27. Januar 2005

100 Jahre Caritasverband Nürnberg

Not sehen und handeln. Damals und heute

Seit hundert Jahren besteht der Caritasverband Nürnberg. Am 10. Januar 1905 gründete Jakob Hauck, damals Stadtpfarrer von St. Elisabeth, den „Charitasverein Nürnberg“. Caritas gehört wesentlich zum Leben der Kirche. Die Sorge für arme, kranke und alte Menschen zählte in allen Zeiten zu den vorrangigen kirchlichen Aufgaben. Mit der Gründung des Caritasverbandes Nürnberg gab die katholische Kirche in Nürnberg eine Antwort auf die sozialen Herausforderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Not sehen und handeln: Mit dem Leitwort der deutschen Caritas lassen sich die Anfänge des Caritasverbandes Nürnberg gut überschreiben. Jakob Hauck - ab 1912 als geadelter Jacobus von Hauck  Erzbischof von Bamberg - sah die Not der Arbeiterfamilien in den Industrievierteln von Nürnberg, das Elend verwahrloster Kinder, deren Eltern in den Fabriken den Lebensunterhalt verdienen mussten, und handelte: in den Arbeiterquartieren ließ er vier Kleinkinderhorte einrichten für „Kinder jeden Bekenntnisses“. Von Anfang an ist die Caritas damit für alle Hilfsbedürftigen offen, unabhängig von Konfession und Weltanschauung.

Der Caritasverband Nürnberg, der als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche für die Erzdiözese Bamberg im Raum Nürnberg tätig ist - im Süden Nürnbergs, der zum Bistum Eichstätt gehört, ist der Caritasverband für die Diözese Eichstätt noch mit einer Kreisstelle in Langwasser präsent - zählt zu den ältesten in Deutschland. In der Erzdiözese Bamberg war er der erste, der ins Leben gerufen wurde. Der „Charitasverband für das katholische Deutschland“ war bereits 1897 in Köln gegründet worden.

Heute ist der Caritasverband Nürnberg mit seinen über 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter zahlreiche Ordensleute und unterstützt durch viele Ehrenamtliche, in Beratungsstellen, in Einrichtungen der Wohnungslosen- und Gefährdetenhilfe, in der Alten- und Gesundheitshilfe, in der Migrationsarbeit, in der Kinder- und Jugendhilfe für die Menschen da und knüpft mit anderen Wohlfahrtsverbänden am sozialen Netz der Großstadt.

Damals wie heute ist der Auftrag, die Würde jedes Menschen zu bewahren und für christliche Werte einzustehen. In der Großstadt Nürnberg bedeutet dies, so formuliert es Roland Werber, seit 1999 Caritasdirektor: zum einen traditionelle Aufgaben wahrnehmen und zum anderen in den sozialen Brennpunkten schwerpunktmäßig tätig sein. „Gerade den Menschen, die in der Gesellschaft Ausgrenzung erfahren, wie psychisch Kranken und Obdachlosen, will die Caritas vermitteln, dass sie nicht im Stich gelassen werden“. Mit der Ökumenischen Wärmestube, der Straßenambulanz „Franz von Assisi“, mit Domus Misericordiae, dem Haus Hagar für Frauen in Not oder dem stationären Hospiz Haus Xenia habe der Caritasverband Akzente gesetzt.  

Für Stadtdekan Theo Kellerer, der seit 1976 als Erster Vorsitzender dem Caritasverband Nürnberg vorsteht, gehören Kirche und Caritas zusammen. „Kirche und Caritas müssen für die Schwachen und Armen ihre Stimme erheben. Gerade in einer weitgehend säkularisierten und multikulturellen Großstadt kann die Caritas im Geiste Jesu Menschen begleiten und echte Hilfe geben, Hilfe zur Selbsthilfe.“ 

Im Jubiläumsjahr lenkt der Caritasverband Nürnberg mit Aktionen, insbesondere mit einer dreiteiligen Gesprächsreihe im Caritas-Pirckheimer-Haus, das Interesse der Öffentlichkeit auf aktuelle Herausforderungen für Kirche, Caritas und Staat. Mit einem Festgottesdienst am Freitag, 29. April, um 10 Uhr in der Frauenkirche mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und einem Festakt im Caritas-Pirckheimer-Haus feiert die Caritas dann offiziell das 100-jährige Bestehen. Außerdem lädt sie unter dem Motto „Caritas konkret“ zu einem Tag der Offenen Tür ein.

[nach oben]   [zurück]