2. März 2006

Caritas-Sammlung rückt Familie ins Blickfeld

Aufruf zu einem Schreibwettbewerb begleitet die Sammlungswoche

„Familie in guter Gesellschaft“ lautet das Motto der Caritas im Erzbistum Bamberg bei ihrer diesjährigen Frühjahrssammlung, die vom 13. bis 19. März stattfindet. Bereits am 12. März wird in den Gottesdiensten dieses Sonntags sowie in den Vorabendgottesdiensten bei der Kollekte die Spende der Gläubigen für die Caritas erbeten. Bei einer Pressekonferenz am heutigen Vormittag in Forchheim stellte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon den thematischen Schwerpunkt und die Aktivitäten der Sammlungswoche vor.

Der Leistungsträger Familie ist vor viele Schwierigkeiten gestellt

Familien sind ein starkes System. Betreuung und Erziehung der Kinder wird nach wie vor zum größten Teil von den Eltern und in der Familie geleistet. Familien vermitteln Kindern emotionale Sicherheit, soziale Fertigkeiten und Kompetenzen zur Bewältigung des Alltags. Sie sichern dadurch Aufbau und Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Die Familie ist daher für die Gesellschaft unverzichtbar.

Andererseits sehen sich Familien in der Gesellschaft vor viele Schwierigkeiten gestellt. Für viele Eltern ist es ein Problem, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotz des Rechtes auf einen Kindergartenplatz fehlen Möglichkeiten, Kinder außerhalb der Familie betreuen zu lassen. Die Forderungen des Bundesverfassungsgerichts, Familien steuerlich gerecht zu behandeln, hat die Politik immer noch nicht umgesetzt. Nach wie vor wird in den Sozialversicherungen die Leistung, Kinder aktuell zu erziehen, nicht anerkannt. Die Gesellschaft profitiert von den Familien weit mehr, als sie an finanzieller Förderung in sie hineinsteckt.

Für nicht wenige Familien geht es aber auch (wieder) um die nackte Existenz. Diese Erfahrung machen die Beratungsstellen der Caritas z.B. bei Eltern, die Arbeitslosengeld II beziehen. Andere Eltern sehen sich bei der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Umgekehrt leiden Kinder unter schwierigen Situationen in der Familie, unter Trennung und Scheidung der Eltern.

Hilfe und Dienste der Caritas für Familien

Die Caritas unterstützt mit ihren Angeboten und Diensten Familien nach Kräften. Bei Erziehungs- und ähnlichen familiären Problemen bieten die Caritas-Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern und die Sozialpädagogische Familienhilfe Rat und praktische Begleitung. Schwangere Frauen, werdende Eltern und junge Mütter können sich an die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen wenden. Die Caritas-Kindererholung führt für gesundheitlich angeschlagene Kinder aus sozial schwachen Familien Freizeiten durch, bei denen sie Kraft schöpfen, sich gesund ernähren, ausgiebig bewegen und soziale Kompetenzen einüben können. Die Caritasverbände vermitteln im Rahmen der Müttergenesung Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Frauen, für Mutter und Kind(er) sowie für Vater und Kind(er). Die Familienpflege der Caritas springt ein, wenn der Elternteil, der gewöhnlich die Kinder versorgt, wegen Krankheit oder Kuraufenthalt ausfällt. Der Familien-Gesundheits-Fonds des Diözesan-Caritasverbandes gewährt Zuschüsse, wenn Familien sich Zuzahlungen oder Eigenanteile bei Mütterkur, Mutter- oder Vater-Kind-Kur, Familienpflege, Kinder- oder Familienerholung nicht leisten können.

Manche Caritasverbände engagieren sich in der Vermittlung ausgebildeter Babysitter, in der Mittagsbetreuung von Schülern oder in Erziehungskursen für Eltern. Darüber hinaus sind in der Allgemeinen Sozialen Beratung, der Schuldnerberatung und der Beratung für Migranten ein Großteil der Ratsuchenden Familien. Mittelbar Familien zugute kommt, dass der Diözesan-Caritasverband und der Caritasverband Nürnberg Kindertagesstätten in der Erzdiözese Bamberg fachlich beraten. Zudem befindet sich eine Reihe von Kindergärten, -horten und –krippen sowie Heilpädagogischen Tagesstätten in direkter Trägerschaft der Caritas oder ihrer Fachverbände.

Zwei Einrichtungen des Diözesan-Caritasverbandes Bamberg wenden sich speziell an Familien: Das Caritas-Haus St. Hedwig in Bad Steben bietet Müttern sowie Müttern und ihren Kindern im Rahmen der Müttergenesung Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation. Die Caritas-Familienferienstätte St. Heinrich und Kunigunde in Hundham/Oberbayern ermöglicht Familien einen preiswerten Urlaub in attraktiver Umgebung.

Auftakt der Caritas-Frühjahrssammlung

Die Caritas-Frühjahrssammlung eröffnet ein diözesaner Auftaktgottesdienst, der das Thema „Familie in guter Gesellschaft“ aufgreift. Der Gottesdienst wird am Sonntag, 12. März 2006, um 10 Uhr in Forchheim in der Pfarrkirche Verklärung Christi gefeiert. Die Predigt hält Weihbischof Werner Radspieler, der 1. Vorsitzende des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e.V. Im Gottesdienst werden Bilder vorgestellt, die 30 Gruppen aus verschiedenen Kindertagesstätten bei einer Malaktion angefertigt haben. Nach dem Gottesdienst gibt es ein Mittagessen, für die Kinder einen Spielenachmittag und für die Erwachsenen Informationsstände.

Zentrales Veranstaltungsprogramm

Das zentrale Programm zum thematischen Schwerpunkt „Familie in guter Gesellschaft“ führen der Caritasverband für den Landkreis Forchheim und der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg gemeinsam durch.

Bereits seit 20. Februar läuft die Aktion „Stimme der Familie“. Die Heilpädagogische Tagesstätte der Caritas Forchheim sammelt auf der Straße und in kirchlichen Einrichtungen mit Hilfe einer mobilen Litfasssäule Meinungsäußerungen von Familien. Dabei soll auch erfragt werden, was Familien von der Politik erwarten und ob sie ihr Wohnumfeld, ihre Gemeinde als kinderfreundlich erleben und was sie dort für verbesserungswürdig halten. Die Ergebnisse der Aktion sollen in Gespräche mit Kommunalpolitikern einfließen.

Bereits am Donnerstag, 9. März 2006, übergeben Mitglieder und Förderer der Forchheimer Caritas eine Spende von 5000 Euro. Mit ihrer Hilfe soll für bedürftige Kinder und Familien aus dem Landkreis Forchheim Bekleidung erhalten.

Am Dienstag, 14. März 2006, wird ein neuer Ökumenischer Mittagstisch in Weißenohe und Gräfenberg eröffnet.

Am Mittwoch, 15. März 2006, erscheint in der Forchheimer Lokalpresse eine von Firmen gesponserte Großanzeige der Caritas, die um Vermieter für Familien in Wohnungsnot wirbt.

Am Donnerstag, 16. März 2006, um 19 Uhr findet in der Sparkasse Forchheim ein Fachgespräch mit Kommunalpolitikern statt. Angesprochen werden die Bildungs- und Erziehungssituation im Landkreis, die Armut bei Kindern und Familien sowie Erfahrungen von Eltern mit dem neuen Kindertagesstättengesetz. An dem Forum nimmt Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon teil.

Mit der Caritas-Frühjahrssammlung startet das Buchprojekt „Familie in guter Gesellschaft“. Alle Bürger im Erzbistum Bamberg sind aufgerufen, ihre Kurzgeschichte, ihr Gedicht oder ihre Erzählung zum Thema „Familie“ zu verfassen. Eine Auswahl von Texten wird in einem Buch veröffentlicht, zu dem auch bekannte Autoren Beiträge beisteuern. Die besten Einsendungen aus der Bevölkerung wird der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick prämieren. Der Erlös aus dem Verkauf des Buches, das im November erscheinen soll, kommt Familien in Not zugute.

Die Caritas-Sammlung

Die Caritas-Sammlung besteht aus drei Elementen: Die Hauslistensammlung, bei der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Tür zu Tür gehen, findet in diesem Frühjahr vom 13. bis 19. März statt. Zusätzlich erfolgt in größeren Orten eine Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen, vom 17. bis 19. März. Bei der Gottesdienstkollekte am Caritas-Sonntag, 12. März, werden in allen katholischen Gottesdiensten die Besucher um eine Spende gebeten.

Vom Ertrag der Sammlung erhalten in der Erzdiözese Bamberg die Pfarreien 40 Prozent für ihre eigenen sozial-karitativen Aufgaben. Je 30 Prozent gehen an den Diözesan-Caritasverband und an die Stadt- und Kreis-Caritasverbände zur Finanzierung vor allem jener Angebote, die stark auf Eigenmittel der Caritas angewiesen sind.

2005 erbrachten die beiden Caritas-Sammlungen zusammen 1.646.578 Euro. Dies bedeutet einen geringfügigen Rückgang gegenüber 2004, als 1.683.792 Euro erlöst wurden. Die Ursache ist im Tsunami an Weihnachten 2004 zu sehen. Die durch die Katastrophe in Südostasien ausgelöste enorme Spendenbereitschaft zugunsten der Flutopfer ließ das Ergebnis der wenige Wochen danach durchgeführten Caritas-Frühjahrssammlung 2005 um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr sinken.