1. Februar 2007

Individuelle Lösungen für alte Menschen

Caritasverband Nürnberg errichtet neues Senioren- und Pflegezentrum


Architekt Matthias Jakob von der Joseph-Stiftung (von links), der kommissarische Einrichtungsleiter Michael Schwarz, Hospiz-Leiterin Sabine Wittmann und Caritasdirektor Roland Werber präsentierten in Nürnberg die Pläne für das neue Senioren- und Pflegezentrum St. Willibald.
Foto: Sauerbeck

Der demographische Wandel erfordert innovative Altenhilfe-Konzepte. 13,4 Millionen Euro investiert der Caritasverband Nürnberg in ein Modellprojekt, das stationäre und teilstationäre Betreuungsangebote mit neuen Versorgungsstrukturen vernetzt. Abgestimmt auf die Bedürfnisse alter Menschen und deren Angehörige will der katholische Wohlfahrtsverband flexible Dienste bereitstellen.

Hospiz als eigenständige Einrichtung angegliedert

Im Januar war Baubeginn für das  Senioren- und Pflegezentrum St. Willibald, das Langzeit- und Kurzzeitpflege, Tagespflege sowie Überleitungs- und Quartierspflege in einem Haus anbietet. Als eigenständige Einrichtung wird das Hospiz des Caritasverbandes Nürnberg „Haus Xenia“ angegliedert. Die Fertigstellung ist für 2009 geplant.

Das neue Zentrum entsteht in der Klenzestraße, wo der Caritasverband 1957 mit dem Caritas-Heim St. Willibald das erste seiner insgesamt fünf Senioren- und Pflegeheime im Großraum Nürnberg errichten ließ. „Eine Sanierung des Altbaus war nicht möglich, ein Abriss ist unumgänglich“, teilte Caritasdirektor Roland Werber mit. „Während der Bauzeit sieht es für die Bewohner so aus: sie bleiben  im Altbau, bis der erste Bauabschnitt 2008 abgeschlossen ist, dann können sie ohne großen Aufwand in den Neubau umziehen.“

Für den erweiterten Ersatzneubau seien zwei Bauabschnitte vorgesehen,  so der verantwortliche Architekt Matthias Jakob von der Joseph-Stiftung. Das kirchliche Wohnungsunternehmen im Erzbistum Bamberg hat die technische und wirtschaftliche Baubetreuung übernommen.

Die Konzeption sieht  im Bereich der stationären Pflege ein Hausgemeinschaftsmodell mit 78 Einzelzimmern vor, erläuterte der kommissarische Einrichtungsleiter Michael Schwarz. Die Zimmer, die jeweils über eine Nasszelle verfügen, gruppieren sich zu sechs sogenannten Wohngemeinschaften mit eigener kleiner Küche sowie Ess- und Wohnbereich. Die überschaubaren Wohneinheiten und deren bauliche Gestaltung sollen die Lebensweltorientierung gerade dementiell erkrankter Bewohner erleichtern. Eine zentrale Küche bereitet die Hauptmahlzeiten für das ganze Zentrum vor.

Zu den teilstationären Angeboten gehören Tagespflege (16 Plätze) und Kurzzeitpflege (24 Plätze), sie dienten der Entlastung und Unterstützung pflegender Angehöriger. 

„Den Grundsatz `ambulant vor stationär´ verfolgen wir konsequent weiter mit der Überleitungspflege und der Quartierspflege, die in der Schweiz bereits Standard ist“, unterstrich der Nürnberger Caritasdirektor. Die Quartierspflege könne dazu beitragen, einen stationären Krankenhausaufenthalt zu vermeiden. Die Überleitungspflege unterstütze in der Rekonvaleszenzphase nach einem Krankenhausaufenthalt und fördere eine Rückkehr in die häusliche Umgebung.

„Das angeschlossene Hospiz steht unter eigener Leitung und wird mit Fachpersonal geführt, profitiert aber von der Infrastruktur und den Gemeinschaftseinrichtungen des neuen Zentrums“, betonte Werber. So könnten die Hospizgäste die Cafeteria, die großzügige Gartenanlage oder die Kapelle aufsuchen.

„Haus Xenia“ ist seit 1997 in einem Haus am Thumenberger Weg  untergebracht und bietet dort für unheilbar kranke Menschen sieben Einzelzimmer. Am neuen Standort erfolgt eine Aufstockung auf zehn Hospizplätze. „Über das Jahr verteilt erhalten wir 400 Anfragen, hundert Menschen können wir nur aufnehmen“, so Hospiz-Leiterin Sabine Wittmann.

Der Caritasverband Nürnberg finanziert die Modelleinrichtung zu einem großen Teil aus Eigenmitteln und mit einem zinsgünstigen Darlehen. Ausdrücklich dankte Werber dem Freistaat, der Stadt Nürnberg, der Erzdiözese Bamberg und dem Deutschen Hilfswerk, „ohne die eine Finanzierung des Projektes nicht möglich gewesen wäre“. Darüber hinaus bezuschussen der Bezirk Mittelfranken, die Bayerische Landesstiftung und die Wormlandstiftung das neue Hospiz.