25. September 2006

„Armutsrisiko Kinder ist zunehmend Wirklichkeit“

Weihbischof Radspieler eröffnete in Bayreuth die Caritas-Herbstsammlung im Erzbistum Bamberg

Unter dem Thema „Familie: Vom Schatten ins Licht“ eröffnete Weihbischof Werner Radspieler am gestrigen Sonntag in der Bayreuther Schlosskirche „Unsere Liebe Frau“ die Caritas-Herbstsammlung im Erzbistum Bamberg. Sie dauert bis zum 1. Oktober.

„Viele Kinder leben mit ihren Familien heutzutage im Schatten. Wir müssen sie wieder mehr in die Mitte unserer Gesellschaft rücken und ihnen den Weg ins Licht ermöglichen“, betonte Weihbischof Werner Radspieler in seiner Predigt. Daher greife die Caritas-Herbstsammlung erneut das Thema Familie auf, um auf die immer schwieriger werdende Situation von Kindern und ihren Eltern in unserer Gesellschaft aufmerksam zumachen.

Viele Hürden stünden den Familien im Wege, die Kinder anzunehmen, die Gott ihnen geschenkt habe, sagte Radspieler. Flexibilität im Beruf sei gefordert und für Frauen bedeuteten Kinder gar einen Karriereknick. Denn Eltern seien ununterbrochen gefordert, Kinder ließen sich nicht einfach abstellen.

Für viele Familien werde zudem das Schlagwort vom Armutsrisiko Kinder heute Wirklichkeit. 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche lebten mittlerweile mit ihren Familien in Armut, verwies Weihbischof Werner Radspieler auf die immer prekärere Situation mancher Familien. Seit der Einführung von Hartz IV habe sich die Zahl der armen Kinder mehr als verdoppelt. Familien, die von Arbeitslosengeld II leben müssten, könnten mitunter die Kosten für den Schulbedarf nicht mehr aufbringen. Hier springe die Caritas mit ihren sozialen Diensten vor Ort und mit materiellen Hilfen ein.

Doch die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Caritas würden schwieriger. Die staatlichen Zuschüsse würden gekürzt und reichten zur Finanzierung der sozialen Dienste, die Kindern, Familien und Alleinerziehenden sowie Schwangeren und werdenden Eltern zugute kommen, nicht mehr aus. Radspieler bat daher dringend um die Unterstützung der karitativen Arbeit durch Spenden.

In dem Gottesdienst, den Weihbischof Radspieler gemeinsam mit dem Bayreuther Dekan Siegbert Keiling, Diakon Karl-Heinz Meyer und Pastoralreferent Roland Hubmann gestaltete, wurde auch für alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gebetet, die in dieser Woche bei den Hauslisten- und Straßensammlungen die Bürger um eine Spende bitten.

Beim „Frühschoppen“ im Anschluss an den Festgottesdienst stellte die Caritas Bayreuth anhand von Beispielen ihre Arbeit zugunsten von Familien vor. Die Kindertagestätte Rappelkiste führte die Geschichte vom Kartoffelkönig auf. Mit farbenfrohen Kostümen wirbelten die Tänzerinnen der Tanzgruppe „Collibri“ über die Bühne. Sie ist eine Gruppe aus der Jugendarbeit der Aussiedlerberatung der Caritas.

Der Caritas-Sozialdienst für Flüchtlinge verkaufte Bastelarbeiten von schulpflichtigen Kindern, die am Nachmittag von Mitarbeitern des Sozialdienstes betreut werden. Der Film „Abschiebung im Morgengrauen“ beschrieb die Situation von Flüchtlingen, die ausgewiesen werden.

Eine Ausstellung des Caritas-Frauenhauses zum Thema „Gegen Gewalt in Paarbeziehungen“ benannte die Folgen häuslicher Gewalt, vor allem die Ängste von Müttern und Kindern. Die Ausstellung findet im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums des Frauenhauses in Bayreuth statt und ist eine Leihgabe des Landeskriminalamts Niedersachsen. Eine Mitarbeiterin des Frauenhauses las Lebensgeschichten von betroffenen Frauen vor.

Weitere Informationen zum Thema Familie bot eine Buchausstellung im Foyer des Gemeindezentrums.

Die Hauslistensammlung der Caritas, bei der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Tür zu Tür gehen, dauert noch bis 1. Oktober. Zusätzlich erfolgt in größeren Orten eine Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen, vom 29. September bis 1. Oktober

Vom Ertrag der Sammlung erhalten in der Erzdiözese Bamberg die Pfarreien 40 Prozent für ihre eigenen sozial-karitativen Aufgaben. Je 30 Prozent gehen an den Diözesan-Caritasverband und an die Stadt- und Kreis-Caritasverbände zur Finanzierung vor allem jener Angebote, die stark auf Eigenmittel der Caritas angewiesen sind.