12. April 2005

Bildungsexpertin statt Basteltante

Diskussion in der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik: Die Erzieherinnen-Ausbildung ist besser als ihr Ruf

Unterbezahlt, unterqualifiziert und überlastet. Deutsche Erzieherinnen und Erzieher schneiden in der aktuellen Bildungsdiskussion nicht besonders gut ab. Doch was leisten sie wirklich? Und wie gut ist ihre fachakademische Ausbildung? Studierende der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik in Bamberg luden Vertreterinnen von Bamberger Kinder- und Jugendeinrichtungen zum Expertinnen-Gespräch: eine Diskussion über Reformen, Erziehungspläne und die Liebe zu einem wenig anerkannten Beruf.

Eine ganze Woche lang befassten sich die Studierenden in verschiedenen Projektgruppen zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ mit der Frage nach dem Bild der Erzieherin in der Öffentlichkeit. Dabei bekamen sie überraschende, widersprüchliche, aber auch Mut machende Antworten von Passanten, Medien und zukünftigen Kolleginnen.

„Basteln und Spielen“ – bei einer Umfrage in der Bamberger Fußgängerzone hielten das die meisten Passanten nach wie vor für die Hauptaufgabe der Erzieherin. Dass die Ausbildung an der Fachakademie fünf Jahre umfasst, vermutete nur jeder Achte der rund vierzig Befragten. Dass sie neben Fächern wie Mathematisch-Naturwissenschaftliche Erziehung, Psychologie, Heilpädagogik, Rechtskunde oder Medienpädagogik insgesamt drei Jahre schulisch begleitete Praxis-Erfahrung in Heim, Hort, Kindergarten und Schule beinhaltet, ist nahezu unbekannt.

Ein langer Weg zu einem anspruchsvollen Beruf. Denn für die Arbeit mit den unterschiedlichsten Verhaltensauffälligkeiten brauche man ein hohes Maß an Flexibilität und Fachwissen, urteilte Tanja Ankenbrand von der Caritas-Kinder- und Jugendhilfe St. Marien – St. Elisabeth beim abschließenden Expertinnen-Gespräch. Gefordert sei neben Kreativität in allen Bereichen (von der Sprachförderung bis hin zum naturwissenschaftlichen Experiment) auch eine gute Selbst- und Fremdwahrnehmung, die in die Arbeit mit Kindern und Eltern einfließe. Durch ein „Bachelor of Education“-Studium (wie es ab 2006 auch an der Universität Bamberg angeboten wird) ließe sich der Berufsstand zwar aufwerten, die überaus wichtige Praxisanbindung bleibe dabei aber auf der Strecke, lautete das Fazit der Fachfrauen in der Diskussionsrunde.

Weitgehend positiv beurteilten sie den neuen bayerische Bildungs- und Erziehungsplan. „Er sieht das Kind als Individuum und eignet sich gut als Grundlage für die Reflexion der eigenen Arbeit“, lobte die Erzieherin Anita Porter vom Caritas-Kindergarten St. Elisabeth. Die im Erziehungsplan vorgeschriebene Dokumentation der Erziehungsziele sei überlebensnotwendig, betonte Hortleiterin Bianca Clauß vom Kinderhort Ankerplatz, denn gute konzeptionelle Arbeit und Transparenz nach außen entschieden über den Fortbestand jeder Kinder- und Jugendeinrichtung: „Wir werden ohne Eltern überhaupt nichts mehr erreichen.“ Allein schon die gesellschaftspolitische Aufgabe zwinge, so Porter, zur ständigen „Außenschau“. Dabei helfen könnten kontinuierliche Weiterbildungen und Supervisionen, für die in den Einrichtungen aber oft das Geld fehle.

Krippenleiterin Anne Rahm von den Hainwichteln bemängelte die geringe Solidarität und die Einzelkämpfer-Mentalität unter den Erzieherinnen, die sich auch darin zeige, wie wenige Erzieherinnen gewerkschaftlich organisiert seien. Angesichts der erschütternden Umfrage-Ergebnisse benötigten deutsche Erzieher/-innen vielleicht mehr als alles andere eine gute Lobby-Arbeit, um die Qualitäten ihres Berufes und den bereits vorhandenen Ausbildungsstandard einer breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren.

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