26. April 2007

Begleitung Sterbender darf kein Luxus für wenige sein

Tagung verdeutlicht: Voraussetzung ist die Zusammenarbeit von Medizin, Pflege und Hospizbewegung


Mit 200 Teilnehmenden - unter ihnen Weihbischof Werner Radspieler (vordere Reihe links) und in Vertretung von Regionalbischof Wilfried Beyhl der evangelische Dekan Otfried Sperl (am Pult) - war das Pfarrheim St. Urban in Bamberg bei der Tagung "Der sterbende Mensch im Mittelpunkt" bis auf den letzten Platz besetzt.

Gelungene Modelle der Zusammenarbeit in der Sterbebegleitung stellte die Tagung „Der sterbende Mensch im Mittelpunkt“ vor, die am gestrigen Mittwochnachmittag in Bamberg stattfand. Dabei wurde deutlich, dass eine optimale und flächendeckende Versorgung sterbenskranker Menschen nur im Zusammenwirken von Kliniken, niedergelassenen Ärzten, Pflegediensten und Hospizinitiativen zu verwirklichen ist.

So forderte Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt für Palliativmedizin am Juliusspital in Würzburg, die Palliativmedizin, die eine Linderung der Schmerzen in den Vordergrund stellt, verstärkt in die ambulante Versorgung zu integrieren. Dazu müssten vor allem die Hausärzte fortgebildet werden. Eine flächendeckende palliativmedizinische Versorgung würde lediglich rund 0,3 % der jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung kosten. Auch Palliativstationen an Krankenhäusern müssten für jeden Patienten zugänglich sein, erteilte Schäfer einer Palliativmedizin als „Luxus für wenige“ eine Absage. Deshalb dürften diese Stationen nicht in das an Behandlungsfällen orientierte Abrechnungssystem der Kliniken gepresst werden.

Die an den Bedürfnissen der Bewohner und ihrer Angehörigen ausgerichtete Sterbekultur im katholischen Alten- und Pflegeheim St. Ludwig in Ansbach stellte dessen Leiter Lutz Reichert vor. Sterbebegleitung sei für sein Haus von zentraler Bedeutung, da der Anteil der pflegebedürftigen Bewohner in den letzten fünf Jahren von 50 auf 75 % gestiegen sei. Das durchschnittliche Aufnahmealter liege bei 87 Jahren; die jährliche Sterberate steige kontinuierlich. Reichert machte zugleich deutlich, dass die individuelle Begleitung schwerstkranker und sterbender Bewohner nur dank einer größeren Gruppe Ehrenamtlicher zu leisten sei, die keine Berührungsängste im Umgang mit Sterbenden hätten. Außerdem habe der Ansbacher Hospizverein sein Büro im Alten- und Pflegeheim St. Ludwig eingerichtet, so dass es bei Bedarf zusätzlich auf diese Hospizhelfer zurückgreifen könne.

Palliativarzt Dr. Peter Lechner vertrat das Pilotprojekt „Palliativversorgung im ambulanten Bereich“ aus Füssen, in dem Sozialstation, Hospizverein, Kreiskliniken, ärztlicher Kreisverband und Pfarreien zusammenarbeiten. Er stellte einen von den Akteuren gemeinsam entwickelten Notfallplan vor, der verhindern soll, dass sterbenskranke Patienten in Krisensituationen unnötig in die Klinik eingewiesen werden.

Die Tagung hat ein Team aus Caritas, Diakonie, katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam vorbereitet und verstand sich als Beitrag zum Jubiläum „1000 Jahre Bistum Bamberg“.