22. Januar 2007

Den Alltag meistern: Caritas und „Miteinander-Stiftung“ helfen Borderline-Patienten

Das „Betreute Wohnen für psychisch kranke Menschen“ des Caritasverbandes Nürnberg, das mit ambulanten Angeboten auf dem Weg der beruflichen und sozialen Rehabilitation unterstützt, bietet seit wenigen Jahren ein „Fertigkeitentraining“ für seine Borderline-Klienten an. Mit 4410 Euro fördert  die „Miteinander-Stiftung“ Nürnberg jetzt eine weitere Gruppe für externe Patienten.

An der Persönlichkeitsstörung Borderline leiden nach Schätzungen zwei bis drei Prozent der Erwachsenen in Deutschland. Einfach gesagt, handelt es sich dabei um eine ausgeprägte Störung der zwischenmenschlichen Kommunikation und der Emotionsregulierung. Drogen- und Alkoholmißbrauch, Essstörungen, Schneiden und Ritzen oder ein exzessives Sexualleben können Erscheinungsformen dieser psychischen Erkrankung sein. Eine große innere Spannung wird abgebaut, indem Grenzen (engl. border) überschritten werden.

Die Stiftungsgelder decken laut Caritas die Personal- und Raumkosten für ein ambulantes einjähriges Training ab. Das Betreute Wohnen kann beim Bezirk Mittelfranken nur Angebote für interne Klienten über den üblichen Betreuungssatz im Rahmen der Eingliederungshilfe abrechnen. Dabei ist der Bedarf an solchen die Psychotherapie ergänzenden verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Gruppenangeboten groß, das Klinikum Nürnberg führt eine lange Warteliste. 

Ein Jahr lang lernen nun acht junge Frauen, begleitet von zwei Sozialpädagoginnen, besser auf sich selbst zu achten und den eigenen Körper wahrzunehmen. Oftmals litten die Borderline-Patientinnen unter Mißbrauchserfahrungen in der Kindheit und hätten ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper, erläutert Sozialpädagogin Martina Stierand, die zusammen mit ihrer Kollegin Margit Glockshuber die ambulante Gruppe  leitet.

Selbstschädigendes Verhalten bis hin zum Suizid könne ein unbewusster Schrei nach Aufmerksamkeit und Zuwendung sein. Jetzt  üben die Frauen wirkungsvolle Strategien ein, um eine Krisensituation ohne Selbstverletzungen oder Exzesse zu überstehen. Da könne es hilfreich sein, einen ganz persönlichen „Notfallkoffer“ zu packen, um für die Krise besser gewappnet zu sein.

Gefühle steuern und kontrollieren, Beziehungen im Freundeskreis und am Arbeitsplatz gestalten, Selbstbewusstsein trainieren, Grenzen ziehen und Konflikte lösen: all dies sei Thema in der wöchentlichen, streng strukturierten Sitzung, so Stierand weiter.

„Hausaufgaben“ dienen dazu, das Erlernte im Alltag zu verfestigen. Zum Beispiel beim Restaurant-Besuch: „ich will aber Kartoffeln, keine Pommes“. Borderline-Patientinnen müssten lernen, die „Opferhaltung“ zu verlassen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Wünsche zu äußern.

„Wir freuen uns, dass für die Frauen positiv etwas `raus kommt und sie zu einem selbständigen Leben befähigt werden“, teilte Sigrid Stürzenhofecker von der  Miteinander-Stiftung mit. Die 2003 von der Nürnbergerin Agnes Chrambach ins Leben gerufene Stiftung will schwerpunktmäßig psychisch kranke Menschen und verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche unterstützen sowie die Integration ausländischer Mitbürger fördern. Die Stiftungserträge kamen bereits drei Projekten in Nürnberg zugute.