18.9.2007

Im Erzbistum besteht besonders hoher Bedarf an Versorgung pflegebedürftiger Menschen

Caritas-Herbstsammlung lenkt Blick auf ambulante Pflege durch die Caritas-Sozialstationen – auch in diesem Bereich sind Spenden nötig.

Vom 1. bis 7. Oktober 2007 erbittet die Caritas bei ihrer diesjährigen Herbstsammlung von den Bürgern Spenden zur Unterstützung ihrer Arbeit. Am 30. September findet in den katholischen Gottesdiensten dieses Sonntags sowie in den Vorabendgottesdiensten die Caritas-Kollekte statt.

Die Caritas-Herbstsammlung eröffnet ein diözesaner Auftaktgottesdienst im Dom zu Bamberg, den Weihbischof Werner Radspieler am Sonntag, 30. September 2007, um 10.00 Uhr zelebrieren wird.

38 Caritas-Sozialstationen versorgen 3.800 Patienten

Den thematischen Schwerpunkt der Herbstsammlung setzt die Caritas im Erzbistum Bamberg auf die Arbeit der Caritas-Sozialstationen. Die ambulante Alten- und Krankenpflege ist eine zentrale Aufgabe der Caritas vor Ort. Die Schwestern und Pfleger der 38 Caritas-Sozialstationen betreuen im Erzbistum Bamberg rund 3.800 alte und kranke Menschen in ihrem Zuhause. Je nach Einzugsbereich betreut die einzelne Caritas-Sozialstation zwischen 40 und 180 Patienten. Zählt man die Beratungsgespräche bei pflegebedürftigen Menschen hinzu, die ausschließlich von ihren Angehörigen versorgt werden, kommt man auf die doppelte Anzahl an Klienten.

Gerade im Erzbistum Bamberg besteht ein besonders hoher Pflegebedarf. Die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Kronach, Bayreuth und Hof sowie die Städte Hof, Coburg, Bamberg und Ansbach gehören zu den 27 von insgesamt 96 bayerischen Kommunen, in denen auf 1000 Einwohner mehr als 30 Pflegebedürftige kommen. Der Landesdurchschnitt liegt bei 24 Pflegebedürftigen pro 1000 Einwohner. Die Fachpflege-, Hilfspflege- und hauswirtschaftlichen Kräfte, die bei den 38 Caritas-Sozialstationen im Erzbistum Bamberg arbeiten, ergeben zusammen 384 Vollzeitstellen.

Die Caritas-Sozialstationen erbringen zum einen häusliche Pflege nach dem Pflegeversicherungsgesetz, zum anderen häusliche Krankenpflege nach der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zur häuslichen Pflege gehören Leistungen wie Hilfe beim An- und Auskleiden, Körperwäsche, Zahnpflege, Kämmen, Haarwäsche, Hilfe bei Essen und Trinken, Zubereiten einer Mahlzeit, Wäschewaschen, Einkaufen und andere Besorgungen.

Die häusliche Krankenpflege umfasst etwa das Vorbereiten und Verabreichen von Spritzen, Verbandswechsel, An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen, Versorgung mit Medikamenten, Legen oder Wechseln einer Magensonde, Spülen und Einlegen eines Katheters, Inhalationen und Infusionen.

Nicht in den Kassenleistungen vorgesehen ist die persönliche Zuwendung zum pflegebedürftigen Menschen. Nimmt die Schwester oder der Pfleger sich Zeit, dem Patienten zuzuhören, sich mit seinen Sorgen und Nöten zu befassen, ihm Mut zuzusprechen oder mit ihm zu beten, muss die Caritas-Sozialstation diesen Teil der „Arbeitszeit“ aus eigenen Mitteln bestreiten.

Nicht von den Kassen finanziert werden ferner die persönliche Beratung von pflegenden Angehörigen, die Sterbebegleitung bei Patienten und die Trauerbegleitung der Angehörigen nach dem Tod des Gepflegten. Da der Caritas aus ihrer christlichen Überzeugung heraus gerade auch an dieser Form der Hilfe und Unterstützung viel liegt, muss sie die Kosten für diese Angebote selbst übernehmen. Dazu ist die Caritas auf Spenden angewiesen.

Insbesondere das Engagement ehrenamtlicher Helfer, das der Caritas gerade auch im Bereich der Pflege (z.B. in Form von Besuchsdiensten) wichtig ist, kann die Caritas nur aus eigenen Ressourcen fördern. Das Gleiche gilt für die speziellen Angebote für pflegende Angehörige.

Ein besonderes Problem haben die Caritas-Sozialstationen beim Nachwuchs an Pflegekräften. Von Gesetzes wegen könnten sie Altenpflegerinnen und –pfleger ausbilden, de facto können sie sich aber keine Auszubildenden leisten. Grund ist der enge Finanzrahmen, den die Pflegeversicherung steckt, denn seit ihrer Einführung wurden die Entgelte nie der Lohn- und Preisentwicklung angepasst. Ausbildungskosten dürfen die Sozialstationen nicht mit den Kassen abrechnen. Die Caritas im Erzbistum Bamberg will daher mit Hilfe von Spenden Ausbildungsplätze in den Caritas-Sozialstationen einrichten.

In der Erzdiözese Bamberg gibt es derzeit 38 Caritas-Sozialstationen (ohne Außenstellen). Lediglich vier von ihnen (zwei im Caritasverband für die Stadt Bamberg e.V., je 1 Azubi in den Caritasverbänden Forchheim und Ansbach) haben gegenwärtig einen Auszubildenden. Durch die fehlende Finanzierungsmöglichkeit gehen der Altenpflege somit fast 40 potentielle Ausbildungsplätze verloren.

Die Caritas-Sammlung

Die Caritas-Sammlung besteht aus drei Elementen: Die Hauslistensammlung, bei der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Tür zu Tür gehen, findet in diesem Herbst vom 1. bis 7. Oktober statt. Zusätzlich erfolgt in größeren Orten eine Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen, vom 5. bis 7. Oktober. Bei der Gottesdienstkollekte am Caritas-Sonntag, 30. September, werden in allen katholischen Gottesdiensten die Besucher um eine Spende gebeten. Jedes Jahr werden zwei Caritas-Sammlungen durchgeführt, eine im Frühjahr und eine im Herbst.

Vom Ertrag der Sammlung erhalten in der Erzdiözese Bamberg die Pfarreien 40 Prozent für ihre eigenen sozial-karitativen Aufgaben. Je 30 Prozent gehen an den Diözesan-Caritasverband und an die Stadt- und Kreis-Caritasverbände zur Finanzierung vor allem jener Angebote, die stark auf Eigenmittel der Caritas angewiesen sind.

Die Caritas-Sammlung im Frühjahr 2007 erbrachte 823.806 Euro und lag damit deutlich unter der Frühjahrssammlung 2006 mit 839.515 Euro. Dabei sind die Spenden, die der Caritas bei den Sammlungen zugewendet werden, die einzigen wirklich frei verfügbaren Mittel der Caritas.