22.11.2007

Das Wundliegen erfolgreich verhindern

15 Pflegekräfte absolvierten Kurs über die Einführung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis von Sozialstationen und Altenheimen


Die Teilnehmerinnen präsentierten einander und den Vertretern ihrer Einrichtungen, was sie in der Fortbildung gelernt haben.


Zum Schluss gab es Blumen für das Team, das die Fortbildung organisiert und durchgeführt hatte: Eva Linke, Birgit Deinlein-Meister und Hilfe Keller-Donitzky vom Diözesan- Caritasverband (1., 2. u. 4. v. links) sowie Ulrike Achmann vom Landes-Caritasverband (3. v. links).
Fotos: Tanja Eisenach

Das Engagement hat sich gelohnt: Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein überreichte 15 Teilnehmerinnen des ESF-Projektes „Nationale Expertenstandards und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Pflege-Praxis einführen – Projektmanagement als Strategie“ am Abschlusstag im Bamberger Montanahaus ein Zertifikat für den erfolgreichen Besuch der Fortbildung. Der Expertenstandard für die Vorbeugung von Druckgeschwüren konnte so bereits in vielen Einrichtungen eingeführt werden.

„Oh je, ob wir das wohl jemals schaffen werden?“ –  „Hilfe, muss man da viel lernen!“ – „Das kostet ja mehr Zeit als ich dachte!“ – Die Bedenken waren zu Beginn des Kurses groß. „Der Erfolg ist jedoch nicht mit objektiven Maßstäben erkennbar, sondern zeigt sich bei jedem individuell“, betonte die Dozentin Eva Linke. „Es geht vor allen Dingen darum, Kompetenzen zu entwickeln. Dabei kommt es darauf an, sich auf einen Lernprozess einzulassen und im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste zu geben.“

Doch nicht nur die Motivation und das Engagement der Teilnehmer entscheiden über die erfolgreiche Umsetzung des Gelernten. Ohne die Unterstützung der jeweiligen Einrichtung kann ein Expertenstandard nicht Praxis werden.

Der Kurs „Nationale Expertenstandards und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Pflege-Praxis einführen“ vermittele den Teilnehmerinnen daher nicht nur Wissen über gesellschaftliche Veränderungen und fachliche Anforderungen in der Pflege. „Es gilt zugleich, sich Kompetenzen in den Bereichen Projekt-, Qualitäts-, Wissens- und Informationsmanagement, Moderations- und Präsentationstechniken sowie Kommunikation zu erwerben und einzuüben“, erläuterte Ulrike Achmann vom Landes-Caritasverband Bayern. Die Teilnehmer entwickeln ein Projektbewusstsein und erfahren, wie sie die individuellen Bedürfnisse ihrer Einrichtung und ihrer Kollegen bei der Umsetzung erkennen können, welche Maßnahmen es gibt, um auf diese angemessen zu reagieren, und wie Schwierigkeiten konstruktiv zu beheben sind. „Wichtig ist die Förderung lebenslangen Lernens“, unterstrich Achmann.

Aller Anfang ist schwer, doch die Mühen zahlen sich aus: 15 Pflegekräfte aus den Caritas-Sozialstationen in Bamberg-Ost, Bubenreuth, Coburg, Ebermannstadt, Herzogenaurach, Hirschaid, Höchstadt/Aisch, Hof, Kronach, Röthenbach/Pegnitz und Steinwiesen, den Caritas-Alten- und Pflegeheimen in Bubenreuth und Weismain, dem Friedrich-Baur-Altenwohn- und Pflegezentrum der Caritas in Altenkunstadt sowie der Schwesternschaft Coburg absolvierten die Fortbildung mit Erfolg.

Stolz präsentierten am Abschlusstag des Kurses, dessen Seminartage sich über zehn Monate verteilten, ihre Praxisprojekte. Mit Hilfe von Rollenspielen, kleinen Vorträgen, bunt dekorierten Stellwänden und selbst gebasteltem Anschauungsmaterial gaben sie dem Publikum und den Vertretern ihrer Einrichtungsträger Einblick in die Umsetzung der Projekte.

Der Europäische Sozialfonds (ESF) trug 45 % der Gesamtkosten und ermöglichte es damit, den Kurs zu einem günstigen Preis anzubieten. Zu Recht. Denn nach vier solcher Kurse konnten von den insgesamt 53 beteiligten Einrichtungen 44 ihre ausgewählten Expertenstandards bereits umsetzen.

Ein wichtiges Ergebnis, gerade auch für Bereich der sogenannten Dekubitusprophylaxe. Denn Wundliegen ist nach wie vor ein aktuelles Thema in der Pflege, da es dem Betroffenen starke Schmerzen verursacht. Eine Therapie ist zwar möglich, aber je nach Stadium des Druckgeschwürs langwierig und teuer. Die Kosten für die Heilung belaufen sich auf bis zu 50.000 Euro pro Patient. Dabei kann die Entstehung eines Druckgeschwürs bei frühzeitiger Erkennung und konsequent durchgeführten Gegenmaßnahmen oft verhindert werden. Die Vorbeugung solcher Geschwüre zählt daher neben Entlassungs- und Schmerzmanagement, Sturzvorbeugung und Kontinenzförderung zu den fünf bisher erstellten Nationalen Expertenstandards. Diese sollen pflegerische Qualitätsanforderungen verbindlich festlegen und den Patienten ein gleichbleibend hohes Versorgungsniveau sowie Behandlungen nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglichen.

Die Kurse „Nationale Expertenstandards und neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Pflege-Praxis einführen – Projektmanagement als Strategie“ sind daher, wie Diözesan-Caritasdirektor Öhlein unterstrich, nicht nur ein Gewinn für die Teilnehmer oder die Einrichtungen, sondern in erster Linie für die Patienten.