11.12.2007

Caritas Nürnberger Land schlägt Alarm: Energiekostenschub treibt manche Menschen in den Hunger

Die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise treiben immer mehr Menschen in finanzielle Not. Zu den Beratungsstellen der Caritas in Bayern kommen in den letzten Wochen Menschen, die am Essen sparen müssen, weil sie Angst haben, dass ihnen die Versorgungsunternehmen sonst den Strom und das Wasser abstellen. Der Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land, Michael Groß, nennt ein Beispiel: „Heute war bei uns eine allein erziehende Mutter mit ihrem siebenjährigen Sohn, die wochenlang nur Nudeln und Reis gegessen haben, um über die Runden zu kommen und ohne die kostenlosen Lebensmittel von der ´Tafel´ wahrscheinlich hätten hungern müssen. Vier Wochen hatten ihr die Städtischen Werke wegen Zahlungsrückständen den Strom abgestellt. Ratenzahlungen wurden nicht zugelassen. Auf diese Weise werden die Menschen so unter Druck gesetzt, dass sie hungern, damit ihnen das nicht wieder passiert. Der Kosteneintreiber der Städtischen Werke schickt die Leute zur Caritas statt selber zu helfen. Darlehen werden vom Sozialamt nicht genehmigt, wenn jemand zum zweiten Mal Strom nachzahlen muss."


Hartz IV müsste tatsächliche Wohnkosten übernehmen

Ähnliche Erfahrungen machen Caritas-Kreisverbände in ganz Bayern. Nach einer Umfrage vom September 2007 haben über 65 Prozent der Klienten der Allgemeinen Sozialberatung in den kreisfreien Städten und Landkreisen finanzielle Probleme, insbesondere die Empfänger von Arbeitslosengeld II („Hartz IV"). Landes-Caritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle: „Die 347 Euro von Hartz IV haben schon bisher nicht gereicht. Wenn nun die Energie-und Lebensmittelkosten weiter steigen, ist das für diese Leute eine Katastrophe. Ich sehe kommen, dass in diesem Winter manche Eltern ihre Kinder nicht einmal mit Winterkleidung versorgen können." Die Heizkosten würden zwar von der Sozialhilfe nach dem tatsächlichen Bedarf zusätzlich übernommen, aber wenn die Nebenkosten für die Wohnung über eine Höchstgrenze stiegen, dann müssten die Leute selbst sehen, wie sie zurechtkommen, bedauerte Zerrle. Die örtlichen Arbeitsgemeinschaften müssten im Rahmen des Arbeitslosengeld II die tatsächlichen Unterkunftskosten für angemessene Wohnungen inklusive der gestiegenen Heizkosten übernehmen.

Bedürftige stehen bei Caritas Schlange nach Winterkleidung

Michael Groß bestätigt dies: „Es ist ja nicht so, dass die Leute erst von der einen, dann von der anderen Zahlung bedroht sind, sondern monatlich von allem auf einmal. So kommen die Leute zu uns, weil sie mit erhöhten Mietkosten, erhöhten Nebenkosten, ständig steigenden Lebensmittelpreisen, Heizkosten, Stromkosten usw. konfrontiert werden und das Geld nur noch durch permanentes Hungern aufbringen können. Schon jetzt stehen die Leute bei uns Schlange wegen fehlender Winterkleidung, Schuhen, und man traut es sich ja nicht zu sagen: wenigstens einem kleinen Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder. Dazu kommen weitere Belastungen, denen die Leute dann sowieso aus dem Weg gehen, wie Arztbesuche, die generell vermieden werden, um nicht die zehn Euro Praxisgebühr aufbringen zu müssen." Immer mehr Menschen versuchen nach Erfahrung der Caritas die steigenden Preise über Kredite aufzufangen. Die Schuldnerberatungsstellen haben inzwischen lange Wartelisten.

Landes-Caritas fordert 50 Euro mehr für Kinder

Prälat Zerrle forderte von der Bundesregierung eine Erhöhung des Regelsatzes auf 420 Euro im Monat; für Kinder müsse der Regelsatz um mindestens 50 Euro pro Monat angehoben werden, um so auch Kosten für schulische Maßnahmen und Anschaffungen abzudecken. Neben einer finanziellen Hilfe für den Schulstart muss darüber hinaus nach Ansicht der Caritas allen Kinder in Ganztagsschulangeboten eine Teilnahme am schulischen Mittagessen ermöglicht werden, durch kostenfreies Essen oder die Einrichtung eines Hilfsfonds.