18. März 2005

Damit der Start in ein straffreies Leben gelingt

Beratungsdienste von Caritas und SkF helfen Inhaftierten und Haftentlassenen

Als Hans Meyer nach anderthalb Jahren aus der Haft entlassen wurde, wusste er nicht wohin. Seine Freundin wollte ihn nicht mehr in die Wohnung lassen. Kurzfristig kam der 42-jährige bei einem Bekannten unter, aber dort konnte er sich nicht polizeilich melden. Inzwischen bewohnt Meyer ein möbliertes Zimmer. Er sucht einen Job in der Gastronomie und hat sich auch bei einer Zeitarbeitsfirma vorgestellt. Dabei geholfen hat ihm die Caritas-Beratung für Strafentlassene.

Viele Strafgefangene sehen sich nach ihrer Entlassung aus der Haftanstalt mit einem Knäuel von Problemen konfrontiert: Schulden, keine Wohnung, keine Arbeitsstelle, Drogensucht. Aus diesem Teufelskreis können sie aus eigener Kraft kaum ausbrechen und werden dann erneut straffällig. Die Sozialpädagogen von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) bieten daher ganz konkrete Hilfen an: Sie klären z. B. ab, wo ein Haftentlassener eine Unterkunft finden kann. Das ist ganz wichtig, denn ohne festen Wohnsitz kann er sich nicht arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen.

Die Beraterinnen und Berater begleiten Haftentlassene bei Behördengängen. Sie sprechen mit Ihnen über Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und in der beruflichen Fort- und Weiterbildung.

Ein großer Vorteil ist, dass die Beratungsdienste für Strafentlassene bei Caritas und SkF in ein dichtes Netzwerk eingebunden sind. Die Berater können Ihre Klienten an andere Spezialberatungen – etwa für Schuldner oder für Suchtkranke – vermitteln. Sie können ihnen kostenlose Hilfsangebote zugänglich machen – etwa die warme Mahlzeit in der Wärmestube oder gebrauchte Bekleidung aus der Kleiderkammer der Caritas. Für jemanden, der frisch aus dem Gefängnis kommt, ist dies mitunter eine lebensnotwendige Unterstützung. Haben viele doch nur wenig Geld in der Tasche, sei es aus der Zeit vor der Haft, sei es durch die Arbeit in der Haftanstalt. Zur Not können auch finanzielle Überbrückungshilfen gewährt werden, etwa zum Kauf von Fahrscheinen oder Telefonkarten.

Die Caritas-Beratungsdienste kümmern sich aber nicht nur um Strafentlassene, sondern ebenso um Inhaftierte und deren Familienangehörige. Auch bei Ihnen steht die Sorge um Wohnung, Arbeitsplatz oder Lebensunterhalt oft im Mittelpunkt. Kann die Wohnung trotz der Haft gehalten werden? Lässt sich schon vor der Haftentlassung eine neue finden? Kündigt der bisherige Arbeitgeber den Job?

Darüber hinaus kann es notwendig werden, dass der Berater mit dem Häftling die Straftat und den bisherigen Lebensweg aufarbeitet. Persönliche Probleme treten in den Vordergrund und machen auch eine Beratung der Angehörigen notwendig.

Da ist z. B. Christoph Klein. Der 37-jährige Selbstständige sitzt seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft wegen des Vorwurfs gemeinschaftlichen Drogenhandels. Zu seinem sechsjährigen Sohn hat Christoph Klein eine enge Beziehung. Der Richter genehmigt, dass er über den Caritas-Berater alle 14 Tage mit seinem Sohn telefonieren darf. Klein will dem Kind aber nicht die Wahrheit sagen, dass er im Gefängnis ist, und erfindet ständig neue Ausreden, warum er nicht nach Hause kommt. Mit der Zeit wird der Sohn misstrauisch. Er beginnt, die Sachen der Mutter zu durchsuchen, befürchtet, der Vater hätte eine Freundin. Gleichzeitig setzt Klein seine Frau unter Druck, auch gegenüber Nachbarschaft und Geschäftskunden die Fassade wohlanständiger Bürgerlichkeit aufrechtzuerhalten. Die Frau soll den Betrieb – einen Antiquitätenhandel – weiter führen, als sei nichts gewesen. Hier steht der Berater vor der Aufgabe, sowohl dem Untersuchungshäftling als auch seiner Frau klar zu machen, dass das Versteckspiel dem Kind letztlich seelischen Schaden zufügt.

Innerhalb der Erzdiözese Bamberg gibt es Caritas-Beratungsdienste für Inhaftierte, Strafentlassene und ihre Familienangehörigen in Bamberg, Erlangen, Hof, Kronach, Kulmbach und Nürnberg. Darüber hinaus sind in allen Justizvollzugsanstalten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gefängnisseelsorge tätig.

Weitere Auskünfte erteilt Elisabeth Nüßlein, Referentin für Straffälligenhilfe beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, Obere Königstr. 4b, 96052 Bamberg, Telefon 0951/8604-524, Fax 0951/8604-33524, E-Mail: elisabeth.nuesslein@caritas-bamberg.de.

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