3. Mai 2005

Caritasverband Nürnberg feierte sein 100-jähriges Bestehen "Caritas ist Wesensbestandteil des Christseins"


Erzbischof Ludwig Schick leitete die Eucharistiefeier in der Frauenkirche. In der Predigt rief er die Pfarreien zu einem verstärkten caritativen Engagement auf. Unter den Konzelebranten waren Weihbischof Werner Radspieler (links am Altar) und Landescaritasdirektor Karl-Heinz Zerrle.


Schwester Felicia von der Caritas-Einrichtung „Domus Misericordiae“ für wohnungslose Männer und  Klaus Weckwerth, Leiter des Betreuten Wohnens für psychisch kranke Menschen, trugen im Gottesdienst Fürbitten vor.


Die Caritas wolle sich als kritischer Partner in  Politik und Gesellschaft einbringen, bekräftigte Festredner Prof. Dr. Georg Cremer.


Ein Geburtstagslied trugen Mädchen und Jungen aus dem Kindergarten im Kinder- und Jugendhaus Stapf beim Festakt im Caritas-Pirckheimer-Haus vor. Links im Bild Fernsehredakteurin Elke Pilkenroth, die das Festprogramm moderierte.


Unter den Festgästen waren neben Caritasdirektor Roland Werber (rechts) Erzbischof Prof. Ludwig Schick, Oberbürgermeister Ulrich Maly und Bayerns Sozialministerin Christa Stewens.


Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes  begeisterten mit einem Rap auf die Caritas.


Die „Schwestern der Mutter Gottes vom Berg Carmel“, die in der stationären Altenhilfe des Caritasverbandes arbeiten,  führten einen Tanz aus ihrer indischen Heimat auf und erhielten dafür viel Applaus.

Alle Fotos: Sauerbeck

„Wir haben allen Grund Dank zu sagen für so viel Gutes, das in den letzten 100 Jahren durch den Caritasverband hier geschehen ist",  lobte Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick das Wirken der Nürnberger Caritas. Gottes Geist sei am Werk,in denen, die den Kindern, Behinderten, Kranken und Alten, den Armen und Gestrauchelten die Liebe Christi gezeigt haben".

Im Festgottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des Caritasverbandes Nürnberg in der Frauenkirche erinnerte der Erzbischof daran, dass Caritas als praktizierte Nächstenliebe ein Wesensbestandteil des Christ-Seins sei. Nicht erst seit hundert Jahren habe es in der Stadt Caritas gegeben. Doch die Gründung der verbandlichen Caritas durch den damaligen Nürnberger Stadtpfarrer und späteren Bamberger Erzbischof Jacobus von Hauck im Jahre 1905 sei erfolgt, ,,um sich besser, umfassender und kompetenter für alle Notleidenden und Bedürftigen einsetzen zu können.”

Die Nächstenliebe sei gegenüber Gebet und Verkündigung nicht zweitrangig, vielmehr könne die Kirche ohne die Caritas gar nicht sein. Allerdings müssten Verkündigung, Gottesdienst und der Dienst am Nächsten in Zukunft noch besser vernetzt werden. ,,Wir leben in der Kirche oft nebeneinander her." Der Erzbischof forderte die Pfarreien daher auf, ihr caritatives Engagement zu verstärken, damit ,,Caritas lebendig bleibt zum Wohl und Heil der Menschen".

Als konstruktiver, aber auch als kritischer Partner wolle sich die Caritas in die Politik und Gesellschaft einbringen, unterstrich Prof. Dr. Georg Cremer, der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, in seiner Festrede im Caritas-Pirckheimer-Haus. In der Nachfolge Jesu brauche die Caritas den Konflikt nicht zu scheuen.

“Lassen sie uns den Dialog - gelegentlich auch den Streit - darüber führen, wie wir auch unter heutigen wirtschaftlichen, politischen und demografischen Rahmenbedingungen ein gutes Niveau sozialer Sicherung für alle aufrechterhalten können und gleichzeitig Menschen - wo immer möglich - zu einem selbständigen Leben befähigen, um das System nicht zu überlasten."

Die verbandliche Caritas sei bereit, ,,neue Wege mitzugehen", bekräftigte Cremer. Nur wenn Wohlfahrtsverbände nicht nur Forderungen sondern auch Lösungen in die politische Debatte einbrächten, hätten sie heute in ihrem politischen Lobbying für sozialstaatliche Sicherung eine Chance.

Daher habe sich der Deutsche Caritasverband zu den Sozialreformen und zu Hartz IV in differenzierter Weise zu Wort gemeldet. Die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe habe durchaus einer alten Forderung der verbandlichen Caritas entsprochen. Einen großen Nachbesserungsbedarf sieht der Vordenker der deutschen Caritas jedoch bei den Anreizen für eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Die Bereitstellung und Schaffung von Zusatzjobs durch die verbandliche Caritas sei ein Versuch, Geringqualifizierte und Menschen mit Vermittlungshemmnissen zu fördern, und sollte nicht als “Ausbeutungsversuch” gebrandmarkt werden.

Cremer forderte ,,einen Sachverständigenrat zum Sozialen in Deutschland". Ein solcher Sozialrat sollte politische Maßnahmen darauf hin beurteilen, ob sie die gesellschaftliche Teilhabe benachteiligter Bevölkerungsgruppen förderten. Seine kritische Bemerkung, ,,wir leisten uns den Luxus, etwa zehn Prozent eines Jahrgangs aus dem Schulsystem zu entlassen, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben", quittierte das Plenum mit spontanem Beifall.

Scharf kritisierte Cremer das so genannte Kommunalentlastungsgesetz, das vom Bundesrat “mit Mehrheit der unionsregierten Länder” beschlossen worden war. Ein Gesetz, das soziale Leistungen unter einen nicht weiter spezifizierten Haushaltsvorbehalt der Kommunen stelle, ,,würde zu einem sozialen System führen, in dem soziale Leistungen nicht mehr verlässlich sind". Kritik übte er ebenso an Bestrebungen, die Festsetzung der Sozialhilfe der Zuständigkeit der Bundesländer zu überlassen. Dies könnte zu armutsbedingten Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands führen.

Man müsse in der Debatte um das Kommunalentlastungsgesetz sehr wohl die Finanzkraft der Kostenträger berücksichtigen, erwiderte Bayerns Sozialministerin Christa Stewens in ihrem Grußwort und hielt fest, dass es nicht darum gehe, Rechtsansprüche auf Hilfen zu beschneiden. Dem Caritasverband Nürnberg gratulierte sie mit den Worten: “Sie leisten einen unverzichtbaren Dienst zum Wohl der Menschen, die auf die Hilfe und Solidarität der Gesellschaft in besonderem Maße angewiesen sind".

Das Soziale dürfe nie unter Haushaltsvorbehalt gestellt werden, pflichtete Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly dem Festredner bei. Nicht nur Kirche und Caritas, sondern auch Caritasverband und Stadt Nürnberg gehörten zusammen, knüpfte er an die Predigt des Erzbischofs an und erinnerte an die Anfänge der organisierten Caritasarbeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wie damals gehe es heute darum, die Würde des Menschen zu bewahren und zu schützen.

Weihbischof Werner Radspieler, der Erste Vorsitzende des Diözesancaritasverbandes, wünschte dem Geburtstagskind den ,,prophetischen Heiligen Geist". Mit dieser Geistesgabe könne Caritas ein unbequemer Mahner sein, Missstände beim Namen nennen und neue Wege aufzeigen.

Caritasdirektor Roland Werber und Erster Vorsitzender Theo Kellerer dankten allen, die den Verband tragen und fördern. Wie engagiert und kreativ die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes Nürnberg sind, wurde im von Fernsehredakteurin Elke Pilkenroth moderierten Festprogramm, in einem Film über die Caritas Arbeit, einer Foto-Ausstellung und einer Jubiläumszeitung sichtbar.