18. November 2005

Für ein selbstbestimmtes Leben wichtig

Veranstaltung der Caritas Forchheim befasste sich mit der Patientenverfügung

Viele Menschen machen sich Gedanken über die letzte Phase ihres Lebens: Möchte ich lieber in vertrauter Umgebung sterben, auch wenn fehlende technisch-medizinische Geräte möglicherweise das eigene Leben verkürzen, oder eher auf der Intensivstation mit der Gewissheit einer umfassenden fachlichen Betreuung, bei der jedoch unter Umständen eine totale Abhängigkeit von Geräten zur Aufrechterhaltung elementarer Lebensfunktionen besteht? Und wie ist gewährleistet, dass der eigene Wille eines menschenwürdigen und körperlich erträglichen Lebens auch in dem Fall garantiert ist, in dem man sich selbst nicht mehr äußern kann?

Zu dieser aktuellen und kontroversen Fragestellung veranstaltete der Caritasverband Forchheim in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Forchheim und der Dr.-Gerhard-Boß-Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Vorsorge Pyramide“ einen Informationsabend rund um das Thema „Christliche Patientenverfügung“. Begrüßen konnten Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Forchheim und Moderator des Abends, Harald Reinsch, Vorstandsmitglied der Sparkasse Forchheim, und Dr. Gerhard Boß rund 150 Gäste bei der sehr gut besuchten Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Sparkasse.

Dr. Rainer Scherlein, Diözesanreferent der Altenseelsorge, beleuchtete die Debatte rund um das Thema „Patientenverfügung“ zunächst aus der theologisch-ethischen Perspektive. Trotz der zunehmenden Bedeutung der Patientenverfügung seit den 70er Jahren lasse sich immer noch eine große Tabuisierung des eigenen Todes in der Gesellschaft konstatieren. Doch gerade der christliche Glaube sei durch die verantwortungsvolle Gestaltung des eigenen Lebens geprägt. Dazu gehöre auch die bewusste Gestaltung der letzten Lebensphase, um ein erfülltes Leben zu verwirklichen. „ Dies ist nur dann gegeben, wenn wir das Leben als eine runde Sache mit einem Anfang und einem Ende betrachten. Und dazu gehört sowohl das Leben als auch der Tod, die Freude wie der Schmerz, das Lachen wie auch das Weinen“ so Rainer Scherlein. „Die Annahme der menschlichen Sterblichkeit ist zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens und dieser gibt uns den Mut und die Freiheit, eine angemessene Vorsorge zu treffen,“ fügte er an und verwies auf die deutliche Ablehnung der aktiven Sterbehilfe aus christlicher Sichtweise.

Wie ungemein wichtig es ist für ein selbstbestimmtes Leben, den eigenen Wunsch hinsichtlich der letzten Lebensphase zu äußern, konnte Dr. Gerhard Gradel, Allgemeinarzt mit Schwerpunkt Altenheim und Hospiztätigkeit, nur bestätigen: „Nur wenn klar ist, wie der Wunsch des Patienten lautet, können dies die behandelnden Ärzte berücksichtigen. So wird die Zwangssituation vermieden, dass die Ärzte auf jeden Fall lebensrettende Maßnahmen ergreifen.“ Auf die quälende Frage vieler, ob sich die Ärzte und das Pflegepersonal an die Patientenverfügung halten, berichtete Gradel von einem Umdenken hin zu einer zunehmenden Akzeptanz der Patientenverfügung. „Zentral für die zukünftige Behandlungsweise der Ärzte ist ein ganzheitliches Bild über die Lebensvorstellung und Wertpräferenzen eines Patienten.“ unterstrich der Fachmann. Eine passive und indirekte Sterbehilfe unterstützt Gradel, wenn einerseits klar ist, wie der Wille des Patienten lautet, und wenn andererseits sichergestellt ist, ob der Patient über mögliche Risiken - beispielsweise in der Palliativmedizin - aufgeklärt wurde. Wegen Unvereinbarkeit mit der Menschenwürde und christlichem Gedankengut lehnt er eine aktive Sterbehilfe rigoros ab.

Einen massiven Druck auf alte und kranke Menschen befürchtet Gradel in Zukunft aufgrund demografischer Aspekte und den damit verbundenen exorbitanten Kosten im Gesundheitswesen: die Gefahr also des – ironisch ausgedrückt - „sozialverträglichen Frühableben“.

Philipp Meyer-Rutz, Richter am Vormundschaftsgericht Bamberg, referierte über juristische Aspekte der Patientenverfügung und sprach die damit zusammenhängenden Grauzonen an. Zentral für die rechtliche Gültigkeit sei die Einwilligungsfähigkeit der Person. „Zwar beziehen sich die meisten Verfügungen auf Situationen am Lebensende, doch können solche generell für Situationen in jeder Lebenslage verfasst werden“ erläuterte Meyer-Rutz. Ebenso hielt der Jurist fest, dass eine Patientenverfügung jegliche Äußerungen beinhalten könne. Zum Beispiel auch eine, die das unbedingte Heranziehen aller lebensverlängernden Maßnahmen verlange. Grundsätzlich gelte, dass die Patientenverfügung durch mehrere Gerichtsinstanzen anerkannt sei und alle Formen - schriftlich oder mündlich, beziehungsweise frei formuliert oder standardisiert- gültig seien. Zuletzt verwies er auf die Bedeutung einer Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit, Fragen an die drei Spezialisten zu stellen, und im anschließenden gemütlichen Beisammensein konnten individuelle Anliegen im direkten Gespräch geklärt werden.

Hinweis: Am 23. November endet die Veranstaltungsreihe „Die Vorsorge Pyramide“ um 19.00 Uhr mit der letzten Veranstaltung zum Thema „Seelenverfügung“ im Klostersaal Forchheim in der Klosterstraße 10.

Anmeldung über den Caritasverband Forchheim ist erforderlich.