28. November 2006

Katholische Kindertagesstätten sollen Familienstützpunkte werden – Erzbistum Bamberg startete Modellprojekt


Erzbischof Dr. Ludwig Schick (links) und Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein (rechts) übergaben den Leiterinnen der Kindertagesstätten ein Schild, das sie als Modellstandort des Projektes ausweist.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick hat am letzten Freitagnachmittag in Coburg das Projekt „Katholische Kindertagestätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt“ eröffnet. Zehn Kindertagesstätten aus dem gesamten Erzbistum Bamberg erarbeiten modellhaft innovative Konzepte, Eltern bei der Bewältigung von Problemen zu helfen.

Schick begründete das Projekt zum einen mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu Lasten der Familien. Deren Erziehungsleistung werde nicht genügend geachtet und finanziell honoriert, weshalb vor allem für kinderreiche Familien ein Armutsrisiko bestehe. Da Kinder und Beruf oft nur schwer in Einklang zu bringen seien, könne es zu Überforderung der Eltern oder Vernachlässigung der Kinder kommen. Zum anderen betonte der Erzbischof, dass die Stärkung der Familie ein Schwerpunkt in der Arbeit der Erzdiözese sei. Der Pastoralplan sehe eine „vordringliche Aufgabe darin, Orte zu schaffen, an denen Familien ‚heil’ werden können.“ Solche Orte sollten die Kindertagesstätten als Familienstützpunkte sein. Das neue Projekt habe er deshalb im Jahr des Bistumsjubiläums ins Leben gerufen, weil ein Ziel des Jubiläums laute: „Für die Menschen da sein.“

Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein betonte als Projektleiter, dass Mitarbeiter von Kindertagesstätten Probleme von Familien oft frühzeitig erkennen. Als vertraute Ansprechpartner der Eltern könnten sie zur Bewältigung von Schwierigkeiten beitragen und auf wohnortnahe Beratungs- und Hilfeangebote hinweisen. Öhlein unterstrich, dass die ausgewählten Kindertagesstätten die Bandbreite im lokalen Umfeld widerspiegele: Stadt und Land, hoher Anteil von Migranten, verschiedene Altersmischung. Neben Kindergärten sind auch ein Hort und eine Elterninitiative vertreten. Die Standorte sind Bayreuth, Burgwindheim, Coburg, Forchheim, Fürth, Nürnberg, Röthenbach/Pegnitz, Schlüsselfeld und Weisendorf.

Die Vorhaben der Kindertagesstätten reichen vom Elterncafé über Sprachförderung und Elterntrainings bis zur Wochenendübernachtung für Kinder alleinerziehender Mütter.

Jede der zehn Kindertagesstätten erhält für das Projekt einen Etat von 6000 Euro; das Gesamtprojekt kostet – mit wissenschaftlicher Begleitung und Auswertung sowie Fachtagungen – 100.000 Euro. Ermöglicht hat diese eine Stiftung, über die der Erzbischof frei verfügen kann. Das Projekt dauert bis Ende 2008. Im Frühjahr 2008 soll eine Fachtagung stattfinden, bei der nicht nur die teilnehmenden Einrichtungen Projekte und Aktionen vorstellen können, wie Kindertagesstätten zum Familienstützpunkt werden.