14. November 2005

Eine innovative Beratungsstelle feierte Jubiläum

Seit 40 Jahren leistet die Caritas Erziehungsberatung in Stadt und Landkreis Bamberg


Festredner Dr. Peter Dillig am Pult, in der ersten Reihe als Zuhörer (von links) stellvertretende Landrat Georg Bogensperger und Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon

1965 – vor 40 Jahren – wurde in Bamberg die heutige Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern gegründet. Damals hieß sie noch Erziehungsberatungsstelle. Das Jubiläum wurde vergangenen Freitag mit einer kleinen Feierstunde im Caritas-Beratungshaus Geyerswörth begangen.

Als innovativ würdigte in seiner Festrede Dr. Peter Dillig vom Beirat der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Bayern die Bamberger Beratungsstelle. Als eine der ersten Erziehungsberatungsstellen habe sie sich um Prävention gekümmert und erstmals 1980 Elternseminare angeboten. Ebenso sei sie ein Vorreiter bei familientherapeutischen Angeboten und bei Kursen und Gruppen für Kinder und Jugendliche. So bietet die Beratungsstelle derzeit Gruppen zur Stärkung des Selbstvertrauens für schüchterne Vorschul- und Grundschulkinder an, Trainings in sozialer Kompetenz für Schulkinder, eine Gruppe für Trennungs- und Scheidungskinder im Alter von 7 bis 12 Jahren, eine Gruppe „Jugendliche und Gewalt“, in der 12- bis 14-jährige Jungen und Mädchen gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien einüben, und ein Konzentrationstraining für Schüler der 1. und 2. Klasse. Dillig hob auch hervor, dass die Caritas-Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Bamberg als eine der wenigen in Deutschland mit einem Qualitätssiegel zertifiziert ist.

Dillig sprach die Hoffnung aus, dass die Erziehungsberatung – heute Pflichtangebot der Kommunen – für die Ratsuchenden kostenfrei bleibt. Nur so könnten auch weniger gut situierte Eltern das Angebot in Anspruch nehmen. Mindestens ein Drittel der Klienten komme aus der unteren Mittelschicht oder dem Arbeitermilieu. Kostendruck habe mancherorts bereits zur Reduzierung des Personals geführt. Dies sei „kein Signal für eine kinderfreundliche Gesellschaft,“ kritisierte Dillig. TV-Sendungen wie „Supernanny“ brächten jedenfalls keinen Ausweg aus familiären Schwierigkeiten; Lösungen ließen sich nur im geduldigen Gespräch finden, das auch von Respekt für die Ratsuchenden getragen sei.

Unter Bezug auf den Martinstag sagte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon, dass echtes Teilen – im Gegensatz zu Almosengeben – schwer falle. Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern sei hierin vorbildlich: „Die Mitarbeiter der Caritas nehmen Anteil an den Nöten der Betroffenen und geben Anteil an ihrem Wissen und ihrer Erfahrung.“ Die Wohlfahrtsverbände könnten aber die grundlegenden Probleme nicht lösen. Dazu brauche die Gesellschaft einen „Ruck zum wirklichen Teilen“.

Grußworte sprachen der stellvertretende Landrat Georg Bogensperger für den Landkreis Bamberg, aus dem mehr als die Hälfte der Klienten kommt, Bürgermeister Werner Hipelius für die Stadt Bamberg, Oberregierungsrat Peter Meyer für die Regierung von Oberfranken und Schulamtsdirektorin Gisela Bauernschmitt für die Kooperationspartner der Beratungsstelle. Sie charakterisierte deren Arbeit mit Hilfe von Hits aus dem Gründungsjahr: mit dem Song „Help“ der Beatles und der Zeile „einen gibt es, der zu dir hält“ aus Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht.“