25.10.2007

45.000 Stunden „freiwillig aktiv für Bamberg“

Aktion „Zeitscheck“ der CariThek beim Tag des Ehrenamts und der Selbsthilfe

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Eine Riesenüberraschung" war es für Tatjana Kaiser aus Pödeldorf bei Bamberg, als sie beim Tag des Ehrenamts das schicke E.ON Bayern-Fahrrad gewann. Seit 18 Monaten engagiert sich die 15jährige  freiwillig im Bamberger Welt-Laden. "Die Arbeit hier macht mir viel Spaß", versichert die Schülerin des Clavius-Gymnasiums, „ich mache alles mit - vom Einräumen der Regale bis zum Verkauf“. Dass sie für ihren ehrenamtlichen Einsatz im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Schuljahrs nun auch ein Zeugnis erhalten hat, findet sie prima. Für eine spätere Bewerbung könnte das von Nutzen sein.




Welch hohen Stellenwert das Ehrenamt in Bamberg hat, wurde bei der Großveranstaltung im September auf dem Maxplatz deutlich: Die Besucher konnten 59 Organisationen und Selbsthilfegruppen kennen lernen, Oberbürgermeister Starke nahm einen symbolischen "Zeitscheck" über 45.000 freiwillig geleistete Stunden in Empfang, und Erzbischof Dr. Ludwig Schick überreichte den Jahrespreis zusammen mit 2.300 Euro an die Vereinigung "Menschen in Not".

Am „Tag des Ehrenamts und der Selbsthilfe“ erhielten die vielen Besucher auf dem Bamberger Maxplatz einen Eindruck davon, wie es um das freiwillige bürgergesellschaftliche Engagement in Bamberg bestellt ist. Teilnehmer des Freiwilligen Sozialen Schuljahrs überreichten gemeinsam mit der Patin des Projekts, MdL Melanie Huml, einen symboischen Zeitscheck über 45.000 ehrenamtlich geleistete Stunden an Oberbürgermeister Andreas Starke.

Dieser betonte in seiner Rede – wie auch bereits Wolfgang Zwießler vom Sozialreferat bei der Begrüßung – den hohen Stellenwert, den bürgergesellschaftliches Engagement in der Stadt Bamberg genießt. Die Jugendlichen ermunterte das Stadtoberhaupt, auch weiterhin Erfahrungen in Sachen Sozialkompetenz zu sammeln. Bei der von der CariThek initiierten Aktion „Zeitschecks“ ging es nicht nur um die in Vereinen, Organisationen und Selbsthilfegruppen organisierten ehrenamtlichen Einsätze. Gezeigt wurde erstmals auch, wie viel Hilfe außerdem ganz selbstverständlich und eher im Stillen geleistet wird.

Auf den von der CariThek vorbereiteten „Zeitschecks“ hatten die Teilnehmer – unter ihnen viele im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Schuljahrs tätige Jugendliche -  ihre im Jahr 2006 geleisteten Stunden im sozialen, kulturellen, sportlichen oder nachbarschaftlichen Engagement ein. Ob Babysitten für die Nachbarn, handwerkliche Hilfe für alte Menschen, Deutschunterricht für Migranten, Aufsicht im Dom oder im Museum und vieles andere von Arbeitsloseninitiative bis Umweltschutz – jede Art von ehrenamtlicher Tätigkeit war hier gefragt. Die bei der CariThek eingereichten Zeitschecks wurden an einer Wäscheleine präsentiert, so dass die Besucher ein umfassendes Bild vom vielfältigen sozialen Leben und dem gemeinnützigen Engagement in unserer Stadt erhielten. Freilich handelte es sich dabei nur um einen kleinen Teil des tatsächlich in der Stadt vorhandenen Engagements, weil viele Bürger lieber im Verborgenen wirken möchten. Passend zum Motto des Tages „Freiwillig aktiv für Bamberg“ wurde unter allen Teilnehmern ein vom Energieversorger E.ON Bayern gespendetes hochwertiges Fahrrad verlost. Tanja Kaiser aus Pödeldorf, Schülerin des Clavius-Gymnasiums war die glückliche Gewinnerin. Sie arbeitet seit 18 Monaten freiwillig im Bamberger Weltladen.

Mt 25 „Menschen in Not ausgezeichnet

Für 38 angemeldete Organisationen und 19 Selbsthilfegruppen bot die Veranstaltung am 15. September eine gute Gelegenheit, neue Kontakte mit potentiellen Interessenten für ein freiwilliges Engagement zu knüpfen. Im Mittelpunkt des Tages stand wie immer die Verleihung des Ehrenamtspreises des Freiwilligenzentrums CariThek durch Erzbischof Dr. Ludwig Schick. „Rund 25 000 Menschen sind in der Erzdiözese Bamberg ehrenamtlich tätig, ohne sie wäre das vielfältige kirchliche Engagement im religiösen, sozialen und gesellschaftlichen Bereich nicht möglich“, betonte er. Die Jury hatte sich in diesem Jahr unter zwölf Bewerbern für Mt.25 „Menschen in Not“ entschieden. Rund 3000 Stunden jährlich leisten die dort tätigen Ehrenamtlichen, wobei vor allem die Wärmestube, aber auch die Kleiderkammer und das Sonntagsfrühstück gerne in Anspruch genommen werden. Norbert Engel, einer der Gründer der Aktion nahm aus der Hand des Erzbischofs den von Matthias Gröhling künstlerisch gestalteten Preis entgegen, einen Granitstein mit goldenem Herzen in der Mitte. Er nutzte die Gelegenheit, für Unterstützung in der Küche zu werben, weil zurzeit kein Koch zur Verfügung steht. Groß war die Freude bei den Mitarbeitern der Einrichtung, als zum Ende der Veranstaltung stellvertretender Caritasdirektor Helmar Fexer das Preisgeld in Höhe von insgesamt 2300 Euro an Karin Loibl übergab. Diese Summe hatte sich ergeben aus den Spenden von Stadt und Landkreis Bamberg, der Sparkasse sowie aus dem Erlös der gespendeten Backwaren der Gramss-Backstube, Spezial-Bier und Getränke, Minges-Kaffee und der von vielen tüchtigen Hausfrauen gekochten Marmeladen. Unter den Sponsoren des Tages waren auch die Stadtwerke, die Firma Bosch und die Buchhandlung Görres.

Mehr als 80 Selbsthilfegruppen in Bamberg

Die Ziele der Selbsthifegruppen – vertreten waren auf dem Maxplatz rund 20 von insgesamt mehr als 80 in Bamberg vorhandenen Zusammenschlüssen – erläuterte Vorstand Peterhänsel von der Arbeiterwohlfahrt. Das Bamberger Selbsthilfebüro unter Leitung von Alexander Schlote, Diplomsozialpädagoge, unterstützt, begleitet und berät bestehende Selbsthilfegruppen und interessierte Bürger und Bürgerinnen. Menschen, die von chronischen oder seltenen Krankheiten von Lebenskrisen oder belastenden sozialen Situationen betroffen sind und ihre Angehörigen können hier Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

Achtsames Miteinander fördern

Stellvertretender Diözesancaritasdirektor Helmar Fexer beglückwünschte die Stadt Bamberg zu dem ausgeprägten gesellschaftlichen Engagement ihrer Bürger. In der Freiwilligenbörse CariThek habe man seit der Gründung vor vier Jahren schon mehrere hundert Frauen und Männer aus Bamberg und Umgebung in die unterschiedlichsten Einsatzgebiete vermitteln können, und auch an diesem Samstag konnten wieder viele neue Kontakte geknüpft werden. „Das Netzwerk der sozialen Stadt Bamberg wächst.“ Deshalb wolle man mit dem Tag des Ehrenamts und der Selbsthilfe das enorme Leistungsvermögen von Freiwilligen gebührend würdigen und das achtsame Miteinander fördern. Wichtig seien nicht nur die Unterstützung der Hauptamtlichen durch freiwilligen Helfer in Einrichtungen der freien Wohlfahrt, sondern auch die Einsätze der unzähligen Helferinnen und Helfer in Pfarrgemeinden, Nachbarschaft, bürgerschaftlichen Initiativen und Selbsthilfegruppen.

Renate Steinhorst