31.10.2007

Kirchliche Mitarbeiter auf der Todesliste des Militärs


In der Caritas-Tagesstätte St. Anna beteiligte sich Lory Obal (2. v. rechts) an der Betreuung der Jungen und Mädchen.

Gast von den Philippinen berichtete im Heilpädagogischen Zentrum der Caritas in Lichtenfels von der gefährlichen Arbeit mit Ureinwohnern.

Auf Einladung von missio und den Pastoralreferenten der Erzdiözese Bamberg bereiste Lory Obal, Diözesankoordinatorin für die Ureinwohner des Bistums Kidapawan im Süden der Philippinen, das Erzbistum. Dabei besuchte sie auch das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) der Caritas in Lichtenfels.

Zunächst beteiligte Frau Obal sich in der Tagesstätte St. Anna bei der Betreuung behinderter und entwicklungsverzögerter Kinder in der „Spatzengruppe“. Für den Gast war dies nach eigenem Bekunden ein interessanter Einblick in die Arbeit der Caritas, da es auf den Philippinen „keine Förderung für Menschen mit Behinderung“ gebe.

Danach berichtete sie vor Mitarbeiterinnen des HPZ über ihre Arbeit auf der Insel Mindanao. Dort unterrichtet sie Kinder und Erwachsene, da vielen Ureinwohnern der Schulbesuch nicht möglich sei. Aber auch dem kirchlichen Bildungsprogramm fehle es an Unterrichtsmaterial. Frau Obal dankte daher den Pastoralreferenten der Erzdiözese Bamberg, die durch Spenden den kauf von Heften und Stiften ermöglichen.

Lory Obal beklagte die Rechtlosigkeit der Ureinwohner ihres Landes. Diese besäßen kein eigenes Land, da es Plantagenbesitzern gehöre oder der Staat es – zuletzt 30.000 Hektar auf Mindanao – an ausländische Bergbauunternehmen vergebe. Die Interessen dieser Investoren schütze die Regierung mit Hilfe des Militärs. Die Rechte der Ureinwohner zu verteidigen, sei lebensgefährlich. Zwischen 2002 und 2007 habe es 800 Morde an kirchlichen Mitarbeitern, Journalisten und Vertretern von Menschenrechtsorganisatoren gegeben. Unter den Opfern sei vergangenes Jahr auch ein Ehepaar gewesen, mit dem sie zusammengearbeitet habe, berichtet Frau Obal, und sie selbst stehe auf einer Todesliste. Trotzdem protestiere die katholische Kirche weiter gegen die Veräußerung des Landes und die Umweltzerstörung durch Bergbau und Abholzung.