16. September 2005

Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung besuchte Heilpädagogisches Zentrum der Caritas in Lichtenfels


Anita Knochner, Christian Meißner, MdL und Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon im Gespräch mit Behinderten (v.l.n.r)

Erstmals zu Besuch im Heilpädagogischen Zentrum der Caritas in Lichtenfels war die seit März 2004 amtierende Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Anita Knochner. Dort besichtigte sie nicht nur das Wohnheim St. Elisabeth für geistig und mehrfach behinderte Erwachsene, sondern tauschte sich auch in einer Gesprächsrunde mit behinderten Menschen aus dem Landkreis Lichtenfels über deren Anliegen aus. Vorlegen konnte die Behindertenbeauftragte, die – was etliche Zuhörer verwunderte – ihre Aufgabe ehrenamtlich ausübt, ihren am selben Tag erschienenen Tätigkeitsbericht.

Ein Anliegen, das Bewohner des Heilpädagogischen Zentrums vorbrachten, war die Beschilderung öffentlicher Gebäude mit Piktogrammen, um denen, die nicht lesen können, die Orientierung zu erleichtern. Anita Knochner konnte berichten, dass eine entsprechende Verordnung auf dem Weg sei, schränkte aber ein, dass die Staatsregierung nur staatlichen Institutionen eine solche Kennzeichnung vorschreiben könne.

Weitere Wünsche von Behindertenvertretern betrafen passende Versammlungsräume für ihre Gruppen oder die behindertengerechte Gestaltung von Bahnsteigen. Auch der Lichtenfelser Landtagsabgeordnete Christian Meißner, der Anita Knochner begleitete, versprach, sich für diese Anliegen einzusetzen.

Zur Sprache kamen auch die Angriffe des oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten auf die Eingliederungshilfe sowie der Beschluss des Bezirkstags, dass die Ferienbetreuung behinderter Kinder in eigenen Tagesstätten inzwischen von den Eltern selbst gezahlt werden muss. Sowohl die Leiterin des Heilpädagogischen Zentrums, Maria Wiehle, als auch der für Eingliederungshilfe zuständige Abteilungsleiter beim Diözesan-Caritasverband, Josef Noppenberger, bezeichneten dies als eine Benachteiligung behinderter Kinder gegenüber den Kindern, die einen Regelkindergarten besuchen. Knochner verwies dazu auf die Forderung in ihrem Tätigkeitsbericht, alle Kindertagesstätten – auch die der Behindertenhilfe – aus einer Hand zu fördern, sei es durch die Kommune oder den Bezirk.

Maria Wiehle kritisierte ferner, dass Oberfranken für die Betreuung in der stationären Behindertenhilfe bei gleicher Klientel 5,7 Planstellen weniger ansetzt als Oberbayern. Anita Knochner pflichtete dem bei und bezeichnete es als „unzumutbar“, dass es deswegen inzwischen einen „Behindertentourismus von Oberfranken nach Oberbayern“ gebe.