14. September 2005

Diözesan-Caritasverband droht: Keine Zusatzjobs mehr ohne Beiräte!

„In jeder Stadt und jedem Landkreis muss für die sogenannten Arbeitsgemeinschaften, zu denen sich vor Ort Arbeitsagenturen und Sozialämter zusammengeschlossen haben, ein Beirat eingerichtet werden.“ Diese Forderung hat Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon am heutigen Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz in Lichtenfels erhoben. In den Beiräten müssten die Wohlfahrtsverbände in jedem Fall vertreten sein.

In Kommunen, in denen in diesem Jahr kein solcher Beirat gegründet werde oder die Wohlfahrtsverbände nicht an ihm beteiligt seien, behalte sich die Caritas vor, keine Zusatzjobs mehr anzubieten, kündigte Simon an. Die Mitwirkung der Caritas an der Arbeitsmarktreform habe keinen Sinn, „wenn die Wohlfahrtsverbände nicht wirklich mit ins Boot geholt werden.“ Er bemängelte, dass es auf dem Gebiet der Erzdiözese Bamberg bislang nur in einigen Kommunen Beiräte gebe, die die Umsetzung des „Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ (Hartz IV) begleiten.

Auch generell zeigte sich Simon nicht zufrieden mit den in Hartz IV vorgesehenen Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Caritas im Erzbistum Bamberg stelle derzeit rund 150 dieser Zusatzjobs bereit. Die Caritas tue dies, damit der gesetzliche Anspruch arbeitsloser Menschen auf mehr Förderung auch verwirklicht werde, sagte Simon. So lege die Caritas großen Wert auf die Qualifizierung der in ihren Einrichtungen beschäftigten Zusatzjobber.

Allerdings stelle die Caritas fest, dass die Zusatzjobs nur ein mangelhaftes Instrument seien, um Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen. Im Durchschnitt gelänge ganzen   5 % der Zusatzjobber die Rückkehr in den 1. Arbeitsmarkt. Zudem bleibe es de facto weitgehend den Anbietern von Zusatzjobs überlassen, ob und welche Qualifizierungsmaßnahmen sie durchführen, berichtete Simon. Etwa ein Drittel der Betroffenen brauche aber mehr Unterstützung, um eine realistische Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Ein weiteres Drittel seien Menschen, bei denen mehrere Probleme gleichzeitig vorlägen: Wohnungslose, psychisch Kranke oder Menschen mit anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Arbeitslose mit Migrationshintergrund. Daraus folgerte Simon: „Wir benötigen einen dauerhaft finanzierten zweiten Arbeitsmarkt für die Arbeitslosen, die nicht oder nur schwer vermittelbar sind.“ Insbesondere seien spezielle Beschäftigungsbetriebe notwendig für Menschen mit verminderter Leistungsfähigkeit.

Darüber hinaus forderte Simon von der Politik Maßnahmen zur Ausweitung eines Niedriglohnsektors auf dem Arbeitsmarkt. Hier bedürfe es allerdings ergänzender sozialer Leistungen. „Eine neue Regierung sollte den Mut aufbringen, ein System von Kombi-Löhnen zu schaffen“, sagte Simon.

Bei der Pressekonferenz in Lichtenfels stellte Simon das diözesane Schwerpunktthema der diesjährigen Caritas-Herbstsammlung vom 25. September bis 2. Oktober vor. Es lautet „Arbeitslose brauchen Chancen“ und greift das Jahresthema des Deutschen Caritasverbandes auf.