30. September 2004

Der gute Mensch vom Teufelsgraben

Egon Ochner spendet 80 Bilder zugunsten der Caritas-Kindererholung – Die Collagen stehen bis Mitte November in der Zentrale der Diözesan-Caritasverbandes zum Verkauf.


Egon Ochsner

„Der guten Menschen Hauptbestreben ist, andern auch was abzugeben“, behauptete Wilhelm Busch. Egon Ochner aus Bamberg ist da ein gutes Beispiel. Großzügig hat er dem Caritasverband 80 Werke aus seinem reichen kunstgewerblichen Schaffen für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt. Durch den Erlös aus dem Verkauf der Werke kann die Caritas Kinder aus sozial benachteiligten Familien zur Erholung schicken, was sonst wegen mangelnder Zuschüsse nicht mehr möglich wäre. Wer eines der 30 mit „GON“ gezeichneten und individuell mit Passepartout und Rahmen versehenen Werke erwirbt, leistet einen Beitrag dazu.

Die gerahmten Bilder sind bis Mitte November im Großen Konferenzraum des Dr.-Philipp-Kröner-Hauses in Bamberg (Obere Königstraße 4 b) während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Weitere Bilder werden liegen in der CariThek im Deutschen Haus (Obere Königstr. 4 a) zu Ansicht und Verkauf aus..

Wer ist Egon Ochner, dieser großzügige Spender? Als verantwortlicher Redakteur einer Fachzeitschrift für Kunsthandwerk kam er 1952 von Württemberg nach Bamberg und schlug zu seinem eigenen Erstaunen in der Bischofsstadt für immer Wurzeln. Vor allem seit er im Ruhestand ist, kreiert er mit Phantasie, einem ausgeprägten Sinn fürs Skurrile und mit ungebrochener Schaffenskraft originelle Zeichnungen, Collagen und Objekte. Das „Häusle“, sein kleines Paradies im Teufelsgraben, platzt bald aus allen Nähten. Jeder Winkel, jede Wand atmet den Geist zweier kunstsinniger Menschen, denn auch Ruth Ochner präsentiert hier ihre zauberhaften Aquarelle. Das Paar, das in Pforzheim studiert und dort sowie auf vielen Reisen „sehen gelernt hat“, teilt seit 60 Jahren Freud und Leid, vor allem aber die Begeisterung für Kunst.

Mit seiner geschickten linken Hand – den rechten Arm hat er im Krieg verloren – und mit ganzem Herzen zeichnet, malt, klebt und werkelt der gelernte Goldschmied gegen Kitsch und Geschmacklosigkeit an. „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, will ich nicht rumsitzen und jammern, sondern lieber etwas tun.“ Die teils von bekannten Kunstwerken alter Meister inspirierten, teils aus der eigenen lebhaften Phantasie entstandenen kunstgewerblichen Werke begeisterten Ausstellungsbesucher schon in vielen deutschen Städten. Wer mit Egon Ochner spricht, ist fasziniert von seinen warmen Augen, seinem herzlichen Lachen, seiner Lebendigkeit. Die 84 Lebensjahre mag man dem bärtigen Künstler gar nicht glauben. Halt – als Künstler will er nicht bezeichnet werden, auch wenn er einer ist – zumindest ein Lebenskünstler, der hoffentlich noch viele Jahre kreativ tätig sein kann.

Man darf also der originellen Caritas-Bilderaktion von Egon Ochner Erfolg, sprich viele Käufer, wünschen. Die Collagen zeigen durchwegs religiöse Motive und regen durch überraschende Kompositionen zum Nachdenken an. Für die Bilder hat übrigens Martina Thiele vom „Bilderbogen“ in der Luitpoldstraße Passepartouts gespendet und individuell für jedes Werk einen dekorativen Rahmen ausgesucht.

Renate Steinhorst

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