29. Juli 2005

Armut hat viele Gesichter

Gemeinsamer Aktionstag der beiden Wohlfahrtsverbände Diakonisches Werk und Caritasverband Fürth im City-Center

Die vielen Gesichter der Armut waren das Thema des gemeinsamen Aktionstages im City-Center. Eine Ausstellung verdeutlichte die Situation von einzelnen Betroffenen und die positive Wirkung der Angebote beider Wohlfahrtsverbände. Nicht die Darstellung von Zahlenmaterial stand am Aktionstag im Mittelpunkt. Das Diakonische Werk und der Caritasverband wollten einen anderen Aspekt beleuchten. Wie fühlt sich Armut an? Was bewirkt sie bei den Menschen? Was fehlt ihnen eigentlich? Auf vielfältige Weise – u. a. auch auf humorvollem Weg - versuchten MitarbeiterInnen der beiden Verbände mit Menschen in Berührung zu kommen und Barrieren abzubauen. Inhalte der Aktionen waren die Situation von Senioren, Familien, allein Erziehenden, Menschen mit Schulden, und Arbeitslose.

Bei der ersten Aktion aus dem Bereich „Arm im Alter“ war die Problematik der Grundsicherung Thema. Das Publikum war angehalten, sich mit bescheidenen Mitteln in Höhe von 661 Euro den Warenkorb eines durchschnittlichen Monats zu füllen. Der Aha-Effekt war deutlich spürbar. KeineR, der sich auf die Aktion eingelassen hatte, kam mit dem Budget zurecht – auch diejenigen, die sich bewusst sparsam halten wollten. Beate Meyer – Mitarbeiterin der Diakonie resümierte: „KeineR der durchweg jüngeren Teilnehmer wollte sich z. B. damit auseinandersetzen, dass auch ausschließlich altersbedingt Anschaffungen notwendig werden – zum Beispiel die Creme für die trocken werdende Haut. Einmal, weil es Tabus gibt - zum anderen, weil man als junger Mensch die Situation, die Gewohnheiten und Bedürfnisse des älteren nur schwer beurteilen kann.“

Eine weitere Aktion war „Wie würden Sie entscheiden – Wer ist arm?“ Per Abstimmung mit Tennisball konnten sich die BesucherInnen entscheiden, ob dargestellte Personen wirklich arm sind. Der Bereich Arbeitslosigkeit widmete seinen Beitrag „Kaufen Sie sich reich“ der Frage, was Arbeit für den einzelnen bedeutet. Die vielfältigsten Wirkungen waren dabei in Form von Fruchtgummis im Verkaufsangebot. Die Frage  „Was braucht ein Kind?“ stellte eine 4. Gruppe an die BesucherInnen des City-Centers und zielte dabei ebenfalls auf die immateriellen Werte ab.

Während des Aktionstages nutzten auch viele Besucher die begleitende Ausstellung mit 4 Schautafeln, um sich über das Thema zu informieren. Dort konnte man sich anhand von 4 Lebenssituationen ein Bild verschaffen, wie Armut entsteht, wie sie sich auswirkt und was Caritas und Diakonie in ihrer Arbeit mit Menschen erreichen können. Die Überschriften lauteten: "Arm im Alter", "Mit Schulden", "Ohne Arbeit", "Allein erziehend".

Zum Abschluss des Tages feierten die beiden Dekane Georg Dittrich und Michael Höchstätter mit den anwesenden Besuchen einen Gottesdienst unter dem Motto „Einer trage des anderen Last“ und warben damit für mehr Solidarität in der Gesellschaft. Der Gospelchor „Moving voices“ sorgte für eine schwungvolle musikalische Begleitung. Sie übergaben dabei von Diakonie und Caritas gesammelte Wünsche und Kritik an den Sozialreferenten der Stadt Fürth, Dr. Karl Scharinger. Dieser versprach die Anregungen in einer Sozialhilfeausschusssitzung zur Vorlage zu bringen.

Weitere prominente BesucherInnen am Aktionstag waren der 2. Bürgermeister Hartmut Träger und VertreterInnen der Stadt, der Fraktionen und der Verbände.

Heidi Klampfer und Friederike Süß (CV Fürth)