27. September 2005

Hohe Arbeitslosigkeit verpflichtet alle gesellschaftlichen Kräfte zum Handeln

Caritas-Präsident nutzt den bistumsweiten Auftakt der Caritas-Sammlung zur Mahnung gegen die politische Lähmung


Mitarbeiterinnen der Sozialstation trugen die Fürbitten vor. Gemeinsam zelebrierten Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon, Caritas-Prädient Dr. Peter Neher und Pfarrer Alfred Bayer, Vorsitzender des Caritasverbandes Lichtenfels.

Die ethische Verantwortung aller Bürger hat Caritas-Präsident Dr. Peter Neher angesichts von fünf Millionen Arbeitslosen angemahnt. Die Ausrichtung von Unternehmenspolitik allein an Börsenwerten sei ebenso wenig hinzunehmen wie Schwarzarbeit, sagte er zur Eröffnung der Caritas-Herbstsammlung im Erzbistum Bamberg am Sonntag.

„Arbeitslos 2005: Chancen statt Vorurteile“ lautet das Jahrsthema des Deutschen Caritasverbandes. Unter diesem Motto stand auch der Gottesdienst, den die Caritas in der Erzdiözese zum Auftakt der Sammlungswoche in der Stadtpfarrkirche von Lichtenfels feierte.

In seiner Predigt wies der Präsident des Deutschen Caritasverbandes darauf hin, dass besonders weniger oder nicht ausgebildete, kranke und wenig belastbare, alleinerziehende, ausländische und ältere Menschen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Folge seien Verbitterung und Anfälligkeit für radikale, oft fremdenfeindliche Parolen. „Mehr und mehr spaltet sich die Gesellschaft in jene, die Arbeit haben und sie verteidigen, und solche, die ohne Arbeit sind,“ stellte Dr. Peter Neher fest.

Scharf geißelte er, dass sich viele Bürger mit dieser Situation abgefunden haben. Das Urteil des Propheten Ezechiel „Euer Verhalten ist nicht richtig“ aus der Lesung aktualisierte er: „Ihr steigert den Gewinn und baut gleichzeitig Arbeitsplätze ab. Ihr pocht auf euren Besitzstand und seid nicht bereit, Arbeit und Einkommen zu teilen.“

„Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das des anderen.“ Diese Worte des Apostels Paulus aus der zweiten Lesung richtete Neher, wie er betonte, „ganz bewusst ... gegen die bisherige politische Lähmung.“ Es könne nicht sein, dass durch politisches Kalkül notwendige Maßnahmen für den Arbeitsmarkt und die Bildungspolitik verschleppt würden. Dies gelte nicht nur für Deutschland und Europa. „Auch jenseits unserer Grenzen haben Menschen einen Anspruch auf Arbeit und ein gesichertes Auskommen.“ Man müsse daher weltweit für soziale Bedingungen eintreten.

Die Caritas-Herbstsammlung dauert noch bis zum 2. Oktober. Die Caritas bittet diesmal besonders um Spenden für ihre Beratungsangebote und materiellen Hilfen für Arbeitslose.