8. November 2005

Hausgemeinschaft im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef hat Zukunftscharakter

Bedeutet das Leben in einem Seniorenheim immer gleich ein Wohnen in anonymen kleinen Zimmern mit fremden Möbeln, das tägliche Essen in großen anonymen Speisesälen und Vereinsamung in Fernsehräumen? Die Bamberger Landtagsabgeordnete Melanie Huml, CSU, hat das Caritas-Seniorenzentrum St. Josef in Gaustadt im Rahmen des Tages der offenen Tür in Sozialeinrichtungen besucht und dort, wie auch in anderen Einrichtungen Bambergs, vergeblich nach diesen alten Klischees gesucht.

Das Leben im Caritas-Seniorenzentrum St. Josef hat sich grundlegend verändert: Im März 2005 hat der Träger der Einrichtung, der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, mit dem Neubau neben dem bisherigen Altenheim die Möglichkeit geschaffen, ein neues Wohnkonzept für ältere Menschen zu realisieren: die Hausgemeinschaft. Damit ist es dem Träger gelungen, das vielfältige und gute Angebot in der Region Bamberg für ältere Menschen zu erweitern. In der Hausgemeinschaft leben 10 Heimbewohner in einer Art großen Wohnung zusammen, jeder hat natürlich sein eigenes Zimmer mit eigenen Möbeln und einem eigenen Bad. Herzstück dieser Wohnung ist der gemeinsame Wohnbereich, in dem es eine Küche gibt und in der kann jeder mitkochen.

Else W. (89J.) würde gerne beim Kochen mithelfen, aber sie schafft das nicht mehr: Else W. ist schwerkrank - Pflegestufe III. Zum Glück ist der Wohnbereich so groß, dass dort ihr Bett reinpasst und so kann Else W. wenigstens dabei sein, wenn alle das Essen vorbereiten und dabei miteinander reden. „Es ist wirklich großartig, wie ältere Menschen hier in St. Josef miteinander leben“, sagt Melanie Huml und zeigt sich auch begeistert darüber, dass es in dem Gaustadter Seniorenheim eine solche Hausgemeinschaft auch für Demenzkranke gibt. Dadurch könnten auch sie noch ein relativ normales Leben leben – so wie sie es noch vor ihrer Krankheit getan haben.

Betreut werden die Hausbewohner von den Assisi-Schwestern von Maria Immaculata (Orden des hl. Franziskus) aus Cerala/Indien. Heimleiterin Schwester Telma berichtet, dass das Pflegepersonal der Hausgemeinschaften einen speziellen Vorbereitungskurs besucht hat. Denn dieses unterstütze die Senioren in allen Bereichen der Alltagsbewältigung, das bedeute eben nicht nur ihre Pflege, sondern auch Hilfe in der Küche oder beim Wäschewaschen.

Die von Sozialministerin Christa Stewens initiierte Aktion „Seitenwechsel“ (wie der FT bereits berichtete) sollte vor allem Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden einen Einblick in die Praxis der sozialen Arbeit geben. Man könne nicht genug tun, um das Engagement sozialer Einrichtungen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, betont Melanie Huml und hofft, „dass Konzepte, wie es das Caritas-Seniorenzentrum St. Josef in Gaustadt verwirklicht hat, zukunftsweisend werden.“ Wobei es aber auch wichtig sei, Senioren verschiedene Lebensformen im Alter anzubieten.