12.12.2007

Carisma-Arbeitstherapie schuf zusätzliche Arbeitsplätze

Das „Zuverdienstprojekt“ der Carisma Arbeitstherapie bietet psychisch kranken Menschen eine Perspektive für die Rückkehr in den Beruf.


von links: Thomas Reichelsdorfer, Thomas Schiessl und Melanie Eder freuen sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Seit September gibt es bei der carisma-Arbeitstherapie (Caritasverband im Landkreis Nürnberger Land e.V.) in Hersbruck ein „Zuverdienstprojekt“ mit acht neuen Arbeitsstellen. Hierbei handelt es sich um sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mit 14,9 Wochenstunden. Für psychisch kranke Menschen können sie ein Sprungbrett zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt und damit auch in ein normales Leben sein. Das besondere an diesem neuen Projekt der carisma ist die Struktur und die damit verknüpfte Verantwortung, die man den Mitarbeitern überträgt. Während in der Arbeitstherapie, je nach Tageskondition des jeweiligen Betreuten, die Arbeiten nach therapeutischen Gesichtspunkten verteilt werden, ist der Tätigkeitsbereich im Zuverdienstprojekt vorgegeben, es werden für fünf Unternehmen aus der Bürostuhlbranche Stuhlteile montiert. Pünktlichkeit, ein gewisses Maß an Eigenverantwortung und Leistung werden erwartet. Die Anleitung erfolgt durch Fachpersonal, so dass auf die Problemstellungen der Beschäftigten eingegangen werden kann.

„Ich muss mich auf die Mitarbeiter im Zuverdienst verlassen können, schließlich wollen unsere Auftraggeber, dass sie ihre Ware pünktlich geliefert bekommen.“ schildert Melanie Eder, die Ergotherapeutin im Projekt, ihre Erwartungen an die Mitarbeiter. Thomas Schiessl, ein Mitarbeiter des Zuverdienstprojektes, sagt dazu: „Das ist auch gut so, dadurch habe ich einen Ansporn und, was am wichtigsten ist, ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden. Wenn ich weiß, dass meine Arbeit wichtig ist, dann hilft mir das an den Tagen, an denen ich mich schlecht fühle, über meinen eigenen Schatten zu springen und weiter zu machen. Jetzt habe ich wieder Ziele: Wenn ich die Anforderungen im Zuverdienst gut schaffe, dann versuche ich als nächsten Schritt, ein Praktikum in einem Elektrikerbetrieb zu bekommen, um irgendwann wieder in meinem Beruf arbeiten zu können.“

Thomas Reichelsdorfer, der Leiter der carisma Arbeitstherapie, freut sich über den Zuwachs in seinem Betrieb. „Das Zuverdienstprojekt motiviert auch die anderen, weiter zu kommen. Wirklich einzigartig ist hier die Mischung in der Personalstruktur. Bei uns arbeiten ein fest angestellter Monteur, Zeitarbeiter, Ein-Euro-Jobber aus einer Testmaßnahme, und die psychisch kranken Mitarbeiter zusammen. Diese Mischung wirkt sich sehr positiv auf das Arbeitsklima aus, denn unsere Mitarbeiter können sich untereinander austauschen und bei Problemen unterstützen, weil jeder andere Erfahrungen mitbringt. In vielen anderen therapeutischen Arbeitseinrichtungen ist es oft so, dass die Menschen mit ihren Problemen ziemlich isoliert sind, weil sie ausschließlich mit anderen psychisch kranken oder behinderten Menschen zusammen arbeiten.“

Elke Renner