18.7.2007

Caritas Bayern: Sozialhilfe um 20 Prozent erhöhen

Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II und Sozialgeld müssten bundesweit um 20 Prozent aufgestockt werden, fordert Landes-Caritasdirektor Karl-Heinz Zerrle.

Beim Bayerischen Fachtag für Allgemeine Soziale Beratung ging Zerrle mit den so genannten Sozial-und Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre hart ins Gericht. Diese hätten ihre Ziele, die Senkung der Arbeitslosenzahlen und die Konsolidierung der Sozialsysteme nicht erreicht: „Dass die Arbeitslosenzahlen gesunken sind, ist wohl weniger Hartz IV zu verdanken als dem Export und der günstigen Konjunktur. Und die anderen Reformen wie Rente mit 67 und Gesundheitsreform haben diese sozialen Sicherungssysteme nicht nachhaltig konsolidiert, sondern gerade die sozial Schwachen weiter ins Abseits getrieben.“ Die Armut wachse in Deutschland, auch in Bayern.

Armut ist nach Angaben des Landes-Caritasdirektors zu einem zentralen Thema in der Allgemeinen Sozialberatung in den Caritas-Kreisverbänden in Bayern geworden. Ein Hauptgrund dafür liege in der lange andauernden Arbeitslosigkeit und ihrer ungenügenden sozialpolitischen Abfederung. Weitere Gründe seien explodierende Strompreise bei gleich bleibenden Einkommen, Zuzahlungen im Gesundheitsbereich und teilweise der Schulbedarf der Kinder. In immer mehr Familien breche die finanzielle Grundsicherung weg. Während finanzielle Not noch vor einigen Jahren ein vorübergehendes Problem gewesen sei, werde sie heute für manche zum Dauerzustand.

Zerrle forderte daher ferner, beim Bezug von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld einmalige Leistungen für Winterbekleidung, Schul-und Kindergartenausflüge oder gebrauchte Fahrräder wieder einzuführen. Da sich Armut in den Familien offenbar vererbe, müsse zudem Bildungspolitik Anti-Armutspolitik werden. Zerrle die Einrichtung von Ganztagsschulen und forderte den weiteren Ausbau der Jugendsoziarbeit an Schulen, um gezielt Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen fördern zu können.

Die Kreis- und Stadt-Caritasverbände unterhalten in Bayern ein flächendeckendes Netz von Sozialberatungsstellen mit rund 150 Mitarbeitern. Sie haben Kontakt zu mehr als 25.000 Menschen. Die Dienste werden nahezu ausschließlich durch die Kirche und die Caritas finanziert.