21.2.2008

Neue Broschüre stellt innovative Projekte der Caritas im Erzbistum Bamberg vor

„Zwischen innovativen Projekten und neuer Armut“ lautet der Titel einer 56-seitigen Broschüre, die über die Arbeit der Caritas im Erzbistum vor allem in den letzten beiden Jahren berichtet. „Wir wollten darstellen, was die Caritas leistet und welche Notlagen Caritas verstärkt wahr- und aufnimmt“, sagte Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein, als er gemeinsam mit Weihbischof Werner Radspieler die Broschüre am 19. Februar 2008 in Bamberg vorstellte.

Als ein innovatives Projekt, das eine aktuelle Not – nämlich die wachsenden materiellen und sozialen Probleme von Familien – aufgreift, nannte Öhlein das Projekt „Katholische Kindertagesstätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt“. Es setze darauf, dass die Mitarbeiterinnen in Kindergarten, Krippe oder Hort aufkeimende Schwierigkeiten von Kindern und Eltern am ehesten erkennen und als direkte Gesprächspartner der Familien Lösungsmöglichkeiten anbieten oder Beratung vermitteln können. Daher werden im Projekt neue oder erweiterte Angebote entwickelt, die speziell auf Anliegen und Nöte von Eltern und Familien eingehen. Die zehn Kindertagesstätten, die sich als Modellstandorte am Projekt beteiligen, befinden sich in Bayreuth, Burgwindheim, Coburg (2), Forchheim, Fürth, Nürnberg, Röthenbach/Pegnitz, Schlüsselfeld und Weisendorf.

Ein innovatives Angebot für Menschen, die für den Fall der Pflegebedürftigkeit vorsorgen wollen, ist „In der Heimat wohnen – ein Leben lang, sicher und selbstbestimmt“. Während das kirchliche Wohnungsunternehmen Joseph-Stiftung barrierefreie Mietwohnungen baut, richtet die Caritas im Gebäude einen Stützpunkt ein. Von ihm aus koordiniert sie Pflege und andere Hilfeleistungen, aber auch ehrenamtliche Aktivitäten wie Besuchsdienste – und zwar nicht nur für die Mieter, sondern für das gesamte Wohnviertel. „Sicher und selbstbestimmt“ sei dabei das entscheidende Stichwort, sagte Öhlein. Der Mieter zahle nur die Leistungen, die er tatsächlich erhalte, und entscheide selbst, wann er etwa Essen auf Rädern, hauswirtschaftliche Dienste oder ambulante Pflege in Anspruch nehme. Als erster Standort von „In der Heimat wohnen“ im Erzbistum ist in Forchheim ein neu errichtetes Gebäude zu Jahresanfang bezogen worden. Bereits eröffnet sind Caritas-Stützpunkt und Hauscafé im Nürnberger Stadtteil St. Johannis – in einer bestehenden Wohnanlage der Joseph-Stiftung. Barrierefreie Wohnungen werden dort neu errichtet. Im Bau sind Wohnmodelle in Bamberg-Gaustadt, der Pfarrei St. Sebald in Erlangen und in Neunkirchen am Brand. In der Planung befinden sich Standorte in Hersbruck

Ebenfalls neue Wege für Senioren hat der Diözesan-Caritasverband nach Auskunft Öhleins mit dem Hausgemeinschaftsmodell beschritten, das er in den letzten drei Jahren beim Neubau von Alten- und Pflegeheimen verwirklicht habe. Eines der drei Häuser mit diesem Konzept ist das im November eröffnete. In ihm lebten die Bewohner, so Öhlein, „wie in einer Senioren-WG.“ Zehn bis zwölf Bewohner bildeten eine Hausgemeinschaft. „Alle Abläufe des Alltags geschehen in einem großen gemeinsamen Aufenthaltsraum mit großer Küche.“ Selbst schwer pflegebedürftige Bewohner bekämen so die ihnen von zu Hause vertrauten Geräusche und Gerüche mit. „Die Senioren sind viel aktiver, beteiligen sich stärker, und auch die Angehörigen kommen viel lieber zu Besuch,“ schilderte Öhlein als Effekt des Modells. Umgesetzt ist es im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef in Bamberg-Gaustadt, im Caritas-Seniorenzentrum St. Martin in Eggolsheim und in den Caritas-Hausgemeinschaften für Senioren St. Elisabeth in Hollfeld.

Darauf, dass der Bedarf an Altenpflege steigt, reagiert die Initiative „Zukunft schaffen durch Ausbildungsplätze in der ambulanten Altenpflege“. Mit Hilfe von Spenden schaffe die Caritas Ausbildungsstellen in den Caritas-Sozialstationen, die sich Auszubildende eigentlich nicht leisten könnten, da sie deren Kosten nicht mit den Kassen abrechnen dürften. Acht zusätzliche Ausbildungsplätze seien inzwischen entstanden: in den beiden Caritas-Sozialstationen in Bamberg und den Caritas-Sozialstationen in Lehrberg (Landkreis Ansbach), Hollfeld, Neunkirchen am Brand, Pegnitz und Bayreuth (2 Ausbildungsstellen).

Dank der Initiative könne die Caritas Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Caritas-Profil ausbilden, ergänzte Öhlein. Diesen Aspekt unterstrich Weihbischof Werner Radspieler. Die Mitarbeiter der Caritas sollten nicht nur gekonnt, also professionell und gut ausgebildet, ihre Aufgaben erfüllen, sondern sich den Menschen mit dem Herzen zuwenden, so dass diese ihre menschliche Güte zu spüren bekämen.

Radspieler, der auch 1. Vorsitzender des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg ist, unterstrich, dass die Caritas keine Institution neben der Kirche, sondern deren integraler Bestandteil sei. Neben der Liturgie (Gottesdienst und Sakramentenspendung) und der Verkündigung (der Weitergabe des Glaubens) sei die „Diakonie“, der soziale Dienst am Mitmenschen, Standbein der Kirche. Daher könne die Kirche die Wohlfahrt nicht einfach anderen überlassen. „Wo Caritas draufsteht, ist auch Kirche drin. Und wo Kirche draufsteht, ist auch Caritas drin“, formulierte Radspieler.

Interessenten können die Broschüre „Zwischen innovativen Projekten und neuer Armut“ beziehen beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Postfach 12 29, 96003 Bamberg, Fax (0951) 86 04-199, E-Mail: info@caritas-bamberg.de.