21. Februar 2007

Caritas-Frühjahrssammlung lenkt Blick auf ambulante Pflege

Auch Caritas-Sozialstationen sind auf Spenden angewiesen

Die Bedeutung der Caritas-Sammlung für die Finanzierung der Caritasarbeit hat Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein am heutigen Mittwochmittag bei einer Pressekonferenz in Stadtsteinach unterstrichen. Die rund 1,6 Millionen Euro, welche der Caritas im Erzbistum Bamberg bei den beiden Sammlungen im Frühjahr und Herbst jährlich gespendet werden, seien die einzigen wirklich frei verfügbaren Mittel der Caritas und machten 3 % des Gesamthaushaltes der Caritas im Erzbistum aus.

Über 4000 ehrenamtliche Sammlerinnen und Sammler engagieren sich in der Erzdiözese Bamberg bei der Caritas-Sammlung. Diese Form, an der Haustür um Spenden zu bitten, sei nicht immer angenehm, sagte der Kulmbacher Dekan Hans Roppelt. Man wolle die Haussammlung aber bewusst nicht aufgeben, da gerade alte Menschen auf diesen Besuch warteten und sie zudem die Möglichkeit böte, konkrete Notlagen zu erkennen. Roppelt unterstrich zudem, dass die Pfarreien die 40 % des Sammlungserlöses, die bei ihnen verbleiben, dringend benötigten: „Fast jeden Tag kommt jemand an die Pfarrhaustür, weil er in materieller Not ist, etwa die Stromrechnung oder notwendige Lebensmittel nicht mehr zahlen kann.“ Je 30 % des Erlöses erhalten der Diözesan-Caritasverband und der jeweilige Kreis- oder Stadt-Caritasverband für ihre sozialen Aufgaben.

Roppelt wird in seiner Pfarrkirche St. Michael in Stadtsteinach zusammen mit dem Bayreuther Regionaldekan Dr. Josef Zerndl am 4. März den bistumsweiten Eröffnungsgottesdienst zur Caritas-Frühjahrssammlung 2007 zelebrieren, die vom 5. bis 11. März stattfindet.

Ambulante Pflege ist ein zentraler Dienst der Caritas

Im Blickpunkt der diesjährigen Caritas-Sammlungen steht die ambulante Pflege. Von rund 10.000 Patienten, die auf dem Gebiet des Erzbistums Bamberg einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen, werden 3400 durch die 38 Caritas-Sozialstationen versorgt, rechnete Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein vor.

Obwohl die Leistungen der Sozialstationen teils durch die Pflegeversicherung, teils von den Krankenkassen finanziell getragen würden, sei auch die ambulante Pflege auf Spenden angewiesen, betonte Öhlein. Die Beratung pflegender Angehöriger, Sterbe- und Trauerbegleitung sowie die Betreuung Demenzkranker fielen nicht unter die Kassenleistungen. Der Caritas sei es aber wichtig, auch diese Hilfen zu geben.

In den Caritas-Sozialstationen sollen zusätzliche Ausbildungsplätze entstehen

Ein Problem sieht Öhlein darin, dass schon heute „unsere Region von Überalterung besonders betroffen ist.“ Die Landkreise Lichtenfels, Kulmbach, Kronach, Bayreuth und Hof sowie die Städte Hof, Coburg, Bamberg und Ansbach gehörten zu jenen 27 von insgesamt 96 bayerischen Kommunen, in denen auf 1000 Einwohner mehr als 30 Pflegebedürftige kommen. Der Landesdurchschnitt liege bei 24 Pflegebedürftigen pro 1000 Einwohner.

Zudem werde, so Öhlein weiter, die Zahl der über 75 Jahre alten Bürgerinnen und Bürger in den nächsten 13 Jahren um ein Viertel auf 125.000 allein in Oberfranken steigen. Die Situation werde durch die Häufung der Demenzerkrankungen verstärkt. Bis 2040 sei mit einer Zunahme um 120 Prozent auf bundesweit 2,2 Millionen Fälle zu rechnen.

Der sich abzeichnende Mehrbedarf an Pflegepersonal sei für die Caritas im Erzbistum Bamberg „die Initialzündung zu einem Ausbildungsprojekt“ geworden, gab Öhlein bekannt. In jeder der 38 Caritas-Sozialstationen solle in den nächsten Jahren ein zusätzlicher Ausbildungsplatz eingerichtet werden. Die Sozialstationen dürften Ausbildungskosten aber nicht in die von den Kassen gezahlten Leistungsentgelte einrechnen und müssten diese selbst tragen. Daher sollen 40 % der rund 40.000 Euro, welche die dreijährige Ausbildung für einen Auszubildenden kostet, aus Spenden aufgebracht werden.

Ausbildung für Jugendliche und sichere Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen, sei den Kreis-Caritasverbänden ein wichtiges Anliegen, unterstrich auch Oswald Purucker, der Vorsitzende des Caritasverbandes Kulmbach. Schon jetzt würden dazu die verschiedensten Anstrengungen unternommen, so im Caritas-Alten- und Pflegeheim in Stadtsteinach.

Das Ausbildungsprojekt der Caritas ist Teil der Initiative „Ausbildung – Arbeit – Zukunft: für Menschen in unserer Region“ zum 1000-jährigen Bestehen des Bistums Bamberg.