28. Juli 2005

Leben und arbeiten in der neuen Heimat: Private Stiftung förderte Integrationsprojekt beim Jugendmigrationsdienst der Caritas


Von der Schule zum Beruf: Junge Migrantinnen machten sich in einem mehrmonatigen Trainingskurs der Caritas fit für ihre Zukunft in Deutschland.
Foto: Jugendmigrationsdienst

Es ist eine kritische Situation: junge Migranten verlieren durch die Ausreise mit einem Schlag alle bisherigen Sicherheiten und sollen sich doch in der neuen Gesellschaft möglichst schnell zurechtfinden. Da sind Hilfen gefragt. Eine Unterstützung gab das Training „Fit für die Zukunft“. Der Jugendmigrationsdienst des Caritasverbandes Nürnberg bot die Maßnahme an, die private Nürnberger „Miteinander-Stiftung“ förderte das Projekt finanziell.

Der Jugendmigrationsdienst betreut und begleitet junge Migranten mit dem Ziel der schulischen, beruflichen und sozialen Integration. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist eine entscheidende Kompetenz, um sich in der neuen Heimat zu etablieren. Doch für eine erfolgreiche Integration braucht es ein ganzes Bündel von Schlüsselqualifikationen, meint Sozialpädagoge Michael Russ, der die Fachstelle in der Kollwitzstraße leitet. So müssten die jungen Leute „eine Balance finden zwischen mitgebrachter Kultur und Sozialisation und den hier geforderten Kulturtechniken, um die biographischen Brüche zu bewältigen“.

Schlüsselqualifikationen

Solche Fertigkeiten wollte der fünfmonatige Kurs „Fit für die Zukunft“ vermitteln. Acht junge Spätaussiedlerinnen im Alter von 14 bis 19 Jahren nahmen teil. „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass Bildungsangebote jeder Art von jungen Frauen spontaner angenommen werden als von männlichen Jugendlichen“, berichtet Russ.

Körpersprache und Kommunikation, Selbstsicherheit, „meine Zukunft in Deutschland“ lauteten einige Themenbereiche, die ausführlich behandelt wurden. Auch landeskundliche Aspekte spielten eine große Rolle. Referentin war eine „Kulturpädagogin“ mit Migrationshintergrund (Polen), die sich in die Situation der Schülerinnen gut einfühlen konnte.

Die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Kursteilnehmerinnen verbesserten sich, zieht Sozialpädagoge Russ eine positive Bilanz. Auch in punkto Selbstsicherheit habe die Maßnahme den Schülerinnen etwas gebracht: „hier sind die Veränderungen sichtbar“. Insgesamt hätten die Heranwachsenden „klarere Vorstellungen über ihre berufliche und private Zukunft“ gewonnen.

Mit den jungen Frauen erarbeitet der Jugendmigrationsdienst noch einen individuellen Integrationsförderplan. Damit will Russ erreichen, dass die Migrantinnen die erworbenen Kompetenzen in ihrem Alltag umsetzen und reflektieren können.

Die Gruppe habe selbst „schwierige“ Mädchen mit ihren Problemen auffangen können, erzählt Russ. So lernt etwa Irina (Name von der Redaktion geändert), deren Eltern Alkoholiker sind und die mit einem überzogenen Kleidungsstil auf sich aufmerksam macht, auf ihren Körper zu achten und Signale ihrer Umgebung wahrzunehmen. Bei Ludmilla (Name ebenfalls geändert) diente der Kurs dazu, wieder einen Zugang zu dem Mädchen zu eröffnen, das sich nach der Ankunft in Deutschland immer mehr abkapselte und auf Ansprache von außen aggressiv reagierte.

Für den Herbst plant der Jugendmigrationsdienst in Kooperation mit Hauptschulen ein weiteres Training. Zielgruppe sind dann junge Zuwanderer, die die achte und neunte Klasse besuchen.

Für die 2003 von einer Nürnberger Bürgerin gegründete und mit einem Grundstock über 240.000 Euro ausgestattete „Miteinander-Stiftung“ war es das erste Förderprojekt. 4000 Euro stellte sie für die Integrationsmaßnahme zur Verfügung.

Mit einem Flyer informiert die neue Stiftung über ihre Zielsetzung. Der Name „Miteinander“ soll Programm sein. „Reich mir deine Hand und du wirst leben - in den Köpfen der Menschen muss sich etwas bewegen! - Große Taten brauchen keine Namen, große Taten entstehen in den Herzen der Menschen!“ schreibt die Stifterin, die anonym bleiben will. Wenn die öffentliche Hand in Zeiten leerer Kassen nicht mehr helfen könne, wolle die Stiftung Not lindern.

„Für ein Miteinander“

„Um das Leben in dieser Stadt für alle menschenwürdig zu gestalten“ soll die „Integration benachteiligter Menschen“ und die „Zusammenarbeit unterschiedlicher Religionen für ein friedliches Miteinander“ gefördert werden. Schwerpunktmäßig will die Stiftung ausländische Mitbürger, psychisch kranke Menschen sowie verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche unterstützen.

Die Stiftung könne eine Maßnahme im Jahr fördern, erläutert Vorstandsmitglied Martin Backhouse. 2006 gehen die Zuschüsse an ein Projekt der Grundschule Scharrerstraße. Ein schulisches Integrationskonzept, das die Familie mit einbezieht, hat den Stiftungsbeirat überzeugt.   

Dem Stiftungsbeirat gehören Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen, der Israelitischen Kultusgemeinde und dem Ausländerbeirat der Stadt Nürnberg an.  „Es ist eine private Stiftung“, erklärt Backhouse, „die bereits im Beirat auf ein Miteinander hin angelegt ist“.                               

Informationen über die Miteinander-Stiftung erteilen Martin Backhouse, Egidienplatz 29, 90403 Nürnberg, Tel. 0911/214-1251 oder das Stiftungsmanagement der Deutschen Bank AG, Tel. 069/910-48982.