21.6.2007

Ein Leben lang in Hallerndorf wohnen

Caritas und Josefstiftung verwirklichen in Hallerndorf ein landesweit vorbildliches Wohnprojekt.

Die meisten Menschen wünschen sich bis ins hohe Alter selbständig leben zu können. Sie wollen dafür keine großen finanziellen Risiken eingehen. Die Realität sieht oft anders aus. Assistenz- und Pflegebedürftigkeit zwingt nicht selten dazu, die vertraute Wohnung und auch das gewohnte Lebensumfeld zu verlassen. Einzige Wahlmöglichkeit ist es dann oft, in ein Pflegeheim zu ziehen. Neue Lösungen bietet nun das Projekt „In der Heimat wohnen – ein Leben lang“ von Caritas und Joseph-Stiftung. In diesem Rahmen entstehen in der Erzdiözese Bamberg an zehn Standorten neue lebenswerte Wohnmodelle. Neben Bamberg-Gaustadt und Forchheim-Nord ist Hallerndorf eine ausgewählte Gemeinde. Der vorgesehene Umbau des leerstehenden Pfarrhauses in sechs barrierearme Wohnungen soll im April 2008 fertig gestellt sein.

„Die Bedürfnisse der älteren Menschen zielen ganz eindeutig auf selbständige Wohnformen“, sagt Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes. Den Umzug in ein Altenheim empfänden viele von ihnen als Aufgabe einer selbstbestimmten Lebensführung; zudem gingen die meisten Beziehungen zu Nachbarn, Freunden und Bekannten verloren. Dieser Einschnitt bleibe nicht ohne Folgen: „Wer sich dem täglichen Leben nicht mehr stellen muss, bei dem lassen die Kräfte und das Interesse schneller nach“, beschreibt Ehmann mögliche Auswirkungen.

Mieten statt Kaufen

Bisher gibt es lediglich das so genannte Betreute Wohnen, bei welchem Wohnungen gekauft werden müssen und bis zu 200.000,00 € vom sauer Gesparten investiert werden muss.

Daher ist es ein wesentlicher Grundzug von „In der Heimat wohnen“, dass die Wohnungen zu ortsüblichen Mieten (ca. 5,00 € bis 6,00 €/qm) abgegeben werden. Lediglich mit einem Mietvertrag ausgestattet leben die Mieter auch künftig weiterhin selbstbestimmt. Daher schließt das Modell von Caritas und Joseph-Stiftung keine Einkommensschichten aus.

Keine Betreuungspauschale

Der zweite Grundpfeiler, neben der Abgabe der Wohnungen auf Mietbasis, ist der Verzicht auf eine Betreuungspauschale, die monatlich bezahlt werden muss, ob eine Betreuung, eine Hilfeleistung benötigt wird oder nicht.

Wenn Menschen, welche unterstützungsbedürftig sind, wie alte Menschen, psychisch, geistig oder mehrfach behinderte Menschen, Familien mit behinderten Kindern, in ihrer Heimat weiterhin leben können, dann bleibt auch viel Gewohntes erhalten. Der Besuch in der Kirche, in die man jahrelang gegangen ist, die Teilnahme an Kartenrunden, an Freundes- und Vereinstreffen sind weiterhin möglich. Auch ist es ein großer Vorteil, dass man in der eigenen Gemeinde weiterhin von den Familienangehörigen, Freunden und Bekannten in den Lebensalltag eingebunden wird oder Kontakte wie gewohnt pflegen kann. Für den weitergehenden Hilfebedarf steht dann der Caritasverband mit seinen sozialen Diensten parat. Kosten entstehen nur nach in Anspruch genommener Leistung.

Damit diese umfangreiche Begleitung geboten werden kann, ist ein engmaschiges Netz geknüpft. In die Projektgruppe Hallerndorf sind neben der Caritas-Sozialstation die Joseph-Stiftung, die Pfarrei St. Sebastian, die kommunale Gemeinde, das Erzbischöfliche Ordinariat sowie die Seniorenvertretung Hallerndorf eingebunden. Die menschliche Nähe dieses Wohnmodelles zeigt sich auch dadurch, dass die Pastoralreferentin ihr Büro in diesem Haus haben wird. Außerdem unterhält der Caritasverband einen Stützpunkt in diesem Haus.

Gemeinschaft statt Alleinsein

Eine dritte Säule dieses Wohnmodells ist es ein Hauscafé. Hausbewohner können sich dort zum gemeinsamen Essen, Lesen, Fernsehschauen treffen. Darüber hinaus organisiert der Caritasverband im Hauscafé Angebote wie Seniorengymnastik, Informationen für Angehörige, Wohnraumberatung. Nachbarn oder Gruppen können den Treffpunkt in Absprache mit dem Caritasverband nutzen.

Wichtig ist, dass unterstützungsbedürftige Menschen nicht ihre angestammte Heimat Hallerndorf verlassen müssen und so bis zu ihrem Lebensende in Hallerndorf bleiben können. Durch die Koordination von Selbsthilfe, familiärer Hilfen, Nachbarschaftshilfen, Ehrenamtlichen- und Besuchsdiensten sowie die Einbeziehung professioneller Helfer wird das ermöglicht.

Das Wohnmodell wird am 18. Juli 2007 um 19:00 Uhr in den Räumen der Pfarrei in Hallerndorf für die Öffentlichkeit vorgestellt.