16.7.2007

Damit kein Kind ausgegrenzt wird

Caritas bietet Anregungen zum Kostensparen in Kindergarten und Schule

Warum nicht im Kindergarten ausrangierte Gummistiefel und Matschhosen sammeln und diese bei Bedarf an die Kleinen ausleihen? Warum nicht mit der Schulklasse ein Ausflugsziel in der Umgebung wählen, das preisgünstig und trotzdem interessant ist? Warum nicht Eltern bitten, bei der Gartengestaltung oder bei Baumaßnahmen in Kindergarten und Schule mitzuhelfen? Diese und viele andere kreative Vorschläge zum Einsparen von Kosten erarbeiteten Mitarbeiter der Allgemeinen Sozialen Beratung der Caritas aus dem Erzbistum Bamberg gemeinsam mit Kindergartenleitern und Lehrkräften in ganz Oberfranken. Erklärtes Ziel ist: Kinder aus Familien, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, sollen von Aktivitäten in Schule und Kindergarten nicht ausgeschlossen sein.

Wie Maria Münzel, beim Diözesan-Caritasverband Referentin für Familienhilfe, betont, sind längst nicht mehr nur Randgruppen von Armut betroffen. „Der Grat zwischen wirtschaftlicher Sicherheit und relativer Armut ist sehr schmal, weil durch neue Bestimmungen im Gesundheitswesen und bei Arbeitslosen- und Sozialhilfe vor allem kinderreiche Familien und Alleinerziehende bei außergewöhnlichen Belastungen zunehmend existentiell belastet werden.“ Dies beginne bereits im Kindergarten und setze sich in der Schule fort, z.B. bei der Erstausstattung für die erste Klasse. Aber auch die laufenden Kosten und Aufwendungen könnten Probleme bereiten. Nicht selten werde ein Kind „krank“ gemeldet, weil den Eltern das Geld etwa für einen Ausflug fehle, weiß Maria Münzel.

Wo andere Unternehmen Beratungsfirmen engagieren, wurden die Caritas-Berater selbst aktiv. Unter dem Motto „Not sehen und handeln“ suchten sie das Gespräch in Kindergärten und Schulen und erarbeiteten gemeinsam mit Erzieherinnen und Lehrkräften eine umfangreiche Liste von Maßnahmen, mit denen Kosten reduziert und Sachleistungen eingeworben werden. Bereits erfolgreich durchgeführte Aktionen werden vorgestellt und damit die Informationen allen zugänglich gemacht.

.„Unsere Mitarbeiter trafen bei diesen Gesprächen Bündnispartner, deren Verständnis für die Betroffenen deutlich gewachsen ist und die im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne zur Entlastung beitragen“, berichtet Maria Münzel. Manche Erzieherinnen und Lehrkräfte lernten erstmals die konkrete Einkommenssituation von einkommensschwachen Familien kennen. So waren sie geschockt über die Tatsache, dass für ALG-II-Empfänger im Regelsatz lediglich 2,07 Euro pro Kind und Tag für Ernährung vorgesehen sind. Auch war nur wenigen bekannt, dass Kindergeld auf das Arbeitslosengeld angerechnet, also nicht zusätzlich ausbezahlt wird. Die Berater haben auch die Erfahrung gemacht, dass häufig die gesetzliche Regelung missachtet wird, nach der Klassenausflüge für die betroffene Gruppe voll finanziert werden müssen.

Maria Münzel betont: „Nicht immer ist Armut nach außen hin sichtbar. Uns ist es wichtig, Hilfen anzubieten, ohne die Empfänger zu beschämen.“ Gemeinsam habe man viele Möglichkeiten gefunden, Kosten zu senken, ohne dass dadurch die pädagogische Qualität leide. Die entstandene Ideensammlung wird auf Fachkonferenzen und in Elternbeiräten Grundlage sein für weitere Planungen, Projekte und Aktionen, die helfen sollen, dass es keine Ausgrenzung aus finanziellen Gründen geben muss.