22.2.2008

Umziehen, um daheim zu bleiben

In Forchheim wurde das erste Wohnmodell „In der Heimat wohnen – ein Leben lang“ eingeweiht


er evangelische Pfarrer Christian Muschler und sein katholischer Kollege Martin Battert (von links) segneten das neue Gebäude (im Hintergrund).

Das erste Wohnmodell „In der Heimat wohnen – ein Leben lang, sicher und selbstbestimmt“ ist am gestrigen Abend in Forchheim eingeweiht worden. Die 18 barrierearmen Wohnungen wurden bereits zu Jahresbeginn von älteren Bürgerinnen und Bürgern bezogen. Jetzt nimmt im Gebäude noch ein Caritas-Stützpunkt die Arbeit auf, und in einem Hauscafé bieten Ehrenamtliche Veranstaltungen für Hausbewohner und Nachbarn an.

„In der Heimat wohnen – ein Leben lang, sicher und selbstbestimmt“ ist ein gemeinsames Projekt der Caritas im Erzbistum Bamberg und des kirchlichen Wohnungsunternehmens Joseph-Stiftung. Bei der Einweihung in Forchheim nannte Klemens Deinzer, Vorstand der Joseph-Stiftung, einige Zahlen: Nur ein Prozent aller Wohnungen in Deutschland seien altersgerecht, aber 95 % der Bevölkerung wollten bis ans Ende ihres Lebens in den eigenen vier Wänden leben. Zudem sei im Jahr 2030 jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt. An diese Vorgaben knüpfe das Wohnmodell an.

Bei dem Modell „In der Heimat wohnen – ein Leben lang“ entstehen durch Neu- oder Umbau Gebäude, die neben barrierearmen Wohnungen einen Caritas-Stützpunkt und als Gemeinschaftsangebot ein Hauscafé umfassen. Der Caritas-Stützpunkt sorgt dafür, dass die Bewohner, aber auch Nachbarn in der Umgebung Unterstützungs- und Pflegeleistungen erhalten, wenn sie diese benötigen. Die Hausbewohner zahlen für diese Leistungen nur dann, wenn sie sie aktuell in Anspruch nehmen. Die Wohnungen werden grundsätzlich vermietet, wobei die Miete so kalkuliert ist, dass sie, wenn nötig, auch vom Sozialamt akzeptiert wird.

Drittes Standbein des Modells ist das Engagement Ehrenamtlicher, die den Hausbewohnern zur Seite stehen. So wird es in Forchheim jeden Montag einen „Suppenküche“ genannten einfachen Mittagstisch sowie regelmäßig Spielenachmittage im Hauscafé geben.

Bereits im November öffneten im Nürnberger Stadtteil St. Johannis in einer bestehenden Wohnanlage der Joseph-Stiftung schon einmal Caritas-Stützpunkt und Hauscafé. Die barrierefreien Wohnungen muss die Joseph-Stiftung hier durch Neubau eines Teils der Anlage noch errichten.

Im Bau sind Wohnmodelle in Bamberg-Gaustadt, der Pfarrei St. Sebald in Erlangen und in Neunkirchen am Brand (Landkreis Forchheim). In der Planung befindet sich ein Standort in Hersbruck (Kreis Nürnberger Land).

In diesem Jahr wollen Caritas und Joseph-Stiftung einen Schwerpunkt darauf setzen, Wohnmodelle im ländlichen Raum zu realisieren. Zahlreiche Anfragen aus Kommunen, die meist weniger als 5.000 Einwohner zählen, liegen vor. Ziel ist es, dass Senioren oder behinderte Menschen bei Pflegebedürftigkeit nicht in die nächste Stadt „auswandern“ müssen, sondern weiter in der vertrauten Umgebung und bei ihren Verwandten und Bekannten leben können. Sie können, wie Forchheims Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann es ausdrückte, „ins Wohnmodell umziehen, um daheim zu bleiben.“