18. März 2005

90 Minuten Fußmarsch, um lernen zu dürfen

Caritas-Fachakademie spendet für „Kinderhilfe Afghanistan“


Aus vielen kleinen Aktionen wird der Grundstock für eine Schulbibliothek finanziert – Spendenübergabe an Dr. Reinhard Erös, Leiter der Kinderhilfe Afghanistan und einen Schulleiter aus Afghanistan durch Ernst Stöcklein, Dr. Ulrike Roppelt und Schülervertreterin Nadja Rebhan


Studierende der Fachakademie
Fotos: Martina Schnepf

„Bildung ist die stärkste Waffe, mit der wir die Welt verändern können“,  sind die Studierenden der Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik überzeugt. Seit einem Jahr setzen sie sich überaus engagiert für die „Kinderhilfe Afghanistan“ ein. Dr. Reinhard Erös, der diese Organisation 1998 gegründet hat, freute sich bei seinem erneuten Besuch in Bamberg über die aus zahlreichen kreativen Einzelaktionen gewonnene Spende in Höhe von rund 2000 Euro. Mit dieser Summe können für die Schulbibliothek der kürzlich eröffneten Bibi Hawa Schule in Jalalabad für 4.500 Mädchen rund 500 Lehrbücher angeschafft werden.

In der voll besetzten Aula erläuterte stellvertretender Schulleiter Ernst Stöcklein die einfallsreichen Projekte, mit denen die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sich während des ganzen Jahres für eine gute Zukunft der Kinder in Afghanistan engagierten, indem sie z.B. mehrere Patenschaften für Schulen übernahmen. So wurden u.a. Erlöse aus dem gelungenen Musical „Heul doch“ ebenso wie Honorare für Solo-Gesangsdarbietungen einzelner Studentinnen gespendet.

Wie die Hilfe aus Deutschland die positive Entwicklung Afghanistans nicht nur in humanitärer Beziehung sondern auch aus politischer Sicht positiv beeinflusst, schilderte Dr. Erös eindrucksvoll. Wegen des geringen Einkommens im Land betrage der Wert der ausschließlich pragmatisch verwendeten Spendengelder das 40- bis 50fache. So kann das Projekt „Kinderhilfe Afghanistan“ die Ostprovinzen des Landes und Flüchtlingslager in Pakistan mit Basisgesundheitsstationen, Mutter-Kind-Kliniken und Friedensschulen versorgen, Milch an Kleinkinder verteilen und Waisenkinder betreuen. Im Mittelpunkt stehe die „Hilfe zur Selbsthilfe“ für die Land- und Kleinstadtbevölkerung, betonte der Arzt. Deutschland sei maßgeblich am Aufbau eines friedlichen und glücklichen Afghanistan beteiligt und fördere die Entwicklung interkultureller Kompetenz. Dieses Ziel werde in den seit 1998 nach und nach eröffneten mittlerweile 13 Schulen für insgesamt 40.000 Kinder in Peschawar, Nangahar, Jalalabad und Tora Bora konsequent verfolgt und auch in Dorfschulen angestrebt.

Anschaulich führte der 2001 zum „Bayern des Jahres“ ernannte Referent aus, wie seine Organisation Familien Unterstützung gewähren  und durch Bildungsarbeit auch dazu beitragen könne, fundamentalistischen Strömungen entgegenzuwirken und Vorurteile abzubauen. „Die Arbeit ist zwar in den 18 Jahren etwas einfacher geworden, dennoch ist jeder neue Schulbau ein Experiment“, erklärte er. Vor kurzem habe man den Grundstein für eine weitere Schule in den Bergen legen können. Die Kinder würden nicht selten einen 90minütigen beschwerlichen Fußweg in Kauf nehmen, um lernen zu können.

Dr. Ulrike Roppelt hatte das Projekt an der Fachakademie initiiert und in den vergangenen zwölf Monaten dafür gesorgt, dass der Einsatz für Afghanistan statt einer „Eintagsfliege“ eine lebendige Aktion geworden ist, mit der sich die jungen Frauen und Männer stark identifizieren. „Ein positives Beispiel für vorurteilsfreie interkulturelle Zusammenarbeit“, wie Dr. Erös bei seinem Dank betonte.  

Spendenkonto: „Kinderhilfe Afghanistan“, Liga Bank Regensburg, BLZ 750 903 00, Kto. 132 5000. Mehr Information: www.kinderhilfe-afghanistan.de

Renate Steinhorst

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