2. Mai 2006

Woche für das Leben eröffnet

Menschen mit Down-Syndrom lasen selbstverfasste Texte im Dom


Erzbischof Ludwig Schick mit den vier Autoren des "Ohrenkuss" - Magazins: Michael Häger, Verena Günnel, Angela Fritzen, Svenja Giesler

Mit einem Wortgottesdienst hat Erzbischof Ludwig Schick die diözesanen Veranstaltungen der „Woche für das Leben“ am Sonntagnachmittag, 30. April 2006, im Bamberger Dom eröffnet. „Wir sind alle Kinder Gottes und von Gott so gewollt, wie wir sind“, begrüßte Schick die Gottesdienstbesucher.

In Erinnerung an das diesjährige Thema „Von Anfang an uns anvertraut. Menschsein beginnt vor der Geburt.“ hob der Erzbischof hervor, dass die ökumenische Initiative „die Freude am Leben, die Freude an Kindern, am Mitmenschen, an der Schöpfung wecken will.“ Das sei die Basis, damit Kinder geboren würden und dann sei unser ganzes Lebensgefühl positiver, reicher und schöner. „Gerade wir Deutschen nehmen uns die Freude am Leben, weil uns die Spontanität und Ursprünglichkeit so oft fehlt. Uns ist das Bewusstsein abhanden gekommen, dass das Leben ein Geschenk ist“, konstatierte Schick. Behinderte Menschen seien nicht berechnend. Sie könnten sich spontan und ursprünglich freuen und uns zeigen, dass das Leben ein Geschenk sei, das es schön sei zu leben. „Deshalb sind behinderte Menschen ein Segen für uns!“ fuhr der Erzbischof fort und leitete damit eine außergewöhnliche Lesung im Dom ein.

Zur Eröffnung der „Woche für das Leben“ lasen Menschen mit Down-Syndrom selbstverfasste Texte vor. In dem Magazin „Ohrenkuss“, das zweimal jährlich erscheint, werden die Werke der Autoren abgedruckt. Mitmachen kann bei Ohrenkuss jeder, der das so genannte Down-Syndrom hat, das auch als Trisomie 21 bekannt ist. 1998 ging das mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Magazin aus einem Forschungsprojekt hervor. Unter der Leitung der Humangenetikerin Katja de Braganca und einem Redaktionsteam schreiben die 50 Autoren (am Stammsitz Bonn und „Fernkorrespondenten“ aus ganz Deutschland) über alles, was sie bewegt: über die Liebe, die Musik, über Essen und Trinken, Sport treiben, den ewigen Konflikt zwischen Männern und Frauen, über Sehnsüchte und existentielle Fragen: „Die Seele: Die wohnt im Herzen...Wie die Seele aussieht weiß ich nicht. Die kann man nicht anfassen aber die spürt man. Wo sie herkommt weiß ich nicht. Sie geht wenn ich sterbe in den Himmel und trifft dort zu Glück mein Vati, die Oma...“ (aus dem Ohrenkuss-Magazin Wohnen, Ausgabe April 2006, Autoren: Veronika Hammel und Hermine Fraas). Die Texte sind nachdenklich, emotional, zum schmunzeln. Mehrere Male jährlich geben die Autoren Lesungen. So wie bei der diesjährigen diözesanen Eröffnung der „Woche für das Leben“ im Bamberger Dom.

Die Autoren des „Ohrenkuss“ hat die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Bamberg, deren Träger der Diözesan-Caritasverband ist, eingeladen. Die Schwangerschaftsberatungsstelle will vor allem die Probleme thematisieren, welche die Pränatale Diagnostik aufwirft. Pränatale Diagnostik ist zum festen Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge geworden. Sie soll ermöglichen, gesundheitliche Risiken rechtzeitig zu erkennen, damit die schwangere Frau und ihr ungeborenes Kind bestmöglich durch die Schwangerschaft begleitet werden können. In der Öffentlichkeit wird das Ziel der vorgeburtlichen Untersuchungen aber vielfach in der Verhinderung der Geburt eines behinderten Kindes gesehen. Die Pränatale Diagnostik gerät so zu einem Mittel der Selektion, denn vorgeburtlich erkannte Fehlbildungen oder genetische Defekte lassen sich nicht therapieren. Es stellt sich dann nur die Alternative, das voraussichtlich behinderte Kind auszutragen oder im Rahmen der medizinischen Indikation abzutreiben. Gegen diese Praxis stellen sich Behindertenverbände ebenso wie auf der Basis des christlichen Werteverständnisses die Kirchen.

Die „Woche für das Leben“ – eine Initiative der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland – macht seit 1991 (seit 1994 ökumenisch) auf den Wert des Menschen von der Entstehung bis zum Tod aufmerksam. In dieser Woche für das Leben wird Jahr für Jahr in vielen Veranstaltungen und Aktionen in ganz Deutschland die unantastbare Würde des Menschen in den Mittelpunkt gestellt. In diesem Jahr 2006 findet die „Woche für das Leben“ vom 29. April bis zum 6. Mai statt. Das zentrale Anliegen der „Woche für das Leben“ in den Jahren 2005 bis 2007 steht unter dem Leitthema „KinderSegen- Hoffnung für das Leben“ und beschäftigt sich in diesem Jahr vor allem mit der Aufgabe Kinder anzunehmen und zu begleiten, und zwar vom ersten Augenblick ihres Daseins im Mutterleib an.

Hier eine Übersicht über weitere Veranstaltungen im Laufe der „Woche für das Leben“ im Erzbistum Bamberg ...