Dr. Ulrike Roppelt vor vier Jahren an der Fachakademie initiiert, weil auch hier die Investition in Bildung hohen Stellenwert genießt. „Die Studierenden sind mit Feuer und Flamme dabei. Allein im Jahr 2007 können sie insgesamt 35 Kindern den Schulbesuch ermöglichen.“ freut sich die Lehrerin über 1640 Euro, die durch Schulfest und persönliche Beiträge von Studierenden und Lehrkräften zusammen gekommen sind. Letztere übernehmen das Gehalt einer Lehrkraft an der Patenschule. „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“, ist Ulrike Roppelt überzeugt. Schulleiter Jürgen Melber hob die Bedeutung der Erziehung zum Frieden in Afghanistan hervor. Er würdigte die von großem Vertrauen in die Menschen und Verständnis für ihre Kultur geprägte Arbeit von Familie Erös, die u.a. mit dem Marion-Dönhoff-Preis ausgezeichnet wurde. Urs Erös, der nach Abschluss seines Jurastudiums gerade als Fahrer für seinen viel beschäftigten Vater fungiert, versichert glaubwürdig, dass dieses Engagement die ganze Familie bereichert – auch wenn er einräumt, dass „es Zeiten gab, in denen ich einer Playstation nachtrauerte, wenn das entsprechende Geld wieder einmal nach Afghanistan gewandert ist,  Doch heute weiß ich, wie viel ich dadurch für mein Leben profitiert habe.“

Renate Steinhorst