24. Februar 2005

Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick besucht Beratungsstelle für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen in Neustadt/Aisch


Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick begrüßt im Pfarrsaal Neustadt/Aisch die pflegenden Angehörigen von demenzkranken Menschen.


Immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen: Der Erzbischof besucht Demenzkranke bei ihrer wöchentlichen Kaffeerunde in der Caritas Sozialstation Neustadt/Aisch.


„Demenzkranke und ihren pflegenden Angehörigen begleiten.“ Unter diesem Motto stand die diesjährige Frühjahrssammlung der Caritas im Erzbistum Bamberg. Erstmals begleitete ein diözesanes Veranstaltungsprogramm die Sammlungswoche. In dessen Rahmen besuchte Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick die Beratungsstelle für pflegende Angehörige des Caritasverbandes Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim und die Pfarrei St. Johannes in Neustadt/Aisch.

Originalton von Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick aus einem Radiobericht (200 KB)

Demenzerkrankungen sind die Hauptursache für Pflegebedürftigkeit im Alter. Etwa eine Million Menschen sind in Deutschland von Demenz betroffen. Demenz bedeutet: Verlust geistiger und körperlicher Fähigkeiten bis zu einer völligen Hilflosigkeit. Die Psyche des Erkrankten verändert sich. Sein Verhalten wird oft auch für nahe Verwandte unverständlich. 80 Prozent der Demenzkranken werden zu Hause von Angehörigen gepflegt. Zu 85 Prozent sind die Pflegenden Frauen: Ehefrauen, Töchter, Schwiegertöchter. Die Pflege erfordert nicht selten einen Einsatz rund um die Uhr

Die Beratungsstelle des Caritasverbandes Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim bietet Demenzkranken und ihren Angehörigen Hilfe, Beratung und aktive Entlastung. Jede Woche organisieren Elisabeth Plank, Leiterin der Beratungsstelle, und ihre meist ehrenamtlichen Helfer in Neustadt an der Aisch, Bad Windsheim und Scheinfeld einen Betreuungsnachmittag. „An diesen Tagen wird mit den Kranken gesungen, gespielt, gebastelt und es werden Geschichten von früher erzählt“, berichtet Elisabeth Plank. Darüber hinaus führt sie selbst bis zu 600 Beratungsgespräche jährlich. „Die Familien der Kranken tun alles, was sie können, aber auch ein von Demenz betroffener Mensch braucht soziale Kontakte, Anregung und Bestätigung.“ Denn die Demenz schreite langsamer voran, wenn die Menschen so lange wie möglich in ihren Fähigkeiten gefordert werden und ein reges gesellschaftliches Leben führen. Für die Angehörigen bietet die Beratungsstelle einmal monatlich in jeder der drei Städte eine Gesprächsrunde an. Einen solchen Nachmittag besuchte Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick in der letzten Caritas-Sammlungswoche. Etwa 30 pflegende Angehörige waren aus dem ganzen Landkreis angereist, um mit dem Erzbischof zu sprechen.

„Wer sein eigenes Haus nicht bestellen kann, der kann auch in einem anderen nichts richten“, erklärte Ludwig Schick mit Blick auf die Gesundheitsreform. Mit dieser stünde nicht alles zum Besten, denn sie treffe vor allem kinderreiche Familien und ältere Menschen. Durch die Sparmaßnahmen würden jetzt vielen Menschen Zeitzwänge auferlegt, die immer weniger Raum für die Menschlichkeit ließen. „Bei all den Reformen, Höherqualifizierungen und Funktionalisierungen darf das Menschliche nicht vergessen werden“, betonte der Erzbischof. „Es ist schön und gut“, sagte er weiter, „dass wir älter werden dürfen, das Leben länger genießen können und mehr Zeit haben, es ausklingen zu lassen“. Doch ein Problem der zunehmenden Lebenserwartung sei die Altersdemenz. Deshalb sei die gute Versorgung und Betreuung alter Menschen von zunehmender Bedeutung. Der Erzbischof sprach den Mitarbeitern der Beratungsstelle und ihren ehrenamtlichen Helfern große Anerkennung und Dank für ihren Einsatz aus. Denn „als Christen sind wir auch von unserem Glauben her dazu berufen, uns für kranke und alte Menschen zu engagieren“. Hilfe, Pflege und Anteilnahme sei Dienst am Menschen und damit auch an Jesus Christus.

„Demenz darf kein Tabuthema mehr sein“, erklärt Elisabeth Klotz aus Emskirchen, „denn jeden kann es treffen“. Seit über sieben Jahren pflegt sie ihre demenzkranke Mutter. Mit Tränen in den Augen berichtet sie, wie alles begann. Zunächst veränderte sich das Verhalten der Mutter. Später konnte sie nicht mehr stehen und nicht mehr reden. Heute sei jeder Schluck zu trinken eine Hürde ,die überwunden werden müsse. Auch Sonja Mann aus Markt Erlbach war bereit über ihre Erfahrungen zu reden. Vor zwei Jahren wurde bei ihrer Mutter die Diagnose Demenz gestellt. Anfangs sei es ihr sehr schwer gefallen, mit den Veränderungen umzugehen. Doch der Erfahrungsaustausch in der Gruppe habe ihr neue Kraft gegeben. Dankbar für die Einrichtung der Beratungsstelle äußerten sich alle Beteiligten. Die Gespräche nehmen ihnen die Ängste. Die Beratungen helfen ihnen in rechtlichen und finanziellen Belangen. Und die Betreuungsnachmittage bieten eine wirkliche Entlastung und kleine Freiräume in ihrem Leben.

Im Anschluss an das Gespräch mit den pflegenden Angehörigen warteten noch Demenzkranke bei einer Kaffeerunde auf den Erzbischof. Auch ihr Kreis war an diesem Tag ungewöhnlich groß. Doch bei jedem hatte Ludwig Schick Zeit für ein kleines Gespräch, ein paar aufmunternde Worte und ein freundliches Lächeln. Begegneten ihm manche ernst und verhalten, nutzten andere die Gelegenheit, auch einmal mit dem Erzbischof ausgelassen plaudern und lachen zu können.

Mit seinen Hilfsangeboten hat der Caritasverband Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim Pionierarbeit geleistet. 1998 wurde eine allgemeine Beratungsstelle für pflegende Angehörige gegründet. Doch sehr schnell zeigte sich, berichtet Elisabeth Plank, dass ein großer Bedarf an Hilfe bei der Pflege von Demenzkranken bestand. Bereits im Januar 1999 wurde die Beratungsstelle mit ihrer heutigen Ausrichtung ins Leben gerufen. Sie ist mit den Jahren gewachsen und wird zunehmend in Anspruch genommen. Bis heute ist diese Einrichtung einmalig im Landkreis Neustadt/Aich – Bad Windsheim. Nun hofft der Caritasverband auf en Erfolg der Frühjahrssammlung. Denn nur mit Hilfe privater Spenden können die Hilfsangebote weiter ausgebaut und immer mehr Demenzkranke und ihre Angehörigen auf ihrem schweren Weg begleitet werden. Getreu dem landesweiten Motto der Caritas: „Not sehen und handeln.“

Ada Stützel

[nach oben]   [zurück]