19. September 2006

Familie: Vom Schatten ins Licht

Caritas-Herbstsammlung beginnt am 24. September

„Familie: Vom Schatten ins Licht“ lautet das Motto der Caritas im Erzbistum Bamberg bei ihrer diesjährigen Herbstsammlung, die vom 25. September bis 1. Oktober stattfindet. Bereits am 24. September wird in den Gottesdiensten dieses Sonntags sowie in den Vorabendgottesdiensten bei der Kollekte die Spende der Gläubigen für die Caritas erbeten.

Materielle Probleme von Familien nehmen zu

Die Caritas im Erzbistum Bamberg nutzt die Herbstsammlung nicht nur zum Erlös von Spenden. Sie fordert auch die Gesellschaft dazu auf, Familien aktiv und wirksam zu unterstützen.

Betreuung und Erziehung der Kinder wird nach wie vor zum größten Teil von den Eltern und in der Familie geleistet. Familien vermitteln Kindern emotionale Sicherheit, soziale Fertigkeiten und Kompetenzen zur Bewältigung des Alltags. Sie sichern dadurch Aufbau und Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Die Familie ist daher für die Gesellschaft unverzichtbar.

Andererseits kämpfen viele Familien (wieder) mit materiellen Schwierigkeiten. Nach neuesten Zahlen des Deutschen Caritasverbandes vom Juli 2006 leben in Deutschland mehr als 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 18 Jahren in Armut. Das bedeutet: Sie selbst oder ihre Familien verfügen über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens, das sich für Bürger der Bundesrepublik errechnen lässt. Damit hat sich die Zahl der armen Kinder und Jugendlichen seit der Einführung der so genannten Hartz IV-Reformen 2004 mehr als verdoppelt.

Bereits im März 2006 war die Zahl der Kinder unter 15 Jahren in Familien, in denen Arbeitslosengeld II und Kinderzuschlag (so genanntes Sozialgeld) oder nur Kinderzuschlag bezogen wurde, von 1,5 Millionen im August 2005 um weitere 290.000 Kinder gestiegen. Zählt man dazu die Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, die in Haushalten Langzeitarbeitsloser leben, sowie jene Kinder und Jugendlichen, deren Eltern Leistungen nach dem SGB XII (Sozialhilfe) beziehen, ergibt sich eine Zahl von 2,2 Millionen Kinder und Jugendlicher, die in „Hartz IV-Gemeinschaften“ leben. Hinzuzurechnen sind schließlich noch rund 350.000 Kinder, die zum Beispiel Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten oder aus Familien stammen, deren Haushaltsvorstand einem so genannten „Ein-Euro-Job“ (Zusatzjob) nachgeht.

Das Ergebnis einer erst kürzlich durchgeführten Analyse des Deutschen Caritasverbandes bestätigt die negativen Auswirkungen, welche die Reform der Sozialgesetzgebung auf Familien hat: Die meisten Probleme bereitet Familien demnach, dass die Sozialgesetzgebung im Sozialgesetzbuch II (SGB II) – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine einmaligen finanziellen Hilfen mehr vorsieht, wenn durch besondere Umstände höhere Aufwendungen entstehen. Dadurch können Familien, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind, die Kosten für Haushaltsgeräte, Schulbedarf, Energie und Umzug häufig nicht mehr aufbringen. Da die anfallenden Kosten auch durch den Regelsatz nicht kompensiert werden können, drohen den Familien finanzielle Engpässe und Verschuldung. Die sozialen Dienste und Einrichtungen der Caritas, die Familien beraten und betreuen, verzeichnen aufgrund dieses Problems eine steigende Nachfrage nach finanziellen und materiellen Leistungen. Immer öfter vermitteln sie gebrauchte Möbel und Kleider. Außerdem müssen zunehmend Mittel aus Stiftungen und Hilfsfonds in Anspruch genommen werden.

Der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg hat daher bereits im vergangenen Jahr gefordert, die Möglichkeit besonderer Zuschüsse wiederherzustellen. Insbesondere hat er – leider ohne Erfolg – angeregt, den einmaligen Zuschuss zu Schuljahresbeginn wieder einzuführen, den die frühere Sozialhilfe vorsah.

Für die Beratungsstellen und sozialen Dienste der Caritas bedeuten die zunehmenden Probleme und Notlagen von Familien, dass sich die Schwerpunkte ihrer Arbeit verändern. Die Reformen der Sozialgesetzgebung ziehen einen erhöhten Beratungsbedarf in Fragen der Existenzsicherung und beim Durchsetzen von Rechtsansprüchen nach sich. Außerdem sind eine intensive Unterstützung und längerfristige Begleitung in der Schuldnerberatung und im Umgang mit psychischen Belastungen erforderlich.

Hilfe und Dienste der Caritas für Familien

Diese Hilfe und Unterstützung für – insbesondere bedürftige – Familien leistet die Caritas im Erzbistum Bamberg in vielfältiger Form:

Viele dieser Dienste und Angebote kann die Caritas nur mit Hilfe von Spenden aufrechterhalten, weil die Caritas sie ganz oder teilweise aus Eigenmitteln finanzieren muss.

Auftakt zur Caritas-Herbstsammlung

Die Caritas-Herbstsammlung eröffnet ein diözesaner Auftaktgottesdienst in Bayreuth. Weihbischof Werner Radspieler zelebriert ihn am Sonntag, 24. September 2006, um 9.30 Uhr in der Schlosskirche Unsere Liebe Frau. Der Gottesdienst widmet sich dem Thema „Familie: Vom Schatten ins Licht“. An den Gottesdienst schließt sich ein „Frühschoppen“ im Gemeindezentrum an. Dabei wird die Arbeit, die die Caritas für Familien leistet, beispielhaft vorgestellt. Außerdem ist eine Buchausstellung zum Thema „Familie“ zu sehen.

Die Caritas-Sammlung

Die Caritas-Sammlung besteht aus drei Elementen: Die Hauslistensammlung, bei der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Tür zu Tür gehen, findet in diesem Herbst vom 25. September bis 1. Oktober statt. Zusätzlich erfolgt in größeren Orten eine Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen, vom 29. September bis 1. Oktober. Bei der Gottesdienstkollekte am Caritas-Sonntag, 24. September, werden in allen katholischen Gottesdiensten die Besucher um eine Spende gebeten.

Vom Ertrag der Sammlung erhalten in der Erzdiözese Bamberg die Pfarreien 40 Prozent für ihre eigenen sozial-karitativen Aufgaben. Je 30 Prozent gehen an den Diözesan-Caritasverband und an die Stadt- und Kreis-Caritasverbände zur Finanzierung vor allem jener Angebote, die stark auf Eigenmittel der Caritas angewiesen sind.

Die Caritas-Sammlung im Frühjahr 2006 erbrachte 839.515 Euro und lag damit deutlich über der Frühjahrssammlung 2005 mit 826.500 Euro. Damals war aufgrund des Tsunami an Weihnachten 2004, der eine enorme Spendenbereitschaft ausgelöst hatte, der Erlös um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das Rekordergebnis von Frühjahr 2004 mit fast 858.000 Euro konnte aber noch nicht wieder eingestellt werden.