21. September 2005

Deutschlands Caritas-Präsident eröffnet Caritas-Herbstsammlung in der Erzdiözese Bamberg – Auftaktgottesdienst in Lichtenfels

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher, eröffnet in diesem Jahr die Caritas-Herbstsammlung in der Erzdiözese Bamberg. Neher ist Hauptzelebrant und Prediger beim Auftaktgottesdienst am Sonntag, 25. September 2005, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau in Lichtenfels.

Die diesjährige Herbstsammlung der Caritas findet vom 26. September bis 2. Oktober statt. Sie besteht aus einer Hauslistensammlung, bei der ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Tür zu Tür gehen, und einer Straßensammlung, z.B. in Fußgängerzonen größerer Orte. Bereits am 25. September wird in den katholischen Gottesdiensten dieses Sonntags sowie in den Vorabendgottesdiensten bei der Kollekte die Spende der Gläubigen für die Caritas erbeten.

Das landesweite Sammlungsmotto „Not sehen und handeln“ konkretisiert die Caritas im Erzbistum Bamberg mit der Schwerpunktsetzung: „Arbeitslose brauchen Chancen“. Sie lehnt sich an das Jahresthema 2005 des Deutschen Caritasverbandes an. Auch der Auftaktgottesdienst wird das Thema in den Mittelpunkt stellen.

Die Caritas will zum einen auf die materiellen und psychischen Probleme aufmerksam machen, vor die der Verlust des Arbeitsplatzes die Arbeitslosen und ihre Familien stellt. So bemängelt die Caritas, dass nur noch für die drei Ausnahmefälle Erstbezug einer Wohnung, mehrtägige Klassenfahrt von Schülern sowie Schwangerschaft und Niederkunft ein Zuschuss zum Arbeitslosengeld II ausbezahlt wird. Die letztgenannte Leistung werde freilich nur für die Erstausstattung an Babykleidung gewährt, nicht aber für den Kauf eines Kinderwagens, eines Babybettes oder einer Wickelkommode. Die frühere Sozialhilfe hatte einmalige Finanzhilfen vorgesehen, wenn Sozialhilfeempfänger durch besondere Umstände höhere Aufwendungen meistern mussten. So gab es etwa für den Ersatz einer defekten Waschmaschine, den Heizölkauf, die Anschaffung von Winterkleidung oder den Eigenanteil an einer neuen Brille finanzielle Unterstützung vom Sozialamt. Durch die Abschaffung dieser Regelung kann heute bereits eine ernstere Erkrankung oder der Ausfall eines Haushaltsgerätes den Arbeitslosengeldempfänger in existentielle Schwierigkeiten bringen. Aus der Beratung von Arbeitslosen weiß die Caritas, dass das Arbeitslosengeld II bei den meisten Empfängern gerade einmal ausreicht, um den täglichen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Caritas will zum anderen hinweisen auf die vielfältigen Hilfen, die die Caritas arbeitslosen Menschen anbietet: sei es in der Allgemeinen Sozialen Beratung als erster Anlaufstelle bei Problemen, sei es in speziellen Beratungsstellen wie der Schuldner- und Insolvenzberatung, sei es durch materielle Hilfen wie bei den Kleiderkammern.

Der Bedarf nach Beratung und Unterstützung wächst. Beim Caritasverband für den Landkreis Lichtenfels – dem Gastgeber des Sammlungsauftaktes – sind in der Allgemeinen Sozialberatung 35 % der Ratsuchenden arbeitslos. Bei der Schuldnerberatung machen arbeitslose Klienten 61 % aus, und die Spanne reicht bis zu 90 % Arbeitslosen in der Beratung von Migranten. Insgesamt haben seit Jahresanfang 1025 Menschen ohne Arbeit bei der Caritas Lichtenfels um Hilfe nachgesucht.

Einzelnen Arbeitslosen kann die Caritas Beschäftigungsmöglichkeiten verschaffen, etwa die sogenannten Zusatzjobs. 150 solcher Arbeitsgelegenheiten bietet die Caritas im Erzbistum Bamberg an. Nach einer Erhebung des Deutschen Caritasverbandes finden aber nur 5 % der Zusatzjobber anschließend eine Stelle auf dem regulären Arbeitsmarkt.

Viele der Hilfen für arbeitslose Menschen muss die Caritas fast vollständig aus Eigenmitteln finanzieren. Die Allgemeine Soziale Beratung, die als erste Anlaufstelle bei Problemen dient, wird ausschließlich aus Spenden und Kirchensteuermitteln finanziert. Weitgehend ohne öffentliche Zuschüsse auskommen müssen Angebote, die bedürftigen Menschen materielle Hilfen zur Verfügung stellen, wie die Kleiderkammern, die Sozialläden, die Lebensmittelausgaben der sogenannten „Tafeln“, Suppenküchen und Wärmestuben. Um diese Dienste aufrecht zu erhalten, ist die Caritas auf Spenden wie die Erlöse aus der Caritassammlung angewiesen.