1. Oktober 2004

Mehr Zusammenarbeit in der Sterbebegleitung vereinbart

Tagung von Caritas und Diakonie brachte Mitarbeiter von Pflegediensten und Ehrenamtliche aus Hospizgruppen zusammen


Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon eröffnete die Tagung im Erlanger Pacellihaus


Blick in eine Arbeitsgruppe

Eine intensivere Kooperation zwischen ehrenamtlicher Hospizarbeit und professionellen Pflegediensten haben die Teilnehmer der Tagung „Vernetzte Sterbebegleitung“ am gestrigen Donnerstag im Erlanger Pacellihaus verabredet. So wird auf Bistumsebene eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die Wege finden soll, Sterbebegleitung noch stärker in der Arbeit der Altenheime zu verankern und dabei Hospizhelfer einzubeziehen. An der Tagung nahmen rund 120 Haupt- und Ehrenamtliche aus Pflegeeinrichtungen der Caritas und Diakonie sowie von Hospizvereinen teil.

„Unsere Pflegeheime werden immer mehr zu Sterbehäusern,“ benannte Dietmar Horchheimer, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim, ein Problem, auf das die Tagung reagieren wollte. In den Häusern seines Verbandes habe 2003 die Sterberate bis zu 50 Prozent der Bewohner betragen. Viele lebten nur wenige Wochen oder gar Tage im Pflegeheim.

Pfarrer Frank Kittelberger stellte daher ein seit 2001 laufendes Projekt vor, das die Abschieds- und Sterbekultur in fünf Altenheimen der Inneren Mission München verbessern soll. Dort wurde ein Hospizdienst mit augebildeten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aufgebaut. „Weniger als diesen Standard von Begleitung dürfte es eigentlich in keinem Altenheim geben,“ appellierte Kittelberger in seinem Vortrag.

Diözesan-Caritasverband und Diakonisches Werk Bamberg-Forchheim, neben dem Projektreferat der Erzdiözese Bamberg Ausrichter der Veranstaltung, wollen daher die Ehrenamtlichen, die als Besuchsdienst bereits in den Altenheimen wirken, vermehrt dazu befähigen, Sterbende zu begleiten.

Mehr Kooperation ist auch zwischen ambulanten Pflegediensten und Hospizgruppen geboten. Wie hauptamtliche „Brückenkräfte“ eine Verbindungsstelle zwischen Patienten, Angehörigen, Pflegediensten, Ärzten und Hospizhelfern sein können, stellten Jutta Hofmann, Brückenschwester der Hospizstation Diakoniezentrum Nürnberg-Ost, und Monika Seckmeyer, Leiterin der Hospizinitiative der Caritas im Nürnberger Land, vor. Regionaltreffen sollen künftig die Zusammenarbeit verbessern.

Allerdings beklagten Pflegekräfte aus den Sozialstationen bei der Tagung immer wieder, dass sie die „harte, unangenehme“ Arbeit der Körperpflege leisten müssten und dann die Ehrenamtlichen der Hospizvereine zu den Kranken kämen, um die „wertvollere“ Sterbebegleitung zu übernehmen. Die Pflegeversicherung, die einzelne Handgriffe abrechne und Zuwendung und Aufmerksamkeit nicht honoriere, mache den Krankenschwestern und Krankenpflegern eine ganzheitliche Sorge um die Patienten unmöglich.

Vor diesem Hintergrund machte Michael Helmbrecht, Dozent am Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Bamberg, darauf aufmerksam, dass die Spannungen zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen strukturelle Ursachen haben, etwa den Wettbewerbsdruck zwischen den Wohlfahrtsverbänden oder den Konflikt zwischen freien Initiativen, die sich als Reformer verstehen, und traditionellen Organisationen.

Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon forderte mehr Anerkennung für die Sterbebegleitung. Es müsse „ein zentrales Anliegen der Kirchen“ sein, die Begleiterinnen und Begleiter nicht allein zu lassen. Sie müssten spüren, „dass ihr Dienst nicht nur den Sterbenden, sondern auch den Lebenden wertvoll ist, ganz gleich, ob sie ihn von Berufs wegen, ehrenamtlich oder aus persönlicher Bindung an die Sterbenden übernehmen.“

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