3. Februar 2006

Schwierige Alltagssituationen meistern –  Caritas-Erziehungsberatung hat das Nürnberger Elterntraining entwickelt


Die Gruppenangebote der Erziehungsberatung des Caritasverbandes Nürnberg werden gut angenommen. Unser Foto zeigt Stellenleiter Wolfgang Oslislo mit Mitarbeiterinnen bei einer Teambesprechung. Gerlinde Kern-Sekatzek (links) geht derzeit mit einem Elterntraining in den Kindergarten.
Foto: Sauerbeck

Schritt für Schritt in Erziehungsfragen fit. So lautet eine Einladung an Kindergarteneltern in St. Rupert. Mit dem katholischen Kindergarten im Nürnberger Süden haben das Referat Kindertagesstätten und die Erziehungsberatung des Caritasverbandes Nürnberg im Februar einen vierteiligen Kurs auf die Beine gestellt. Ziel dieses Elterntrainings ist es, Stress im alltäglichen Miteinander von Eltern und Kindern zu reduzieren, Problemen vorzubeugen und wieder mehr Freude am Familienleben zu vermitteln.  

Die Sozialpädagogin Gerlinde Kern-Sekatzek, eine Mitarbeiterin der Erziehungsberatung, gibt „Überlebenstipps“, zeigt den Eltern, wie hilfreich feste Familienregeln sein können und verdeutlicht, dass Kinder nicht nur Freiräume, sondern auch Grenzen brauchen.

Starke Nachfrage

„Wir haben das Nürnberger Elterntraining N.E.T. entwickelt“, sagt Wolfgang Oslislo nicht ohne Stolz. Seit fast 19 Jahren leitet der Diplompsychologe mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung die Fachberatung in der Tucherstraße 15.

Die Nachfrage nach den Kursen zu Erziehungsfragen ist groß, allein im ersten Quartal 2006 finden insgesamt fünf Gruppenangebote statt, teilt Oslislo mit. Für die Beratungsstelle mit ihren vier Fachplanstellen ist dies ein Kraftakt. Vier Psychologen teilen sich drei Stellen, hinzu kommen zwei Sozialpädagoginnen in Teilzeit. Unterstützt werden sie von einer Verwaltungskraft.

Bis zu 500 Klienten zählt die Erziehungsberatungsstelle im Jahr. „Zwei Drittel davon sind Neuzugänge“, erläutert Oslislo die Statistik. Die Gruppenarbeit bildet sozusagen das zweite Standbein der Beratungsstelle, das erste sind nach wie vor die klassischen Beratungs- und Einzelgespräche zu ganz unterschiedlichen Problemen in der Familie.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem Elterntraining gemacht“, fasst Oslislo zusammen. „Es ist ein Training mit Hand und Fuß, orientiert an den Bedürfnissen der Eltern.“ Auch die Mütter und Väter meldeten auf Fragebögen zurück, dass sie sehr zufrieden seien. Sie bekämen konkrete Hilfen für die Alltagsbewältigung, könnten die Kommunikationsformen in der Familie reflektieren und sich mit ihrer eigenen Kindheit auseinandersetzen.

Nicht wenige Eltern fragten später bei der Erziehungsberatung an und machten Termine für weiterführende Einzelgespräche aus. „Sie haben uns schon kennen gelernt und Vertrauen gefasst.“ Freiwilligkeit, Verschwiegenheit und Kostenfreiheit sind die Grundsätze der Beratungstätigkeit.

Neben den Elterntrainings liegt ein Schwerpunkt der Gruppenarbeit auf dem Angebot für Eltern und Kinder, die von Trennung und Scheidung betroffen sind. „Hier geht es vor allem um Verlustängste, Trennung ist ein kritisches Lebensereignis, auch wenn die Anzahl der Patchworkfamilien zunimmt“, so der Stellenleiter. „In der Gruppe geben wir den Kindern Raum, damit sie aussprechen können, was sie bewegt.“

Vernetzung wird in Nürnberg groß geschrieben. Zum Beispiel im Rahmen der Kampagne Erziehung im Nürnberger Bündnis für Familie. Die Erziehungsberatung setzt aber auch immer wieder auf kleine Kooperationen, um gezielte bedarfsorientierte Angebote vor Ort machen zu können, so mit „Zoff + Harmonie“, der Familienbildung der Katholischen Stadtkirche (Blickpunkt Kirche berichtete), der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Erzdiözese Bamberg, Kindergärten oder anderen Beratungsstellen der Caritas.

Muttersprachliche Beratung

So führt Oslislo in Zusammenarbeit mit dem Migrationsdienst der Caritas und der AWO ein Elterntraining im Übergangswohnheim für Spätaussiedler in der Kollwitzstraße durch. Die Erziehungsberatung hat hier ein großes Plus, denn Ilona Jankowiak, eine Diplompsychologin, kann in russisch und polnisch beraten. Die Beratungsstelle ist überhaupt dank mehrsprachiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lage, für ausländische Familien muttersprachliche Beratung und Behandlung anzubieten. Über 40 Prozent der Klienten haben einen „Migrationshintergrund“.  

Für dieses Jahr ist auch eine weitere Kooperation angedacht: in Zusammenarbeit  mit der Schwangerenberatung der Caritas sollen Erziehungshilfen für minderjährige Mütter und sehr junge Eltern angeboten werden.

Kontakt: Erziehungsberatung des Caritasverbandes Nürnberg e.V., Beratung und Behandlung für Kinder, Jugendliche und Eltern, Tucherstr.15, Tel. 0911 / 2354-241, E-Mail: erziehungsberatung@caritas-nuernberg.de.