25.2.2008

„FSSJ: ein Projekt, bei dem alle Beteiligten gewinnen“

Aktionstag der Caritas-Fachakademie zum Freiwilligen Sozialen Schuljahr


„Medienpädagogik“: Wie man Kinder für Bilderbücher begeistern und mit deren Hilfe auch schwierige Themen besprechen kann, erklärt hier der angehende Erzieher Julian einigen FSSJ-lern.
Foto: Rochus Münzel

Um hundert Prozent gesteigert hat sich in Bamberg die Beteiligung am Freiwilligen Sozialen Schuljahr (FSSJ) im zweiten Jahr des Bestehens. Rund 300 Schülerinnen und Schüler aus Stadt und Landkreis sammeln zur Zeit in insgesamt 192 Einsatzstellen Erfahrungen, u.a. in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Senioren, Sozialstationen, Lebensrettung, Sportvereinen sowie Natur- und Tierschutzgruppen.  

Staatssekretärin Melanie Huml ist über diese Erfolgsgeschichte sehr erfreut, allerdings nicht allzu erstaunt. „Hier handelt es sich um eine klassische Gewinn-Situation für beide Seiten“, erklärt die Patin des Projekts. „Junge Menschen können sich in verschiedenen Bereichen ausprobieren und wertvolle soziale Erfahrungen machen, gleichzeitig erhalten Einrichtungen und Vereine engen Kontakt zu potenziellen Bewerbern bzw. Mitgliedern.“ Als Landtagsabgeordnete hat sie das FSSJ in Bamberg von Anfang an konstruktiv begleitet, jetzt stellt sie es nicht selten bei ihrer politischen Arbeit in anderen Regierungsbezirken als Modellprojekt vor.

Wie Koordinator Rochus Münzel berichtet, beteiligen sich inzwischen etwa die Hälfte aller Schulen in Stadt und Land, ca. ein Drittel sind Hauptschüler. „Die Jugendlichen schätzen es, wenn sie in die Teams integriert und bei ihren Tätigkeiten gut begleitet werden, wenn sie eigene Ideen einbringen und mitbestimmen dürfen. Haben sie positive Erfahrungen mit freiwillig, gemeinnütziger Tätigkeit gemacht, dann sind sie auch aufgeschlossen für spätere ehrenamtliche Arbeit. Wir hoffen natürlich, dass davon auch das Angebot des Freiwilligenzentrums CariThek profitiert“, erklärt dessen Leiter. „Die am FSSJ beteiligten Lehrkräfte stellen fest, dass sich diese Initiative auf den Schulbetrieb positiv auswirkt, und auch die Eltern sind erfahrungsgemäß sehr am sozialen Lernen ihrer Kinder interessiert. Nicht zuletzt weil der Qualifikationsnachweis deren Chancen bei schulischer bzw. beruflicher Weiterbildung erhöht“, erläutert der Sozialpädagoge. Erfreut registriert er eine wachsende Bereitschaft der Einrichtungen, die Schüler nicht einfach „ins kalte Wasser zu werfen“ sondern gezielt auf ihre Einsätze vorzubereiten. Vorbildlich geschieht dies z.B. in der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik, wo Studierende jetzt einen Aktionstag für interessierte FSSJ-ler gestalteten.

In Workshops vermittelten angehende Erzieherinnen und Erzieher Tipps und Tricks für die Arbeit mit Kindern. Sie stellten Beispiele aus Medienpädagogik, Kunst- und Musikerziehung vor und übten mit viel Spaß gemeinschaftsbildende Spiele und Entspannungstechniken ein. Beim Erfahrungsaustausch berichtete die 16jährige Katharina, die in Oberhaid bereits Jugendgruppen leitet, dass sie für ihr Engagement im Rahmen des FSSJ nun einen Qualifikationsnachweis erhält. „Die gewonnenen Erfahrungen werden mir später bei zugute kommen, wenn ich als Au Pair in den USA arbeite“, meint auch Malisia, die im Kindergarten St. Oswald in Baunach freiwillig Kinder bei den Hausaufgaben betreut. Die 14jährige Annika und die 15jährige Astrid haben im Pfleger-Kinderhort bzw. im Kindergarten St. Anna in Hallstadt viel Spaß bei der Beschäftigung mit den Kleinen. „Disziplinprobleme gibt es nicht“, berichten sie selbstbewusst, „unsere Autorität wird von den Kindern anerkannt.“. Die 15jährige Svenja, die schon als kleines Mädchen ihre Leidenschaft fürs Schwimmen entdeckt hatte, probiert sich zurzeit bei der DLRG als Schwimmtrainerin aus. „Von dem vielfältigen Angebot beim Aktionstag der Fachakademie habe ich sehr profitiert“, versichert sie. Die Lehrkräfte Ursula Bentele und Franz Bleuel äußerten sich anerkennend über den guten Kontakt zwischen Schülern und Studierenden: „Selbstständig und kompetent haben sie die Vermittlung wichtiger Inhalte bis hin zu rechtlichen Fragen in die Hand genommen. Wenn man bedenkt, dass dies alles an einem Samstag in der Freizeit geschah, ist das Engagement umso bemerkenswerter“.

FSSJ: Teilnehmen können Schüler der Vorabschlussklassen in Haupt– und Mittelschulen, sowie Gymnasien, denen von Einrichtungen, Verbänden, Kommunen, Vereinen und Behörden eine breite Palette von Einsatzmöglichkeiten angeboten wird. Die Jugendlichen leisten über die Dauer eines Schuljahres wöchentlich zwei Stunden ehrenamtliche Arbeit außerhalb der Unterrichtszeit und erhalten dafür am Schuljahresende ein qualifiziertes Zeugnis. Das Projekt ist religiös- und weltanschaulich neutral angelegt. Über die Durchführung wacht ein Kuratorium mit Vertreterinnen und Vertretern aus Schulamt, aus den Sozialreferaten aus Stadt und Landkreis, sowie der Wohlfahrtsverbände, der Eltern- und Schülervertretungen, aus dem Familienbeirat und der Presse. Koordination: Rochus Münzel, CariThek, Tel. 0951/8604140,  www.carithek.de