26. September 2005

Caritas-Präsident appelliert beim Festakt der Caritas Lichtenfels: Pfarreien sollen sich mehr mit sozialen Nöten befassen

Eine Neuorientierung hin zu karitativem Handeln hat Caritas-Präsident Dr. Peter Neher beim Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Caritasverbandes für den Landkreis Lichtenfels von den Pfarrgemeinden gefordert. Viele Pfarreien hätten wenig Bezug zu den Ausgegrenzten, zu Randgruppen und zur politischen Gemeinde. Sie wirkten dadurch „geradezu blutleer“ und bildeten eine „sonntägliche Sonderwelt für Eingeweihte“.

Gemeinden, die sich mit den sozialen Nöten ihrer Umgebung auseinandersetzten, erlebten dies als sehr fruchtbar, sagte Neher im Pfarrzentrum St. Marien in Lichtenfels: „Neue Beziehungen können so entstehen.“ Gottesdienst und Verkündigung würden lebensnaher und lebendiger. Als Beispiele praktischen Handelns nannte er Nachbarschaftsprojekte und die Ganztagsbetreuung von Schülern.

Deutliche Kritik übte Neher an den „Sparprozessen in den Bistümern“. Sie dürften „nicht panikartig“, sondern müssten nach pastoralen und theologischen Gesichtspunkten erfolgen. „Hierbei müssen die diakonischen Dienste um der Menschen willen angemessen berücksichtigt werden.

Dass in Lichtenfels das vom Caritas-Präsidenten geforderte gute Miteinander von Caritas und Pfarrei verwirklicht sei, bescheinigte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon den Verantwortlichen. Richard Reich, Geschäftsführer des Caritasverbandes Lichtenfels, erinnerte daran, dass Caritas schon unvergleichlich länger als durch seinen Verband von Pfarreien, kirchlichen Einrichtungen und unzähligen einzelnen Christen geleistet worden sei. Seit 1962 habe es dann eine Caritas-Kreisstelle in Lichtenfels gegeben. Die Gründung des rechtlich selbständigen Orts- und Kreis-Caritasverbandes im Jahr 1975 durch Dekan Rudolf Höfinger und Max von Prümmer, welcher der erste Vorsitzende des Vereins wurde, habe gerade eine größere Nähe zu den Pfarrgemeinden im Blick gehabt.

Pfarrer Alfred Bayer, der heutige Vorsitzende der Caritas Lichtenfels, sagte nicht ohne Stolz, es gebe in der Erzdiözese Bamberg keine vergleichbare Stadt, in der so viele karitative Einrichtungen konzentriert sind. Dazu trägt auch der Diözesan-Caritasverband mit seinen Einrichtungen, vor allem dem Heilpädagogischen Zentrum, bei. Über 300 Beschäftigte arbeiten in Lichtenfels bei der Caritas, sei es beim Kreis- oder beim Diözesanverband. Allein der Kreis-Caritasverband beriet und betreute im vergangenen Jahr 3925 Menschen.