11. März 2005

Volles Haus für Musical-Eigenproduktion

Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik präsentierte „Heul doch“



Das hätten die Studierenden der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik nicht zu hoffen gewagt, als sie im Rahmen der Schultheatertage das Musical „Heul doch“ präsentierten: Ein bis auf den letzten Platz besetztes großes Haus im E.T.A.-Hoffmann Theater! Schulleiter Jürgen Melber gratulierte und gab seiner Freude über die überwältigende Resonanz Ausdruck.

Noch wenige Tage zuvor hatte sich die Schauspielgruppe angesichts der bis dato nur 50 verkauften Karten tapfer auf Anerkennungsapplaus von Müttern, Omas und Tanten gefasst gemacht. Am Sonntag aber honorierte das betroffen-begeisterte Publikum aller Altersgruppen mit anhaltendem Beifall die ganz besondere Leistung der vorwiegend jungen Frauen. Eine Stunde lang hatten sie die Zuschauer mit dem Thema „Gewalt an der Schule“ in ihren Bann gezogen.

Schultheater setzt bekanntlich ein hohes Maß an Engagement und Kreativität voraus. Im Fall der Bamberger Fachakademie kommt jedoch etwas Entscheidendes hinzu: Es handelt sich um eine Eigenproduktion, entworfen und komplett umgesetzt von 21 Studierenden zusammen mit ihren Lehrkräften Tobias Wenkemann, Jutta Hamprecht-Göppner und Horst Engelhardt. Das Thema hätte nicht glaubwürdiger vermittelt, die Rollen nicht authentischer besetzt, die Musik nicht mitreißender gespielt und gesungen werden können als es hier geschehen ist. Jeder Zuschauer – ob Jugendlicher, Lehrer oder Elternteil konnte sich wieder finden in der fiktiven Geschichte, die sich so oder so ähnlich überall abspielen könnte.

Die Botschaft „Einer muss den Anfang machen“ kam überzeugend an, was sicher auch daran lag, dass das Stück nicht mit moralischem Zeigefinger verurteilt sondern vielmehr zum Nachdenken anregt und zu Zivilcourage ermutigt. Der mit einfachsten Mitteln umgesetzten, gelungenen Inszenierung wäre ein ganz großes Publikum zu wünschen – vor allem jene im Stück u.a. geschilderte schweigende Mehrheit, die sich gerne von Big Brother und anspruchslosen soaps berieseln lässt.

Renate Steinhorst

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