CV Nürnberg - Presseinformationen

12.5.2006

Woche für das Leben: Film-Vorführung und Gesprächsrunde zur Pränataldiagnostik - Werdende Eltern brauchen umfassende Hilfen


Nach der Filmvorführung diskutierten die Filmemacherin Katja Baumgarten (2. von rechts), die Professorin und Chefärztin an der Nürnberger Frauenklinik Dr. Cosima Brucker (Mitte) sowie die Leiterin der Schwangerenberatung der Nürnberger Caritas, Heidi Winter-Schwarz, mit weiteren Fachleuten und dem Publikum. Die Gesprächsrunde moderierte Diakon und Fernsehredakteur Paul Schremser (rechts).
Foto: Sauerbeck

„Die sofortige Beendigung der Schwangerschaft ist in einer solchen Situation der übliche Weg.“ Knallhart konfrontiert der Facharzt für Pränataldiagnostik nach der Ultraschalluntersuchung die schwangere Frau mit der Diagnose: komplexes Fehlbildungssyndrom in der 21. Schwangerschaftswoche.

„Es war ein Schock, gerade in den ersten Tagen hätte ich Hilfe gebraucht, mein Umfeld war ja noch hilfloser als ich“, erzählt Katja Baumgarten im Nürnberger Cinecitta. Sie rang sich schließlich dazu durch, ihr viertes Kind nicht abtreiben zu lassen. Dreieinhalb Stunden nach einer medizinisch begleiteten Hausgeburt starb ihr Sohn. „Wir haben versucht, Martin Tim alles zu geben.“ Als er an ihrer Brust, im Kreise der Familie eingeschlafen sei, „da war ich ein wenig zufrieden“.

Neun Jahre sind seitdem vergangen. Als ausgebildete Hebamme und Filmemacherin habe sie sich damals entschieden, ihren existentiellen Konflikt öffentlich zu machen und zusammen mit der befreundeten Kamerafrau Gisela Tuchtenhagen den autobiographischen Dokumentarfilm „Mein kleines Kind“ zu drehen.

Die Filmvorführung in Nürnberg fand im Rahmen der ökumenischen Woche für das Leben statt. Mit dem diesjährigen Thema „Von Anfang an uns anvertraut. Menschsein beginnt vor der Geburt“ wollen die Kirchen das Bewusstsein dafür schaffen, dass menschliches Leben in jeder Phase seines Seins wertvoll und schützenswert ist.

Die Schwangerenberatungsstellen von Caritas und Stadtmission Nürnberg, die die „Psychosoziale Beratung im Zusammenhang mit pränataler Diagnostik und bei zu erwartender Behinderung des Kindes“ als eine vorrangige Aufgabe ansehen, luden Katja Baumgarten ein und zeigten ihren Film vor über 400 Schülern sowie in einer öffentlichen Abendvorstellung. 

Cosima Brucker, leitende Ärztin am Klinikum für Frauenheilkunde in Nürnberg, die den Film erstmals sah, reagierte nachdenklich und sprach bei der anschließenden Diskussion vom „Negativbeispiel“ eines Mediziners. Der Film, so meinte die Professorin, könne im Ärztekreis sensibilisieren für die schwierige Situation betroffener Frauen.

„Wir merken, damit werden viele nicht fertig: ein Kind, auf das man sich gefreut hat, zu verlieren“, ergänzte der katholische Theologe Jürgen Kaufmann von der Offenen Kirche St. Klara, die früh verwaiste Eltern mit seelsorglichen Angeboten wie Trauerandachten unterstützt. 

Ein Netzwerk von Hilfen werde benötigt, darin waren sich die Fachleute einig. Ärzte, Hebammen, Beraterinnen, Seelsorger, Frühförderstellen und familienentlastende Dienste sollten sich in Nürnberg vernetzen, forderte Heidi Winter-Schwarz, die Leiterin der Schwangerenberatung des Caritasverbandes Nürnberg. Die Möglichkeiten der modernen Medizin stellten werdende Eltern vor Entscheidungen, auf die sie meist nicht vorbereitet seien. Die Fachberaterinnen von Caritas und Stadtmission stehen ihnen daher bereits vor einer pränatalen Untersuchung zur Seite. Im Rahmen eines staatlich geförderten Modellprojektes gibt es zudem im Südklinikum Nürnberg ein Beratungsangebot von zwei weiteren Nürnberger Schwangerenberatungsstellen.

„Wir haben unseren eigenen Weg gefunden, zu dem ich heute noch stehen kann, aber es war eine Gratwanderung“, meinte Katja Baumgarten, die offen sagte, dass sie nicht getauft sei. Sie könne jedoch jede Frau, jede Familie verstehen, die sich dies nicht zutraue. Der Vater ihres Kindes hätte sich für einen Abbruch ausgesprochen, teilte die Filmemacherin mit, „uns trennten Wertvorstellungen“.

Grundsätzlich seien sie da für alle Frauen und Paare, die Rat und Hilfe in Schwangerschaftsfragen suchten, betonten die Fachberaterinnen von Caritas und Stadtmission, auch nach einer erfolgten Abtreibung.