8. April 2005

Prälat Valentin Doering zum Profil der Caritas-Arbeit: Christliche Spiritualität als Grundlage des Handelns


Unter den Zuhörern im Caritas-Pirckheimer-Haus waren zahlreiche Ordensschwestern und Mitarbeiter des Caritasverbandes Nürnberg, der anlässlich seines 100-jährigen Bestehens zu dem Vortrag eingeladen hatte.


Der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Valentin Doering, erinnerte an den Auftrag von Kirche und Caritas, die Würde jedes Menschen zu bewahren.
Fotos: Sauerbeck

In der Bewahrung der Würde jedes Menschen, in der Anwaltschaft für Menschen in Not sowie in der Mitgestaltung der Sozialpolitik bestehe der unveränderte Auftrag der  Caritas, betonte der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Valentin Doering. Im Caritas-Pirckheimer-Haus sprach er anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Caritasverbandes Nürnberg. Die Menschlichkeit einer Gesellschaft entscheide sich daran, ob der Mensch in all seinen Existenzformen - mit Behinderung oder im Alter - wahrgenommen werde.

Nicht als "Caritäter", sondern als versierter Diplomat und Vermittler an der Nahtstelle Kirche und Öffentlichkeit nahm Doering zum Profil und Proprium der Caritas Stellung. Als Leiter des 1993 eingerichteten Katholischen Büros Bayern in München hält er engen Kontakt zur Freisinger Bischofskonferenz und zur Staatsregierung, zu Politik, Wirtschaft, Medien sowie Spitzenverbänden wie dem Landescaritasverband. Zu den Aufgaben des Katholischen Büros zählt auch die Behandlung von grundsätzlichen Fragestellungen, die über die Belange eines einzelnen Bistums hinausgehen.

"Hilfen für Menschen in Not" gehörten, wie in den Leitbildern definiert, zu den Grundaufgaben der Caritas, bekräftigte Doering. Verbände wie der Caritasverband Nürnberg e.V., der mit über 700 Mitarbeitern in Einrichtungen und Diensten von der Schwangerenberatung bis hin zum stationären Hospiz  für die Würde des Menschen von Anfang bis Ende einstehe, müssten sich allerdings fragen, ob sie angesichts der gegenwärtigen Umbrüche und Veränderungsprozesse in Zukunft noch alle Hilfen in diesem Umfang anbieten könnten.

Aktuelle Herausforderungen

Mit einem zunehmenden Wettbewerb im Zeichen der Globalisierung, mit Fragen der Finanzierbarkeit und der Qualitätssicherung sowie der demografischen Entwicklung seien die Caritasverbände heute direkt konfrontiert. 

Für Kirche und Caritas bedeute es eine Herausforderung, die "Nöte" der Zeit zu erkennen und konkrete Antworten zu finden. Bereits definierte "Notlagen" müssten aber auch immer wieder auf den Prüfstand, “ob sie so definiert bleiben können”, merkte Doering an.

Auf die Frage, wie "Konsolidierungsprozesse" in Kirche und Caritas zu gestalten seien, antwortete Doering, dass alle Phantasie darauf verwendet werden müsse, kompetentes, engagiertes und motiviertes Personal nicht entlassen zu müssen. "Wieviel Geld ist wirklich da, wofür wird es verwendet?" Dies seien Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellten.

Leben aus dem Evangelium

Zum unverwechselbaren Profil und zum Proprium der Caritas zählt Doering die theologischen Grundlagen, die christliche Spiritualität. Nicht im Rückgriff auf eine Vision oder eine Ideologie, sondern in der Rückbindung an Leben und Wirken Jesu Christi bestehe das Eigentliche caritativer Arbeit. 

Der Mensch in der Unverwechselbarkeit seiner Person, verstanden als Gottes einmalige Schöpfung, müsse im Mittelpunkt stehen, unterstrich der promovierte Theologe und Priester und erinnerte an das Weltgericht im 25. Kapitel des Matthäusevangeliums: "Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan".

An die zahlreichen Caritas-Mitarbeiter im Plenum richtete er die Anfrage: "Wes´ Geistes Kind bin ich?". Eine "Dienstgemeinschaft", wie sich ja ein Caritasverband verstehe, müsse hinterfragen, ob sie in der Außenwahrnehmung noch identifizierbar bleibe, wenn sich immer weniger Mitarbeiter mit dem Selbstverständnis identifizierten.

Eine christliche Haltung - realitätsbezogen und "hoffend wider alle Hoffnung", wie Doering Paulus zitierte - sollte die Arbeit der Caritas prägen und auszeichnen. Dabei müsse man freilich berücksichtigen, dass auch Caritas-Mitarbeiter religiös unterschiedlich gestimmt seien. 

Zu seinem 100-jährigen Bestehen thematisiert der Caritasverband Nürnberg e.V. in öffentlichen Gesprächen zentrale Herausforderungen für Kirche, Caritas und Staat. Die Reihe, die mit Bundesministerin Renate Schmidt zum Thema Familienpolitik eröffnet wurde, schließt mit einem Vortrag von Prof. Dr. Cornel Sieber. Der Altersmediziner geht am Mittwoch, 1. Juni, 19.30 Uhr, ebenfalls im Caritas-Pirckheimer-Haus, Königstraße 64 auf die Herausforderung der demografischen Entwicklung ein und spricht zum Thema "Der alte Menschen im Brennpunkt der Gesundheitsversorgung".

[nach oben]   [zurück]