31. Mai 2006

Ein Caritasdirektor mit Herz

Bernhard Simon als Diözesan-Caritasdirektor verabschiedet – Erzbischof führte Gerhard Öhlein als kommissarischen Diözesan-Caritasdirektors in sein Amt ein


Landes-Caritasdirektor Karlheinz Zerrle (links) hielt die Festrede bei der Verabschiedung von Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon (rechts)


Erzbischof Dr. Ludwig Schick überreichte Gerhard Öhlein (links) die Ernennung zum kommissarischen Diözesan-Caritasdirektor und zum stellvertretenden Vorsitzenden des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e.V.


Beim Festakt (von links): Erzbischof Dr. Ludwig Schick, der scheidende Diözesan-Caritasdirektor Monsignore Bernhard Simon, der 1. Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Weihbischof Werner Radspieler, der kommissarische Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein

Stabwechsel beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg: Mit einem Gottesdienst und einem Festakt wurde am gestrigen Abend der bisherige Diözesan-Caritasdirektor Domvikar Bernhard Simon verabschiedet. Gleichzeitig führte Erzbischof Dr. Ludwig Schick dessen bisherigen Stellvertreter Gerhard Öhlein als kommissarischen Diözesan-Caritasdirektor und als stellvertretenden Vorsitzenden des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e.V. ein.

Erzbischof würdigt Caritas als ein Herzstück der Kirche

Die Caritas sei neben Verkündigung und Gottesdienst das dritte Herzstück der Kirche, betonte Erzbischof Dr. Ludwig Schick im Dankgottesdienst in der der Bamberger Kirche St. Urban und versicherte, dass die Caritas „in unserem Erzbistum Herzstück bleibt“. Wer dieses Herzstück aus der Kirche herausnehme, zerstöre die Kirche. Bei allen personellen, strukturellen und finanziellen Veränderungen bleibe die Liebestätigkeit der Caritas wichtig, damit der ganze Wille Gottes erfüllt werde. Die Politik ermahnte Schick, auch bei Steuerreformen und bei den Zuwendungen für die freien Träger der Wohlfahrtspflege zu berücksichtigen, dass die Kirche ein wichtiger Faktor für das Wohl der ganzen Gesellschaft sei.

Dem scheidenden Diözesan-Caritasdirektor attestierte der Erzbischof in seiner Predigt, den Caritasverband „sehr menschlich und mit Engagement“ geführt zu haben. Bernhard Simon sei „ein Caritasdirektor mit Herz“ gewesen, der bei allen Entscheidungen immer die einzelnen Menschen im Blick gehabt habe.

Diözesan-Caritasdirektor Simon: „Not sehen und handeln“ war sein Motto

Als „glaubwürdigen Vertreter des Caritasverbandes“ würdigte auch Weihbischof Werner Radspieler, der 1. Vorsitzende des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg, Bernhard Simon. Seine Sorge habe stets den Armen und Bedürftigen gegolten. Als besondere Leistungen Simons nannte Radspieler die Modernisierung der Caritas-Alten- und Pflegeheime, die Umgestaltung der Caritas-Familienferienstätte im oberbayerischen Hundham und die Gründung der Freiwilligenzentren „mach mit!“ in Neustadt/Aisch und CariThek in Bamberg. Außerdem seien in seiner Amtszeit für die Organisation wichtige Prozesse durchgeführt worden wie die Formulierung eines Leitbildes, ein Personalentwicklungsprozess, der Aufbau von Wissensmanagement und Dokumentationssystemen, die Entwicklung eines eigenen, den Werten der Caritas entsprechenden systematischen Qualitätsmanagements und die Einführung eines strategischen Zielsystems. Simons „ganz große Leistung“ sei es gewesen, „diese Begriffe mit Seele zu erfüllen“.

Ähnlich fiel auch der Tenor der weiteren Dankesworte aus: „Not sehen und handeln war Ihr Motto,“ sagte Angela Henke, Vorsitzende der Caritas Nürnberger Land, für die Kreis-Caritasverbände. Simon habe ein Teil seines Lebens der Caritas geschenkt, unterstrich Bernhard Poesdorf, Geschäftsführer der Caritas Bamberg Stadt, im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Bamberger Wohlfahrtsverbände. „Die tätige Caritas nach dem Beispiel Jesu war Ihre Berufung“, würdigte Maria Münzel, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung in der Caritas-Zentrale, den früheren Chef.

Sozialpolitisches Engagement

Simons sozialpolitisches Engagement stellte Landes-Caritasdirektor Karl-Heinz Zerrle in seiner Festrede heraus. Er erinnerte an die Stellungnahme „Die Sozialpolitik kündigt Solidarität auf“ von 2004, in der der Diözesan-Caritasverband Bamberg die Folgen der Kürzungen im Sozialbereich des Landeshaushalts kritisiert hatte: „Das Bamberger Papier fand bundesweit Beachtung und wurde in Caritas-Kreisen hoch gelobt.“ Simon habe immer wieder betont, dass Sozialpolitik nach Kassenlage kein Weg in die Zukunft sei, und die Probleme der Arbeitsmarktreformen couragiert angesprochen.

Zerrle kritisierte in seiner Rede auch die gegenwärtige Sozialpolitik. Sie belaste auf Dauer zunehmend die Schwächeren. Es dürfe aber nicht sein, dass unter dem Deckmantel der Selbstverantwortung dem Einzelnen, der Familie oder der Kommune Lasten aufgebürdet würden, die sie nicht tragen könnten. Zerrle distanzierte sich ausdrücklich von jüngsten Forderungen anderer Wohlfahrtsverbände, die Leistungen nach Hartz IV einzuschränken: „Die Caritas trägt das nicht mit. Arbeitslose Menschen brauchen Arbeitsplätze! Man darf ihnen nicht auch noch das Wenige kürzen, was sie haben.“

In seiner Erwiderung auf die Dankesreden gab Bernhard Simon das Lob an seine ehemaligen Mitarbeiter weiter: Viele Entwicklungen in der Caritas beruhten auf ihren Initiativen. Den Bischöfen dankte er, dass sie „immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Caritas gehabt haben und weiterhin haben“.

Sehr gefreut habe er sich, sagte Simon, dass sein bisheriger Stellvertreter Gerhard Öhlein seine Nachfolge angetreten habe, und betonte: „Es ist nicht entscheidend, dass ein Priester Caritasdirektor ist, sondern dass in der gesamten Caritas Gottes Geist lebendig ist.“

Erstmals führt kein Priester, sondern ein „Laie“ den Diözesan-Caritasverband

Anschließend verlas Erzbischof Dr. Ludwig Schick die Ernennung von Gerhard Öhlein zum kommissarischen Diözesan-Caritasdirektor und zum stellvertretenden Vorsitzenden des Caritasverbandes für die Erzdiözese e.V. Beide Funktionen – Direktor und stellvertretender Vorsitz – sind nach der Satzung des Diözesan-Caritasverbandes in Personalunion verbunden.

In seiner Antrittsrede dankte Gerhard Öhlein Weihbischof Werner Radspieler, dass er künftig verstärkt die pastoralen Aufgaben und spirituellen Angebote für die Caritas im Erzbistum übernehmen werde. Diese Zusage habe es ihm sehr erleichtert, als erster Nichtpriester das Amt des Bamberger Diözesan-Caritasdirektors zu übernehmen.

Als Schwerpunkte, die er in der Arbeit der Caritas in den nächsten Jahren setzen wolle, nannte Öhlein die Stärkung des Ehrenamtes und die Gewinnung neuer Freiwilliger, die stärkere Vernetzung der hauptberuflichen Caritas mit den Pfarreien und die Erschließung zusätzlicher frei verfügbarer Finanzmittel aus Spenden, Stiftungen und Sponsoring. Ferner müssten die Dienste und Einrichtungen durch hervorragende Qualität fit gemacht werden für den Wettbewerb im Sozialmarkt. Dazu gehöre auch, die Zahl der Ausbildungsplätze noch zu erhöhen, damit der Caritas stets geeignete und nach christlichen Wertvorstellungen ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Daneben müsse die Caritas weiterhin Anwalt für all die Menschen sein, die am Rande der Gesellschaft leben und öffentlich keine Stimme haben. Schließlich mahnte Öhlein für den kirchlichen Bereich eine verstärkte Zusammenarbeit der verschiedenen rechtlich selbständigen Träger sozialer Arbeit an: „Der Slogan ‚Caritas aus einer Hand’ darf kein Lippenbekenntnis belieben.“

Bernhard Simon geht zurück in die Pfarrseelsorge

Domvikar Bernhard Simon war bereits mit Wirkung zum 1. April 2006 als Diözesan-Caritasdirektor zurückgetreten. Er hatte dieses Amt seit 1. September 1998 ausgeübt. Simon kehrt auf eigenen Wunsch in die Seelsorge zurück und wird ab 1. September als Pfarrer die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Hollfeld (Dekanat Bayreuth) übernehmen. Bernhard Simon, geboren 1951 in Nordhalben, wurde 1977 zum Priester geweiht. Nachdem er fünf Jahre lang als Kaplan in Lichtenfels gewirkt hatte, ernannte ihn der damalige Erzbischof Dr. Elmar Maria Kredel 1982 zum Domvikar und Diözesan-Betriebsseelsorger. Diese Aufgabe nahm er wahr, bis er von Erzbischof Dr. Karl Braun in die Leitung des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg berufen wurde. Im Juli 2000 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. den Titel Monsignore. Zum 11. Februar 2003 ernannte Erzbischof Dr. Ludwig Schick Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon zusätzlich zum Ordinariatsrat, so dass er an den Beratungen der Ordinariatskonferenz teilnahm und in für das Erzbistum wichtige Entscheidungen einbezogen war.

Der 1953 geborene Diplom-Betriebswirt Gerhard Öhlein war seit 1979 beim Diözesan-Caritasverband als Leiter des Finanzbereichs tätig. Im Oktober 1999 wurde er zusätzlich Stellvertreter von Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon. Nach dessen Rücktritt ernannte ihn Erzbischof Dr. Ludwig Schick zum kommissarischen Diözesan-Caritasdirektor.