21. Februar 2006

Für das ganze Leben gezeichnet

Film über Kindersoldaten stieß auf großes Interesse

„Das ist die Wirklichkeit!“ Tief betroffen wie wohl der Großteil der Besucher des Bamberger Kinos „Lichtspiel“ äußerte sich Pater Anton Schneider zum Film „Lost Children (Verlorene Kinder)“. Er kennt Uganda, denn sein Orden, die Comboni-Missionare sind dort tätig. In dem Land , in dem seit 19 Jahren Krieg herrscht, in dem 20.000 Kinder entführt wurden und 1,5 Millionen Menschen in Flüchtlingslagern leben, versuchen sie „Erste Hilfe zum Überleben“ zu geben. Nach der Vorführung des Films erläuterte der Ordensprovinzial die politische Situation des afrikanischen Landes, sprach im gut gefüllten Kinosaal von eigenen Eindrücken bei den Besuchen seiner Mitbrüder und von Lösungsmöglichkeiten der Situation vor Ort. Nur durch Druck von außen, durch Kürzung europäischer und amerikanischer Gelder könne Einfluss ausgeübt werden, damit das „irrationale“ Verhalten der „Lord´s Resistance Army“ des Rebellenführers Joseph Kony endlich ein Ende habe.

„Kinder zu rauben oder sie zum Töten zu zwingen, ist und bleibt ein Verbrechen. Ein Kind, das getötet hat, ist gekennzeichnet für sein ganzes Leben.“ Wie ehemalige Kindersoldaten mit den Problemen umgehen, die aus ihrer Entführung und dem Zwang zu töten entstehen, das zeigen Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz in ihrem Film. Mit der Kamera haben sie Francis (12) und Jennifer (14), Kilama (13) und Opio (8) beobachtet, wie sie im Gespräch mit den Sozialarbeitern des von Caritas International unterstützten Auffangcamps für Kindersoldaten von ihren Erlebnissen berichten. Von der Rebellenarmee LRA entführt, lebten sie zum Teil mehrere Jahre in den Lagern im Busch. Sie bekamen Waffen, wurden gezwungen zu kämpfen, zu misshandeln, zu töten.

Über 800 solcher Kinder hat die Sozialarbeiterin Grace Arach in den letzten beiden Jahren betreut. Tagtäglich hört sie von den schrecklichen Erlebnissen ihrer Schützlinge. Nichts wünscht sie sich mehr als Frieden zwischen der Rebellenarmee und den Regierungstruppen. Zusammen mit John Bosco Komakech Aludi und anderen Sozialarbeitern versucht sie, den Frieden im Kleinen, im Camp der Caritas Gulu zu verwirklichen und den Kindern bei der schwierigen Wiedereingliederung in Familie und Clan zu helfen. Dies ist oft nicht leicht, da die Verwandten zögern, die Kinder wieder aufzunehmen. Für einige von ihnen gibt es jedoch eine hoffnungsvolle Zukunft. Sie dürfen bei Verwandten bleiben bzw. erhalten durch den Besuch einer Nähschule eine berufliche Perspektive. Eins der Kinder kommt in einem Kinderheim unter, ein anderes ist nach einem Angriff von Rebellen auf das Flüchtlingscamp, in dem seine Eltern leben, erneut verschwunden.

Veranstaltet wurde die Vorführung gemeinsam von Kino „Lichtspiel“, der AV-Medienzentrale der Erzdiözese Bamberg, dem Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, dem Orden der Comboni-Missionare, der Diözesanstelle Mission–Entwicklung–Frieden und der KEB, der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt Bamberg.

Christiane Dillig

Der Film „Lost Children“ ist am 8. März in Erlangen und am 9. März in Höchstadt zu sehen. Weitere Infos hier.