12. Oktober 2004

Straßenambulanz „Franz von Assisi“ in Nürnberg unter neuer Leitung – Dank an Bruder Martin


Roland Stubenvoll, gelernter Krankenpfleger und erfahrener Heimleiter, hat als Nachfolger von Bruder Martin die Leitung der Straßenambulanz "Franz von Assisi" übernommen.
Foto: Sauerbeck

Die Straßenambulanz "Franz von Assisi" hat eine neue Leitung. Der Krankenpfleger Roland Stubenvoll führt die von Franziskanerbruder Martin Berni gegründete und vom Caritasverband Nürnberg getragene niedrigschwellige Einrichtung fort.

Nach neunjähriger Aufbauarbeit verließ Bruder Martin Nürnberg, um in Ingolstadt eine neue Herausforderung zu suchen. Mit dem nahtlosen Übergang zum 1. Oktober hat die Caritas die kontinuierliche Betreuung bedürftiger Menschen in der Anlaufstelle am Hummelsteiner Weg gesichert.

Die Fußspuren für den Nachfolger sind groß. Der charismatische Ordensmann war für viele Menschen zu einem Inbegriff tätiger Nächstenliebe geworden. "Wir wollen und können ihn nicht kopieren", sagt  Caritasdirektor Roland Werber. Dem Franziskaner zollt er "höchste Anerkennung für all das, was er für die Menschen auf der Straße getan hat". Für Bruder Martin habe der "ganze Mensch" gezählt. Um zu helfen, sei er  unkonventionelle Wege gegangen. Jetzt gehe es darum, das Gute zu bewahren und da, wo es sinnvoll sei, Änderungen vorzunehmen.

Der 37-jährige Stubenvoll bringt die nötige Voraussetzung mit. Der ausgebildete Krankenpfleger war von 1987 bis 1996 in der Psychiatrie Engelthal tätig und bildete sich zum Stationsleiter weiter. 1996 wechselte er zu einem privaten Heimträger in Sulzbach-Rosenberg und übernahm später die Leitung eines Hauses für psychisch Kranke.

Der Weggang von Bruder Martin und eines Pflegehelfers hat auch dazu geführt, die konzeptionelle Ausrichtung der Straßenambulanz zu überdenken. Schwerpunkt, so bestätigt Werber, bleibt die medizinische und pflegerische Versorgung wohnungsloser Menschen. Deswegen wurde noch eine zweite Pflegefachkraft eingestellt. Das Methadon-Programm für Suchtkranke und die ärztlichen Sprechstunden werden fortgeführt. Zudem gewann Bruder Martin Ärzte aller Fachrichtungen für Kooperationen, auf die sein Nachfolger zurückgreifen kann. Ist die Einarbeitungsphase erst einmal vorbei, will Stubenvoll nicht nur in den Räumen am Hummelsteiner Weg infizierte Wunden versorgen und Verbände wechseln, sondern auch, wie Bruder Martin, die Menschen auf der Straße aufsuchen

Eine Niederbronner Schwester und eine Franziskanerin aus Reute, die bereits unter Bruder Martin zum Kernteam gehörten, halten der Straßenambulanz die Treue. Ein Kreis von 15 Ehrenamtlichen trägt, so hofft Stubenvoll, die Arbeit der Einrichtung auch weiterhin mit. Zukünftig will der Caritasverband seine Einrichtungen in der Obdachlosenhilfe - dazu zählen Domus Misericordiae in der Pirckheimer Straße und die Ökumenische Wärmestube in der Köhnstraße - und deren Angebote noch stärker vernetzen.

Seinen Vorgänger hat Stubenvoll über die Arbeit in Engelthal kennen und schätzen gelernt. "Bruder Martin hat Großartiges geleistet." Gestrandete und obdachlose Menschen vorbehaltlos annehmen: diese Grundhaltung hat sich auch der neue Leiter zu eigen gemacht. "Ich frage nicht, wie sie in diese Lage gekommen sind." Allerdings kann er nicht mehr wie der Ordensmann "rund um die Uhr" für die Menschen da sein. Die Öffnungszeiten der Straßenambulanz wurden daher geringfügig verkürzt. In Zukunft bleibt die Einrichtung am 1. Wochenende im Monat geschlossen: "da haben die Menschen noch Geld".

Außerdem wird die Wohngemeinschaft über dem Tagestreff aufgelöst. In der Wohnung hatte Bruder Martin obdachlose Männer für eine Übergangszeit aufgenommen. Stubenvoll beteuert jedoch: "Niemand bleibt auf der Straße, der nicht auf der Straße bleiben will" und bietet die Vermittlung in Nürnberger Notschlafstellen an.

Finanziert wird die Straßenambulanz zu zwei Dritteln aus Eigenmitteln, bisher überwiegend Spenden. Zuschüsse der Stadt decken den Rest ab. Im Jahr 2003 beliefen sich die Betriebskosten auf insgesamt 275.000 Euro. Caritasdirektor Werber hofft, dass auch in Zukunft genügend Menschen bereit sind, die Arbeit der Straßenambulanz ideell und finanziell zu unterstützen.

Denn der Bedarf ist groß: Im Laufe der Jahre zählte die Straßenambulanz immer mehr Patienten: waren es 1996 noch 570, so wurden im vergangenen Jahr 877 Frauen und Männer betreut. Und der Jahresbericht 2003 weist über  16.700 Behandlungen aus.       

Die Straßenambulanz "Franz von Assisi", Hummelsteiner Weg 36, 90459 Nürnberg, Telefon (0911) 45 95 78 hat folgende Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 11.30 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr und Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr. 

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