19. April 2006

Diözesane Eröffnung der Woche für das Leben

Autoren mit Down-Syndrom lesen im Bamberger Dom


Michael Häger und Angela Fritzen bei einer öffentlichen Ohrenkuss-Lesung.
Foto: © Luke Golobitsh, Bonn

Unter der Überschrift „Liebe ist wie die Sterne und der Mond“ lesen am Sonntag, 30. April 2006, um 17 Uhr im Dom zu Bamberg Menschen mit Down-Syndrom selbstverfasste Texte. Mit dieser Veranstaltung eröffnet Erzbischof Dr. Ludwig Schick die diesjährige „Woche für das Leben“ der katholischen und der evangelischen Kirche für das Erzbistum Bamberg.

Die Autoren, die im Bamberger Dom auftreten, sind Redakteure des inzwischen mehrfach ausgezeichneten Magazins „Ohrenkuss“. Die Zeitschrift wird ausschließlich von Menschen mit Down-Syndrom, einer Behinderung, die auch als Trisomie 21 bekannt ist, zusammengestellt. Alle Texte werden von ihnen selbst verfasst und entweder selbst geschrieben oder diktiert. Neben elf Redakteuren, die in Bonn das Magazin betreuen, schreiben bundesweit rund 40 Autoren für „Ohrenkuss“. Die Humangenetikerin Dr. Katja de Braganca wird bei der Veranstaltung im Bamberger Dom das von ihr angeregte Literaturprojekt kurz vorstellen.

Die Texte, welche die vier Ohrenkuss-Redakteure Angela Fritzen, Svenja Giesler, Verena Günnel und Michael Häger zu Gehör bringen, spiegeln, wie Menschen mit Down-Syndrom sich und die Welt erleben. Sie sind berührend, nachdenklich, humorvoll.

Musikalisch umrahmen wird die Lesung ein dreiköpfiges Ensemble. Es besteht aus Manfred Wengoborski, erste Geige bei den Bamberger Symphonikern, Georg Scheffner, Organist an der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, und Otto Winter, ehemaliger Solooboist der Bamberger Symphoniker. Die Musiker verzichten bei dieser Aufführung auf ein Honorar.

Die Autoren des „Ohrenkuss“ eingeladen hat die Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Bamberg, deren Träger der Diözesan-Caritasverband ist. Die Beratungsstelle greift mit der Veranstaltung das Motto der diesjährigen „Woche für das Leben“ auf; es lautet: „Von Anfang an uns anvertraut. Menschsein beginnt vor der Geburt“. Unter dieser Überschrift will die Schwangerschaftsberatungsstelle vor allem die Probleme thematisieren, welche die Pränatale Diagnostik aufwirft. Pränatale Diagnostik ist zum festen Bestandteil der Schwangerschaftsvorsorge geworden. Sie soll ermöglichen, gesundheitliche Risiken rechtzeitig zu erkennen, damit die schwangere Frau und ihr ungeborenes Kind bestmöglich durch die Schwangerschaft begleitet werden können. In der Öffentlichkeit wird das Ziel der vorgeburtlichen Untersuchungen aber vielfach in der Verhinderung der Geburt eines behinderten Kindes gesehen. Die Pränatale Diagnostik gerät so zu einem Mittel der Selektion, denn vorgeburtlich erkannte Fehlbildungen oder genetische Defekte lassen sich nicht therapieren. Es stellt sich dann nur die Alternative, das voraussichtlich behinderte Kind auszutragen oder im Rahmen der medizinischen Indikation abzutreiben. Gegen diese Praxis stellen sich Behindertenverbände ebenso wie auf der Basis des christlichen Werteverständnisses die Kirchen.

Weitere Informationen zum Magazin „Ohrenkuss“ finden Sie auf der Webiste www.ohrenkuss.de.