1.10.2007

„Wenn die Schwester mit dem Patienten spricht, zahlt dies die Kasse nicht“

Weihbischof eröffnete Caritas-Herbstsammlung und unterstrich Angewiesenheit der Sozialstationen auf Spenden


Im Jahr des Diözesanjubiläums wurde die bistumsweite Eröffnung der Caritas-Herbstsammlung im Bamberger Dom gefeiert.


Als Zeichen des Dankes für ihr Engagement erhielten Caritas-Sammlerinnen und -Sammler eine Rose.

Dass auch die ambulante Alten- und Krankenpflege auf Spenden angewiesen ist, hat Weihbischof Werner Radspieler bei der diözesanen Eröffnung der Caritas-Herbstsammlung am heutigen Sonntagmorgen (30. September 2007) im Bamberger Dom in den Mittelpunkt seiner Predigt gestellt.

Viele Menschen meinten, die Arbeit der Caritas-Sozialstationen werde komplett von den Pflege- und Krankenkassen finanziert. „Das ist nicht der Fall,“ betonte Radspieler. Die Kassen rechneten nur die reine Pflege ab, „und zwar nach Minuten.“ Da sei keine Zeit mehr für andere Dinge. „Wenn die Schwester mit dem Patienten einmal ausführlicher spricht oder wenn sie wegen irgendwelcher Komplikationen länger braucht, wird das nicht bezahlt,“ sagte der Weihbischof.

Als besonderes Problem strich er die Lehrstellen heraus: „Wir haben zuwenig Schwestern und Pfleger. Also brauchen wir Auszubildende.“ Die Sozialstationen seien auch berechtigt auszubilden. Die Ausbildungskosten würden den Sozialstationen aber von den Kassen nicht ersetzt. Die dreijährige Ausbildung in Altenpflege koste der Caritas aber pro Person 40.000 Euro. Auch hierfür benötige die Caritas Spenden.

Am Ende des Gottesdienstes wurden ehrenamtliche Sammlerinnen und Sammler aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg ausgesendet. Weihbischof Radspieler danke ihnen für ihren „enormen Idealismus“, von Tür zu Tür zu gehen und um Spenden für die sozialen Aufgaben der Caritas zu bitten.

Am morgigen 1. Oktober beginnt die Hauslistensammlung, bei der bistumsweit rund 4000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im Einsatz sind. Sie dauert bis zum 7. Oktober. Zusätzlich erfolgt in größeren Orten eine Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen, vom 5. bis 7. Oktober.

Den thematischen Schwerpunkt der Herbstsammlung setzt die Caritas im Erzbistum Bamberg auf die Arbeit der Caritas-Sozialstationen. Die Schwestern und Pfleger der 38 Caritas-Sozialstationen pflegen im Erzbistum Bamberg rund 3.800 alte und kranke Menschen in ihrem Zuhause. Zählt man die Beratungsgespräche bei pflegebedürftigen Menschen hinzu, die ausschließlich von ihren Angehörigen versorgt werden, kommt man auf die doppelte Anzahl an Klienten.

Gerade im Erzbistum Bamberg besteht ein besonders hoher Pflegebedarf. Die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Kronach, Bayreuth und Hof sowie die Städte Hof, Coburg, Bamberg und Ansbach gehören zu den 27 von insgesamt 96 bayerischen Kommunen, in denen auf 1000 Einwohner mehr als 30 Pflegebedürftige kommen. Der Landesdurchschnitt liegt bei 24 Pflegebedürftigen pro 1000 Einwohner.

Vom Ertrag der Sammlung erhalten in der Erzdiözese Bamberg die Pfarreien 40 Prozent für ihre eigenen sozial-karitativen Aufgaben. Je 30 Prozent gehen an den Diözesan-Caritasverband und an die Stadt- und Kreis-Caritasverbände zur Finanzierung jener Angebote, die stark auf Eigenmittel der Caritas angewiesen sind. Die Spenden, die der Caritas bei den Sammlungen zugewendet werden, sind die einzigen wirklich frei verfügbaren Mittel der Caritas.